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Wasserstoff-ETFs: eine ungeschönte Analyse (best Pick?)

Wasserstoff-ETFs

Seine Energiedichte ist 3x höher als die von Benzin. Als Chemiker finde ich Wasserstoff mindestens genauso spannend wie als Anleger. Er könnte unser Verständnis von emissionsfreier Energieversorgung revolutionieren. Wer davon profitieren möchte, kann in Wasserstoff-ETFs investieren.

Nach dem Lesen dieses Beitrags wirst du genau verstehen, welche Zukunftschancen Wasserstoff hat, wie Wasserstoff im Vergleich zur Konkurrenz abschneidet und ob es sich lohnt, sein Geld in diese Branche zu stecken.

Das Wichtige in Kürze:

Seit Anfang 2021 gibt es die ersten Wasserstoff-ETFs. Sie decken die gesamte Wertschöpfungskette ab, von der Elektrolyse über die Gasinfrastruktur bis zur Brennstoffzelle.

Unzählige Experten, Analysten und Regierungen sehen Wasserstoff als unabkömmlichen Baustein der bevorstehenden Energiewende.

Mit Wasserstoff-ETFs ist sogenanntes Impact Investing möglich. Du unterstützt nachhaltige Unternehmen und bereitest gleichzeitig dein Portfolio auf das Aussterben fossiler Brennstoffe vor.

Welche Wasserstoff-ETFs gibt es?

Wasserstoff-ETFs sind börsengehandelte Indexfonds, in denen ausschließlich Unternehmen aus der Wasserstoffbranche stecken. Mit nur einem Produkt investierst du in Duzende von Wasserstoff-Aktien, ohne selbst Unternehmen auswählen zu müssen.

Das verhindert, dass du mit 2-3 Einzelaktien auf die Nase fällst.

Die Anzahl der Unternehmen kann sich mit der Zeit ggf. leicht ändern.

Wasserstoff-ETFs sind noch jung, deshalb ist das verwaltete Kapital recht klein. Aber die Gebühren sind fair und Replikation ist vollständig, was sie für Anleger attraktiv macht. Dass sie thesaurierend sind, finde ich ebenfalls sehr gut.

Welche Unternehmen stecken in Wasserstoff-ETFs?

Der L&G-ETF und der VanEck-ETF decken alle wichtigen Bereiche der Wasserstoffbranche ab.

Wertschöpfungskette:

  • Zulieferer (Pumpen, Membranen, Elektroden, usw.)
  • Wasserstoffproduktion (Elektrolyse und alternative Verfahren)
  • Gasspeicher und Gasinfrastruktur (Druckbehälter, Tankstationen, usw.)
  • Brennstoffzellen und Antriebstechnologie
  • Mobilität (PKW, LKW, Busse, Schiffe, Flugzeuge)
  • Industrielle Anwendungen (Stromerzeugung, grüner Stahl, Zementherstellung)

Die Streuung ist von Vorteil, da niemand weiß, welche Firmen am Ende die größten Profiteure sein werden. Allerdings ist das nicht in allen Wasserstoff-ETFs gleich gut umgesetzt.

Welcher Wasserstoff-ETF ist der beste?

Aktuell ist für mich der L&G Hydrogen Economy der beste Wasserstoff-ETFs. Er enthält 30% mehr Unternehmen als der VanEck ETF. Was noch schwerer wiegt ist allerdings, dass beim VanEck nur 6 Unternehmen die Hälfte der ETF-Gewichtung ausmachen.

Außerdem sind 3 der 6 Positionen alteingesessene Gasproduzenten (Linde, Air Liquide, Air Products & Chemicals). Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass in diesen Old Economy Konzernen noch überdurchschnittliches Wachstumspotential steckt.

Das sieht bei Spezialunternehmen wie Nel Asa völlig anders aus.

Wenn schon auf Wasserstoff wetten, dann richtig.

Im L&G ETF sind viele High Potentials in gut verteilter Gewichtung enthalten. Das finde ich attraktiver. Auch wenn der VanEck mit Plug Power und Ballard Power Systems zwei Brennstoffzellenspezialisten auf den vorderen Plätzen hat.

Auch bei der Länderverteilung überzeugt mich der L&G Hydrogen Economy.

Beim VanEck steckt mehr als die Hälfte in den USA und Großbritannien. Da ist der L&G ETF breiter aufgestellt. Interessanterweise hat Deutschland hier auch eine signifikante Gewichtung, während man deutsche Unternehmen im VanEck vergeblich sucht.

Liste der aktuellen Positionen:

VanEck Vectors Hydrogen Economy UCITS ETF

L&G Hydrogen Economy UCITS ETF

Welcher Wasserstoff-ETF am Ende der beste ist, hängt von vielen Faktoren ab. Viel wichtiger ist aber meiner Meinung nach die Frage, ob Wasserstoff-ETFs überhaupt einen Platz in deinem Depot verdient haben.

Wasserstoff – eine  Trendeinschätzung

Studien zufolge wird allein in Europa der Wasserstoffbedarf bis 2030 auf 450 TWh ansteigen und sich bis 2040 noch einmal auf 2.100 TWh vervierfachen. Grüner Wasserstoff, also vollständig aus erneuerbaren Energien hergestellter, wird laut PricewaterhouseCoopers bereits 2030 wettbewerbsfähig sein.

Gegensätzliche Meinungen

Es gibt unzählige Analysen, Studien und Berichte, die Wasserstoff eine glänzende Zukunft vorhersagen.

Zur Erreichung des Klimaschutzziels einer 95-%-Treibhausgasminderung ist der Einsatz von Wasserstoff aus heutiger Sicht unumgänglich.

Roadmap des Frauenhofer-Instituts, 2019

Allerdings gibt es auch prominente Kritiker, die behaupten Wasserstoff ist nicht wirtschaftlich.

Fuel cell vehicles are not the right technology solution… They are extremely silly.

Elon Musk über Brennstoffzellen im Verkehr

Die Realität liegt wie sooft dazwischen. Es gibt viele unterschiedliche Anwendungsbereichen. In einigen ist Wasserstoff erst Wahl, in anderen nicht.

Einsatzbereiche sauberen Wasserstoffs

© Gregor Hagedorn, Wolf-Peter Schill & Martin Kittel, based on Michael Liebreich/Liebreich Associates, Clean Hydrogen Ladder, Version 4.1, 2021

Wenige wissen, dass der Bundestag im Juni 2021 beschlossen hat, Wasserstoff neben Öl und Gas als eigenständigen Energieträger zu definieren. Dazu wurde extra das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) ergänzt, quasi das Grundgesetz des Energiesektors!

Wir reden hier also von einer strategischen Neuausrichtung eines der wirtschaftsstärksten Länder der Welt und nicht von der Meinung irgendeines Elektroauto-CEOs.

Ähnliches haben die Japaner getan, als sie 2016 eine umfassende Wasserstoff-Strategie für ihr Land beschlossen.

Es ist also keine Frage, ob Wasserstoff kommt, sondern nur wann, wo und wie.

Was ist so toll an Wasserstoff?

Als Chemiker und Anleger interessiert mich, worin die Vorteile von Wasserstoff bestehen. Dafür ist es wichtig, eines zu verstehen:

Wasserstoff ist weder eine Energiequelle noch eine Antriebstechnologie.

Wasserstoff ist ein Energiespeicher. Er erlaubt, nachhaltig erzeugten Strom aufzubewahren und zu transportieren.

Das klingt im ersten Moment langweilig, ist aber eine Schlüsselrolle bei der Transformation in eine klimaneutrale Zukunft.

Wasserstoff als Energiespeicher

Nachts und im Winter wird weniger Solarenergie erzeugt als im Sommer, aber umso mehr Wärme verbraucht. Auch Windkraft ist alles andere als stabil. Hinzukommt, dass man Flugzeuge und Schiffe nicht mit Hochspannungsleitungen versorgen kann.

Wasserstoff schafft genau da Abhilfe. Allerdings hat er leistungsstarke Konkurrenz. Akkus und künstlich erzeugtes Erdgas erfüllen die gleiche Aufgabe.

Vorteile von Wasserstoff:
  • Höhere Energiedichte als Kohlenwasserstoffe und Akkus
  • Die Speicherung erfordert keine seltenen oder giftigen Metalle
  • Bei der Verbrennung entsteht kein Treibhausgas sondern Wasser
Nachteile von Wasserstoff:
  • Die Speicherung von Wasserstoff ist aufwändig
  • Geringerer Gesamtwirkungsgrad als bei Akkus

Wasserstoff vs. künstliches Erdgas

Fossile Energieträger wie Methan (Erdgas) können künstlich hergestellt werden (Power-to-Fuel). Viele wissen aber nicht, dass man dafür Wasserstoff braucht. Dieser wird elektrolytisch gewonnen und anschließend mit CO2 oder anderen Kohlenstoffquellen zum Endprodukt umgesetzt.

Künstliche Kohlenwasserstoffe sind also keine Konkurrenz für Wasserstoff.

Sie sind eine Konkurrenz für Brennstoffzellen.

Diese werden nämlich nicht gebraucht, wenn der Wasserstoff chemisch zu anderen Treibstoffen weiterverarbeitet wird, die dann in klassischen Verbrennungsmotoren oder Heizkraftwerken eingesetzt werden.

Dazu muss man allerdings sagen, dass es nicht trivial ist, diesen Kreislauf klimaneutral zu bekommen. Bei der Verbrennung entsteht wieder CO2. Das wird in die Luft gepustet, aus der es wieder zurückgewonnen werden muss. Sonst ist es kein Kreislauf.

In Kraftwerken ist das einfacher. Dort kann man das CO2 direkt nach der Verbrennung auffangen. Im mobilen Bereich ist das aber unmöglich. Deshalb sind Akkus dort die Hauptkonkurrenz.

Wasserstoff vs. Akkus

Wasserstoff vs. Batterie

Lädt man mit nachhaltig erzeugtem Strom eine Batterie, ist das doppelt so effizient wie die Verwendung von Wasserstoff. Durch die Elektrolyse, das Verflüssigen und die Prozesse in der Brennstoffzelle leidet der Wirkungsgrad.

Allerdings benötigen viele Batterien Rohstoffe mit zweifelhafter Umweltbilanz.

Außerdem halten sie nicht ewig und sind schwer. Das ist aber bei Teilen der Wasserstofftechnologie auch ein Problem. Beide Technologien liefern sich aktuell ein Wettrennen um Umweltbilanz, Wirtschaftlichkeit und Ressourcenverwertung. Ein konkreter Vergleich ist nahezu unmöglich.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Bei Autos sehe ich allerdings momentan den Akku vorne. Das eigentliche Potential von Wasserstoff liegt vermutlich im Nutzverkehr, der Energieerzeugung in Kraftwerken und der industriellen Produktion (Stichwort grüner Stahl).

Die 7 häufigsten ETF-Fehler

( und wie du sie vermeidest )

Echte Fälle aus dem wirklichen Leben. Inspiriert durch Freunde, Familie und die ETF4Good-Community.

Welches Renditepotential haben Wasserstoff-ETFs?

Für die Bewertung eines Investments ist neben den Zukunftsperspektiven vor allem der Preis entscheidend. ETF-Papst Gerd Kommer warnt zu Recht vor folgendem Anlegerfehler:

Fehler 15: Ein gutes Unternehmen mit einer guten Aktie verwechseln

Kapitel 2.15 in Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs

Eine Firma kann sich noch so gut entwickeln. Wenn der Hype schon eingepreist war, kann der Aktienkurs genau das Gegenteil machen.

Um zu bewerten, ob Wasserstoff-ETFs ein gutes Investment sind, müsstest du also eine grobe Vorstellung davon haben, ob die enthaltenen Wasserstoff-Aktien über- oder unterbewertet sind.

Zugegeben, wenn du langfristig investierst und die Branche großes Potential hat, spielt das weniger eine Rolle. Sollte Wasserstoff disruptiv sein und unsere Energiewirtschaft revolutionieren, sind höhere Bewertungen vermutlich zu verkraften.

Da gibt es allerdings ein anderes Problem.

Konkurrenz durch andere disruptive Technologien

Langfristig werden Wasserstoff-ETFs vermutlich steigen. Das liegt daran, dass der Aktienmarkt steigt. Aber werden Wasserstoff-Aktien stärker steigen als der Rest?

Cathy Woods von Ark Invest, die schon als die beste Investorin der Welt bezeichnet wurde, sieht 5 Megatrends auf uns zukommen. Keiner davon ist Wasserstoff.

  1. Künstliche Intelligenz
  2. Gentechnologie
  3. Robotik
  4. Batterietechnologie
  5. Blockchain

Wenn du einen Wasserstoff-ETF kaufst, wettest du gegen Cathy Woods.

Ein schlauer Privatinvestor wird einwerfen, dass die ja alle gut laufen könnten. Es gibt doch die Old Economy, die verlieren wird: langweilige Banken, Chemieunternehmen und Lebensmittelkonzerne. Aber meinst du nicht, das weiß auch der Markt und hat es längst eingepreist?

Das bedeute nicht, dass ich gänzlich von Wasserstoff-ETFs abraten würde. Wenn man sie im Rahmen einer Core-Satellite-Strategie in sein Portfolio integriert, ist das Risiko überschaubar. Außerdem gibt es noch andere Gründe, die für ein Investment in Wasserstoff-ETFs sprechen.

Impact Investing mit Wasserstoff-ETFs

Impact Investing mit Wasserstoff-ETFs

Diesen Aspekt habe ich bisher unterschlagen. Bei nachhaltigen Investments, und dazu zählen Wasserstoff-ETFs, spielen nicht nur Renditeerwartungen eine Rolle.

Vielen Investoren geht es darum, ihr Geld mit gutem Gewissen anzulegen und einen positiven Einfluss zu haben. Insgesamt gibt es 5 Gründe, warum jeder nachhaltig investieren sollte.

Beim sogenannten Impact Investing unterstützt man nachhaltige Firmen und Projekte mit dringend benötigtem Kapital. Viele aufstrebende Unternehmen der Wasserstoffbranche sind auf eine stabile Finanzierung angewiesen, um technologische Neuentwicklungen voranzubringen.

Geht einer Firma unterwegs das Geld aus, war die Mühe umsonst.

Dein Kapital geht natürlich nicht direkt an die Firma sondern an die, denen du die ETF-Anteile abkaufst. Du erzeugst damit allerdings ein Marktsignal, das sich positiv auf den Kurs auswirkt. Das Unternehmen kann sich so leichter refinanzieren.

Du unterstützt die Unternehmen also indirekt und hast einen positiven Einfluss auf die bevorstehende Energiewende.

Fazit

Wasserstoff-ETFs sind eine Sektorwette. Solch ein Investment geht mit entsprechenden Risiken einher. Du solltest also eine begründbare Meinung haben, warum sich Wasserstoff-ETFs zukünftig besser entwickeln als andere Investments.

Wasserstoff-ETFs sind ein Marketingprodukt.

Wenn du ausschließlich auf Grundlage von Medienberichten oder deinem Bauchgefühl investierst, würde ich von Wasserstoff-ETFs abraten. Sonst bist du nicht clever sondern nur mutig und Mut war beim Investieren schon immer gefährlich.

Nachhaltige Grüße

Nachhaltige Grüße
Christian Kontakt

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