ETF-Wissen

Welche ETFs sind nachhaltig? Durchblick im ETF-Dschungel

Welche ETFs sind nachhaltig

Die Anzahl der verfügbaren ETFs hat längst die Tausendermarke überschritten. Das kann einen Anleger einschüchtern. Vor allem, wenn er sich für nachhaltige ETFs interessiert. Woran erkenne ich, welche ETFs nachhaltig sind und welche nicht? Und welche ökologischen und sozialen Kriterien stehen eigentlich dahinter?

Welche ETFs nachhaltig sind, erkennt man in der Regel an bestimmten Schlagworten oder Abkürzungen in ihrem Namen. Wenn dort ein ESG oder SRI steht, kann man sich sicher sein, dass es sich um ein nachhaltiges Produkt handelt. Gängig sind außerdem die Begriffe Sustainability (=Nachhaltigkeit) oder Responsible (=verantwortlich).

Das ist allerdings nur ein erster Anhaltspunkt. Viele ETFs verfolgen speziellere Strategien wie Low Carbon oder Climate Change und dieses „Wirrwarr“ an Bezeichnungen kann auf den ersten Blick sehr unübersichtlich wirken.

Deshalb möchte ich dir hier einen Kompass an die Hand geben, der dir auf deiner Reise durch den (grünen!) ETF-Dschungel ein hilfreicher Wegweiser sein wird.

Woran erkenne ich, welche ETFs nachhaltig sind?

Woran erkenne ich, welche ETFs nachhaltig sind

Ich fand es am Anfang enorm hilfreich, herauszufinden, dass alle nachhaltigen ETFs in eine von drei Kategorien einordnet werden können (hier geht es vor allem um Aktien-ETFs. Nachhaltige Anleihen-ETFs findest du in einem anderen Post).

  1. Ausschluss kontroverser Bereiche
  2. Komplexe Ausschlussstrategien
  3. Fokussierte Themen-ETFs

Wer schon genauere Vorstellungen hat, welche Ziele er mit seinem nachhaltigen Investment verfolgt, kann gezielt in einer der Kategorien nach einem passenden Produkt suchen.

Ansonsten kannst du dir auch einfach eine Kategorie nach der anderen vornehmen und schauen, welche Strategie dir am meisten zusagt.

Zusammenstellung der Unternehmen

Die Auswahl der Firmen in einem nachhaltigen ETF erfolgt übrigens auf Indexebene.

Der Indexanbieter (z. B. MSCI) wählt nach festgelegten Kriterien aus einem Pool von Unternehmen (dem Elternindex) diejenigen aus, die zu seiner Nachhaltigkeitsstrategie passen. Ein ETF-Anbieter kauft dann Aktien dieser Unternehmen im entsprechenden Verhältnis und verkauft das Paket als ETF an seine Kunden weiter.

Wichtiger Hinweis: ETF-Anbieter sind frei in der Bezeichnung ihrer Produkte. Deshalb stimmen ETF-Titel und Name des zugehörigen Index nicht zwingend überein. Das ist ziemlich ungeschickt, kommt aber glücklicherweise nicht allzu oft vor. Ich empfehle aber dringend, immer nach dem Index zu schauen, bevor man einen ETF kauft.

So erkenne ich ETFs, die kontroverse Bereiche ausschließen

Die erste Auswahlstrategie, die vielen ETFs zugrundliegt, basiert auf dem Ausschluss von Unternehmen mit kontroversen Geschäftspraktiken. Das betrifft zum Beispiel Branchen wie Tabak, Waffen oder Alkohol.

Diese ETFs erkennt man z. B. am Kürzel „ex“, das einem anzeigt, welche Branche aus dem Index verbannt wurde. Der Begriff „Screened“ deutet hingegen darauf hin, dass eine ganze Reihe von Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen ausgeschlossen wurden.

Der Vorteil an diesen Indizes ist, dass sie ihren jeweiligen Elternindezes sehr ähnlich sind. Das sorgt dafür, dass die Rendite mit hoher Wahrscheinlich sehr ähnlich sein wird. Viele Investoren möchten sich keine Sorgen um eine mögliche Renditeabweichung vom jeweiligen Elternindex machen. Wenn es dir genauso geht, schätzt du vielleicht die breite Diversifikation bei gleichzeitiger Verbannung der sündigsten Industriezweige.

Beispiele für ETFs aus Kategorie 1:

  • BNP Paribas Easy MSCI EM ex Controversial Weapons UCITS ETF
    Index: MSCI Emerging Markets ex Controversial Weapons
  • iShares MSCI World ESG Screened UCITS ETF USD (Acc)
    Index: MSCI World ESG Screened
  • SPDR STOXX Europe 600 ESG Screened UCITS ETF
    Index: STOXX® Europe 600 ESG-X

So erkenne ich ETFs mit komplexen Ausschlussstrategien

Wenn wir das Ausschlussverfahren von Kategorie 1 nicht ausreicht, wirst du wahrscheinlich in Kategorie 2 fündig. Diese ETFs bzw. Indizes verfolgen ausgeklügelte Strategien, um Firmen zu bewerten und so zusammenzustellen, dass sie deutlich nachhaltiger sind als ihr jeweiliger Elternindex.

Hier sei erwähnt, dass die meisten ETFs in dieser Kategorie ebenfalls kontroverse Unternehmen ausschließen. Allerdings variiert das ein bisschen zu den ETFs aus Kategorie 1.

Welche ETFs nachhaltig sind und einer komplexeren Methodik folgen, erkennt man unter anderem an folgenden Bezeichnungen:

  • ESG
  • SRI
  • Socially Responsible

ESG bedeutet, dass die Unternehmen nach unterschiedlichen Nachhaltigkeitskriterien bewertet werden. Nachdem die kontroversen Unternehmen aussortiert wurden, werden von den restlichen Unternehmen nur die mit dem besten ESG-Ranking in den Index aufgenommen. ESG deutet bei MSCI-Indizes darauf hin, dass die besten 50% in den Index kommen. SRI ist besonders streng. Da sind es nur die besten 25%.

Best-in-class-Prinzip

Dabei ist noch wichtig zu wissen, dass es in der Regel nicht so ist, dass alle Unternehmen in eine Liste kommen, von der dann die Hälfte abgeschnitten wird. Meistens kommt das Best-in-Class-Prinzip zum Einsatz. Bei diesem Ansatz werden die Unternehmen eines Sektors bzw. einer Branche untereinander verglichen. So fallen aus jedem Sektor jeweils 50% aus dem Index.

Das sorgt immer mal wieder für Kritik, da z. B. die Ölbranche nicht komplett ausgeschlossen wird. Aber keine Sorge, die Indizes haben trotz allem ein allgemeines Rating-Limit. Bei den MSCI SRI-Indizes liegt das zum Beispiel beim Rating A. Das bedeutet, wenn ein Sektor nur aus Unternehmen mit BB bis BBB Bewertung besteht, kommt halt keins der Unternehmen in den Index. Da ist dann nix mehr mit Best-in-class.

Wer mehr dazu wissen möchte, wie die ESG-Filter und Rankings funktionieren, kann gerne diesen Beitrag lesen.

Beispiele für ETFs aus Kategorie 2:

  • UBS ETF (LU) MSCI World Socially Responsible UCITS ETF (USD) A-dis
    Index: MSCI World SRI 5% Capped
  • Lyxor 1 DAX® 50 ESG UCITS ETF
    Index: DAX® 50 ESG
  • UBS ETF (IE) S&P 500 ESG UCITS ETF USD A-Acc
    Index: S&P 500 ESG
ETFs mit besonderen Klimaschutzzielen
Klimaschutzziele

Auch wenn die Bereiche fossile Brennstoffe und CO2-Emmision bereits in den ESG-Kriterien berücksichtigt werden, gibt es mittlerweile einige Indizes, die das Thema noch einmal gesondert bewerten.

Entweder sie schließen weitere Unternehmen auf der Produzentenseite aus oder sie strafen auf Verbraucherseite die Firmen mit den größten CO2-Emissionen ab. Dieser Filter wird meistens zusätzlich zu einem ESG-Ranking angewendet, muss aber nicht (siehe MSCI Low Carbon). Wer dieses Thema spannend findet, kann gerne mehr in diesem Beitrag lesen.

Beispiele für ETFs mit zusätzlicher Klimaschutzwertung:

  • HSBC Developed World Sustainable Equity UCITS ETF USD
    Index: FTSE Developed ESG Low Carbon Select
  • Xtrackers MSCI World ESG UCITS ETF 1C
    Index:Der MSCI World Low Carbon SRI Leaders
  • iShares MSCI World SRI UCITS ETF EUR (Acc)
    Index: MSCI World SRI Select Reduced Fossil Fuels

Man beachte hier die Diskrepanzen zwischen den Index- und ETF-Bezeichnungen!

So erkenne ich fokussierte Themen-ETFs

Die 3. Kategorie, die ich unterscheide, sind sogenannte Themen-ETFs, die nicht den breiten Markt abbilden. Sie wählen gezielt Unternehmen mit einer bestimmten nachhaltigen Zielausrichtung aus. Meistens gehörigen sie einer bestimmten Branche an und man erkennt sie leicht an ihrem Namen (siehe Beispiele).

Die Motivation, in so einen ETFs zu investieren, ist meistens zweierlei. Man möchte eine gute Sache unterstützen und außerdem mit dem vielversprechenden Trend eine überdurchschnittliche Rendite erzielen. Ich persönlich bin kein Fan davon, weil diese ETFs wenig diversifiziert sind. Außerdem glaube ich weder an Markettiming noch an Stock Picking. Aber das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Beispiele für ETFs aus Kategorie 3:

  • L&G Clean Water UCITS ETF USD Accumulating ETF
    Index: Solactive Clean Water
  • iShares Global Timber & Forestry UCITS ETF
    Index: S&P Global Timber & Forestry
  • Lyxor MSCI Future Mobility ESG Filtered (DR) UCITS ETF – Acc
    Index: MSCI ACWI IMI Future Mobility ESG Filtered

ETFs mit abweichender Gewichtung

Welche ETFs nachhaltig sind, erkennt man wie wir gesehen haben, recht gut. Eine Eigenschaft, die man ihren Namen aber meistens nicht ansieht, ist die Gewichtung.

Die meisten nachhaltigen Indizes werden analog zu ihren Elternindizes nach Marktkapitalisierung gewichtet. Es gibt allerdings ein paar Ausnahmen. In einigen Indizes sind die Unternehmen entsprechend ihres ESG-Ratings gewichtet.

Das führt dazu, dass besonders nachhaltige Unternehmen überproportional im ETF vertreten sind, was sicherlich zu begrüßen ist. Ob man aber damit einverstanden ist, dass Unternehmen mit sehr niedrigem Ranking nur untergewichtet und nicht ausgeschlossen werden, muss jeder selbst entscheiden.

Beispiele für individuell gewichtete ETFs:

  • Amundi MSCI World ESG Universal Select UCITS ETF DR (C)
    Index: MSCI World ESG Universal Select
  • iShares MSCI World ESG Enhanced UCITS ETF USD (Acc)
    Index: MSCI World ESG Enhanced Focus
  • HSBC MSCI World Select SRI Index A EUR Inc
    Index: MSCI World Select SRI

Welche ETFs sind wirklich nachhaltig?

Welche ETFs sind wirklich nachhaltig

Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Jeder versteht etwas anderes unter Nachhaltigkeit. Ich würde allgemein sagen, dass der Trend von Kategorie 1 zu 3 zunimmt. Wenn du in Forstunternehmen oder erneuerbare Energien investierst, wird dein Geld nachhaltiger für dich arbeiten, als wenn du nur kontroverse Waffen ausschließt. Bei Themen-ETF sollte man sich aber über die Nachteile im Klaren sein (geringe Diversifikation, Branchenrisiko, usw.).

Hervorzuheben sind in Punkto Nachhaltigkeit die SRI-ETFs von MSCI, die besonders strenge Kriterien anlegen. Aber auch die anderen Anbieter bieten sorgfältig zusammengestellt Produkte. Ein erster Anhaltspunkt ist die Anzahl der Unternehmen. Wenn 95% des Elternindex abgedeckt sind, wird der ETF im Verhältnis weniger Nachhaltig sein als wenn nur 25% enthalten sind.

Aber auch ETFs, die viele Unternehmen ausschließen, können Positionen enthalten sein, mit denen man nicht einverstanden ist. Bei Coca Cola oder McDonalds könnte man drüber streiten, inwieweit sie der guten Sache (gesunder Ernährung?) dienen. Ich bin da der Meinung, dass man nicht zu perfektionistisch an die Sache herangehen sollte. So wie die meisten schon aus einem To-Go-Cup getrunken oder eine längere Flugreise gemacht haben, hat auch jede Firma die ein oder andere Schwäche.

Die Frage, welche ETFs nachhaltig sind, muss jeder für sich selbst beantworten. Ich finde zum Beispiel, auch die Screened-ETFs sind tolle Produkte. Zwar sind fast alle Unternehmen des Elternindex enthalten, aber die 5% mit den wirklich indiskutablen Geschäftsmodellen sind ausgeschlossen. Das könnte genau das richtige für Investoren sein, die nah an der Rendite des Elternindex bleiben möchten.

Informationsquellen

Welche Unternehmen in einem ETF ausgeschlossen sind, kann man dem sog. Factsheet entnehmen. Dieses Dokument wird vom ETF-Anbieter zur Verfügung gestellt. Schau am besten mal auf justETF oder extraETF vorbei.

Wer genauer wissen will, welche ESG-Strategie der ETF verfolgt, wird bei den Regelwerken des jeweiligen Indexanbieters fündig. Sie werden als „Index Methodology“ (bei MSCI) oder auch „Index Guideline“ (bei Solactive) bezeichnet. Einfach danach googeln. Die gibt es allerdings meistens nur auf Englisch.

Welche nachhaltigen ETFs sind zu empfehlen?

Mit welchem ETF, bzw. mit welcher ESG-Strategie man sich letztlich anfreunden kann, muss sich jeder selbst überlegen. Nimm dir dafür ruhig ein bisschen Zeit. Ich habe das auch nicht von heute auf morgen entschieden. Wer gerne etwas Hilfe hätte, wie er an die Sache rangehen soll, kann sich gerne meinen Komplett-Guide durchlesen.

Die Kunst ist, einen guten Kompromiss zu finden, bei dem man auch langfristig bleiben wird. Dafür müssen Nachhaltigkeit und Diversifikation in Balance sein. Wenn du mehr zur Entscheidungsfindung erfahren möchtest, schau doch mal in meinen Einsteiger-Guide.

Es ist übrigens ganz spannend wofür sich die breite Masse entscheidet.

Verteilung des Kapitals auf die ETF-Kategorien
Fondvolumen nach Kategorie
Eigene Statistik aus Daten von ETF-Suchmaschinen

Wie man sieht, investieren fast 90 % der nachhaltigen ETF-Anleger in die „klassischen“ ESG- oder SRI-Varianten. Manche haben auch etwas andere Bezeichnungen, aber es überwiegen auf jeden Fall die ETFs mit einer komplexen Auswahlstrategie.

In dieser Kategorie gibt über 100 verschiedene ETFs – Tendenz steigend – und manch einer fühlt sich zunächst überfordert. Meiner Meinung liegt darin aber eine Chance und kein Nachteil. Durch die vielen neuen ETFs hat jeder die Möglichkeit, ein passendes Produkt für sich zu finden. Ein genauer Blick lohnt sich also, und dann kann es losgehen mit dem nachhaltig Investieren.

Fazit

Welche ETFs nachhaltig sind, erkennt man relativ schnell an ihren Bezeichnungen im Titel. Sehr bequem ist auch, dass man bei den gängigen ETF-Suchmaschinen nach nachhaltigen ETFs filtern kann.

Die schwierigere Aufgabe besteht darin, herauszufinden, welche Nachhaltigkeitsstrategie in einem ETF steckt. Da kann es durchaus große Unterschiede geben und die Details verbergen sich meist in den einzelnen Kürzeln. Man kommt nicht um ein bisschen Recherche drumherum, wenn man sicherstellen will, dass die eigenen Maßstäbe erfüllt sind.

Ein hilfreicher Startpunkt ist die Einteilung der ETFs in 3 Kategorien: Ausschluss von Kontroversen, komplexe Auswahlstrategien und Themenfonds. Von da an muss man sich durch die von ETF- und Index-Anbietern bereitgestellten Dokumente hangeln.

Wenn du wissen möchtest, in welche ETFs ich investiere und warum, findest du die Antwort hier.

Nachhaltige Grüße

Nachhaltige Grüße
Christian Kontakt

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