Nachhaltigkeitsstrategie

Was ist der Unterschied zwischen ESG und SRI?

Unterschied zwischen ESG und SRI

Bei meinen Recherchen zum Thema nachhaltige Investments liefen mir als erstes die Abkürzungen ESG und SRI über den Weg. Es dauerte eine Weile, bis ich enträtselt hatte, worin der Unterschied zwischen ESG und SRI besteht. Knapp zusammengefasst könnte man sagen:

ESG und SRI stehen beide ganz allgemein für nachhaltiges Investieren. Der wichtigste klar definierbare Unterschied zwischen Socially Responsible Investing (SRI) und ESG-Investing ist, dass bei letzterem die ESG-Kriterien als Maßstab für Nachhaltigkeit herangezogen werden.

Das klingt reichlich vage, habe ich recht? Ist es auch, zumindest, wenn es um die allgemeine Bedeutung der beiden Begriffe geht. Zum Glück gibt es aber in der Welt der ETFs ziemlich konkrete Unterschiede zwischen ESG und SRI. Sie zu kennen erleichtert einem die Orientierung bei den mittlerweile weit über hundert nachhaltigen ETFs.

Socially Responsible Investing vs. ESG-Investing

Socially Responsible Investing

Ich möchte eine Warnung aussprechen. Die Konzepte Socially Responsible Investing und ESG-Investing haben keine eindeutige Definition (unser ETF-Papst Gerd Kommer sieht das übrigens genauso). Jeder wird dir etwas anderes darüber erzählen und keiner wird sagen können, ob das nun richtig oder falsch ist. Wenn du irgendwo eine offizielle und eindeutige Definition findest, sag mir bitte Bescheid!

Aber ehrlich gesagt, der Mehrwert ist sowieso gleich null. Wenn jeder etwas anderes meint, was nützt es dann, wenn auf einem Investment „Socially Responsible“ draufsteht? Du musst sowieso genau hingucken, was sich dahinter verbirgt.

Jetzt kommt die gute Nachricht. Wenn du dich für passives Investieren interessierst, wird die Sache einfacher. ESG wird hier zwar relativ weit gefasst verwendet, aber SRI ist klar davon abgegrenzt. Das liegt vor allem daran, dass fast nur MSCI das Kürzel SRI in ihren Indizes verwendet.

Fast zwei Drittel aller nachhaltigen ETFs basieren auf Indizes von MSCI. Über 90% davon haben eines der beiden Kürzel in ihrem Titel. Grund genug also für jeden passiven nachhaltigen Investor, sich mit dem Unterschied zwischen ESG und SRI auseinander zu setzen.

Der Unterschied zwischen ESG und SRI bei ETFs

Eigenschaft ESG-ETFs SRI-ETFs
Negatives Screening (Ausschluss bestimmter Branchen) ja ja
Berücksichtigung ESG Controversies Score manche ja
Positives Screening nach Best-in-class-Ansatz manche ja
Berücksichtigung zusätzlicher Kennzahlen (z. B. CO2-Emissionen) manche manche
Themenfonds manche nein
Anzahl Unternehmen des Elternindex (MSCI World) 51-94 % 22-38 %
Marktkapitalisierung des Elternindex (MSCI World) 48-93 % 24-43 %
Anzahl ETFs (alle Anbieter) 75 38
Total Expense Ration (TER) 0,15-0,30 % 0,18-0,27 %

Die wichtigste Erkenntnis ist, dass SRI die strengeren Kriterien anlegt. Das erkennt man bei den ETFs selten auf den ersten Blick. Man muss sich erst die einzelnen Nachhaltigkeitsstrategien anschauen und die Anzahl der Positionen in den ETFs miteinander vergleichen. Diese Info kann also einiges an Recherchezeit sparen.

Wer schon von vorn herein weiß, dass er keine Kompromisse in Sachen Nachhaltigkeit eingehen möchte, braucht eigentlich nur bei den SRI-ETFs zu schauen. Investoren, die hingegen ihre moralischen Wertvorstellungen mit dem Wunsch nach maximaler Diversifikation in Einklang möchten, müssen sich etwas mehr mit dem Thema befassen.

Gemeinsamkeiten von ESG und SRI

Sowohl ESG als auch SRI beschreiben Auswahlstrategien, die zwischen nachhaltige Unternehmen und nicht nachhaltigen Unterscheiden unterscheiden. Je nach Methodik sind das mal mehr und mal weniger. Das ist die Grundlage für die Zusammenstellung von nachhaltigen Indizes. ETFs bilden diese Indizes ab und wir können dann darin investieren.

Wer jetzt denkt, dass sich ESG-Methoden und SRI-Methoden drastisch voneinander unterscheiden, der irrt. Das grundsätzliche Vorgehen ist nämlich das gleiche. Ich lese an so vielen Stellen, dass ESG-Investing eher negatives Screening ist und SRI eher positives Screening. Meiner Erfahrung nach ist das vor allem bei ETFs totaler Quatsch.

Ich hab die Indexleitfäden (Methodology) rauf und runter gelesen. Sowohl in ESG- als auch in SRI-ETFs kann man alle drei der folgenden Schritte finden.

Der Auswahlprozess in 3 Schritten

Schritt 1: Negatives Screening: Alle Unternehmen, die in kontroversen Branchen tätig sind oder auf unerwünschte Weise ihr Geld verdienen, werden aussortiert (z. B. Waffen, Tabak, Alkohol). Außerdem werden oft Unternehmen, die nicht mindestens ein bestimmtes ESG-Rating erreichen ausgeschlossen.

Schritt 2: Kennzahlen: In einigen Indizes werden Kennzahlen wie z. B. die CO2-Emission oder der Besitz fossiler Brennstoffreserven herangezogen, um Unternehmen auszusortieren (z. B. in der Low Carbon Methodology).

Schritt 3: Positives Screening: Die Unternehmen werden entsprechend ihres ESG-Ratings sortiert, meistens innerhalb ihres Sektors (Best-in-class-Prinzip). Dann wird bei einem bestimmten Prozentsatz ein Cut gemacht, so dass am Ende zum Beispiel 50 % der Marktkapitalisierung des Elternindex erreicht werden.

Wer sich übrigens ganz allgemein zum Thema nachhaltig Investieren mit ETFs informieren möchte, kann meinen Einsteiger-Guide lesen. Dort habe ich mein bestes gegeben, alle wichtigen Punkte so kompakt wie möglich zusammenzufassen.

Was zeichnet ESG-ETFs aus?

Was zeichnet ESG-ETFs aus

Wie du in der Tabelle oben siehst, bieten ESG-ETFs ein deutlich breiteres Spektrum an Produkten. Die MSCI ESG Screened-Reihe beschränkt sich beispielsweise auf den ersten Filterschritt. Nur die wirklich indiskutablen Unternehmen fliegen aus dem Index und er ist seinem Elternindex sehr ähnlich.

Das ist für Investoren attraktiv, die sichergehen wollen, dass sie nicht von kontroversen Geschäftsmodellen profitieren, aber trotzdem eine ähnliche Rendite wie der Elternindex erzielen. Ich fand es recht schockierend, was ich in meinem MSCI World für Waffenfirmen hatte. Das war der erste Anstoß, mich mit nachhaltigem Investment zu beschäftigen.

Andere ESG-ETFs gehen einen Schritt weiter und verwenden das positive Screening, um die Nachhaltigkeit deutlich zu erhöhen. In den MSCI ESG Leaders Indizes wird die Anzahl dadurch auf weniger als 50 % reduziert.

Der zweite Filterschritt kommt ein bisschen seltener vor. Meist werden die CO2-Emissionen der Unternehmen berücksichtigt. Der Klimawandel ist ein Megatrend. Ob man ihm mit solchen ETFs entgegenwirken oder sogar davon profitieren kann, habe ich in diesem Beitrag beschrieben.

Was zeichnet SRI-ETFs aus?

Da wo ESG-ETFs aufhören, fangen SRI-ETFs an. Sie machen nichts, was ein MSCI ESG Leaders nicht auch macht, sie machen aber alles viel strenger.

Es werden zusätzliche Geschäftsmodelle ausgeschlossen (z. B. genetisch veränderten Organismen), das minimale ESG-Rating liegt beim dritthöchsten Wert A und am Ende schaffen es nur 25 % der Unternehmen in die Auswahl.

Weitere Details habe ich in diesem Beitrag beschrieben. Wenn du dich dafür interessierst, empfehle ich dir, auch die jeweilige Index-Methodology zu lesen (einfach danach googeln).

An dieser Stelle noch ein Tipp: Wenn du auf den ETF-Suchmaschinen wie justETF oder extraETF unterwegs bist, achte immer auf den Indexnamen. Der Name des zugehörigen ETFs ist manchmal irreführend. Der Xtrackers MSCI World ESG UCITS ETF bildet zum Beispiel den MSCI World Low Carbon SRI Leaders Index ab. Klingt bescheuert? Ist leider so. Für mehr Durchblick im Begriffsdschungel, schaue in diesen Beitrag.

Welche ETFs sind besser? ESG oder SRI?

ESG-ETFs vs. SRI-ETFs

Wie du in der Tabelle oben siehst, zahlt man für die strengere Auswahl bei SRI-ETFs keine extra Gebühren. Auch sonst gibt es keinen formalen Grund, warum die einen ETFs besser sein sollten als die anderen. Es gibt sowohl bei ESG- als auch bei SRI-ETFs eine große Auswahl und du kannst dein Investment ganz nach deinen persönlichen Vorlieben auswählen.

Wie bereits erwähnt sind SRI-ETFs vor allem etwas für Investoren, die keine Kompromisse eingehen möchten. Bei ESG-ETFs ist das Spektrum deutlich größer. Aber es gibt auch interessante Hybrid-Varianten wie die MSCI Low Carbon SRI Leaders ETFs. Dort werden die strengen Filterkriterien der SRI-Methodik verwendet, aber am Ende nur 50 % der Unternehmen aussortiert.

Fazit

Das Universum der nachhaltigen ETFs ist mittlerweile auf über 150 angewachsen und recht unübersichtlich. Man darf sich aber von den anfänglichen Hürden nicht abschrecken lassen. Alle wichtigen Informationen sind online verfügbar und es ist kein Hexenwerk, ohne Bankberater einen passenden ETF zu finden.

Die große Auswahl kommt vielfach daher, dass es für die einzelnen Länder und Kontinente separate ETFs gibt. Konzentriere dich erst mal auf die weltweit gestreuten Varianten wie den MSCI World. Dann wirst du schnell herausfinden, ob ESG-ETFs etwas für dich sind oder eher die strengeren SRI-Varianten.

Ein paar konkrete Portfolio-Beispiele findest du in meinem Weltportfolio-Beitrag.

Nachhaltige Grüße

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Christian Kontakt

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