ETF-Wissen

Sind ETFs gefährlich? Der Faktencheck

Sind ETFs gefährlich

ETFs versprechen attraktive Renditen bei geringem Risiko. Das Rundum-sorglos-Paket für den Privatanleger. Aber kann man wirklich so einfach Geld an der Börse verdienen? Oder sind ETFs gefährlicher als viele denken?

In diesem Beitrag erfährst du, wo du bei ETFs aufpassen musst, welche Argumente der ETF-Gegner du getrost vergessen kannst und mit welchen ETFs du dich tatsächlich sorglos zurücklehnen kannst.

Das Wichtige in Kürze:

ETFs sind kein „dummes Geld“, wie viele behaupten. Wer versteht, wie ETFs ihre Rendite mache, versteht auch, warum sie ein unschlagbar gutes Rendite-Risiko-Verhältnis haben.

Ein Totalausfall eines ETFs ist quasi unmöglich. Zudem schützt die Regulatorik vor dem Pleitegehen von Banken und Finanzdienstleistern.

Es ist unwahrscheinlich, dass ETFs gefährlich für die Stabilität des Finanzsystems sind. Es ist aber theoretisch denkbar, dass sie einen Crash verstärken und in Zeiten der Panik schlecht handelbar sind.

Optimiertes Sampling und Swap-basierte ETFs können sich negativ auf die korrekte Abbildung eines Index auswirken. Das kann Abstriche bei der Rendite bedeuten.

Sind ETFs dummes Geld?

Fondmanager wie Dirk Müller behaupten gerne, dass ETFs gefährlich sind, weil Anleger damit blind in Unternehmen investieren, ohne deren Qualität oder Risikoprofil zu prüfen. Noch schlimmer: Große Teile des Kapitals fließen in Firmen, die bereits gut gelaufen sind und eine hohe Marktkapitalisierung aufweisen. Wie hoch sollen Apple, Tesla und Co. noch steigen?

Leider verstehen die meisten nicht, wo die Rendite von ETFs herkommt.

ETFs sind weder dumm noch gefährlich. Sie funktionieren nur gänzlich anders als Einzelaktienportfolios. Das verschweigen aktive Fondmanager gerne, um ihre Produkte zu vermarkten.

So machen ETFs ihre Rendite

Es stimmt natürlich, dass die heutigen Top10-Unternehmen früher oder später ihren Platz räumen werden. Als ETF-Investor sollte dich das aber nicht jucken. Deine Rendite kommt von all den Überfliegern von morgen, die du heute schon im Portfolio hast.

Woher kommt die Rendite von ETFs

Kein aktiver Investor hatte 1996 sowohl Apple, als auch Microsoft und Amazon im Portfolio. Und wenn, hat er sie garantiert nicht bis heute gehalten. Ist auch beängstigend, wenn sich der Wert von Apple innerhalb von 25 Jahren fast vertausendfacht! Doch genau dieses Wachstum macht den Großteil der Marktrendite aus.

Studien zufolge sind lediglich 4% aller Unternehmen für die komplette Rendite des Aktienmarktes verantwortlich (je nach Zeitraum sogar nur 1%). Ein ETF-Investoren hat jede einzelne dieser Firmen im Portfolio und denkt im Traum nicht dran, sie zu verkaufen. Dadurch wird die unterdurchschnittliche Rendite aller restlichen Firmen überkompensiert.

Wer die ganze Welt im Portfolio hat, braucht sich meiner Meinung nach also keine Sorgen zu machen.

Kann man mit ETFs Geld verlieren?

Kann man mit ETFs Geld verlieren

Natürlich kann man mit ETFs Geld verlieren. Schließlich bestehen sie aus Aktien und Anleihen. ETFs senken zwar durch Diversifikation das Risiko. Aber je nach Marktlage kann selbst ein breit gestreuter ETF wie der MSCI World mehr als 50% an Wert verlieren.

Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied zu Einzelaktien.

Bei einem ETF, der weite Teile der Weltwirtschaft abdeckt, kannst du dir sicher sein, dass er irgendwann auch wieder steigen wird. Es gibt dagegen viele Aktien, die sich nach einem Downturn nie wieder erholen. Das Geld ist für immer futsch. Ein MSCI World oder ein FTSE All Country World werden immer wieder neue Allzeithochs erreichen.

Der Markt kennt langfristig nur eine Richtung: nach oben!

Das liegt am technologischen Fortschritt, der steten Steigerung der Effizienz und der globalen Weiterentwicklung, die nicht aufzuhalten ist. Wer also breit streut und ausreichend Zeit mitbringt, kann schwache Marktphasen getrost zum Nachkaufen nutzen.

Buy&Hold-Anleger werden früher oder später durch die ansehnliche Marktrendite von ca. 8-9% belohnt. Ein Anlagehorizont von 15+ Jahren sollte dafür ausreichen.

Sind Themen-ETFs gefährlich?

Ein bisschen anders ist das Bild bei Themen-ETFs, die sich auf eine Branche oder eine technologische Entwicklung konzentrieren. Hier ist das Risiko deutlich größer, dass sie sich dauerhaft negativ entwickeln. Wer weiß schon, ob sich eSports-, Cloud- oder Aeging-Population-ETFs langfristig durchsetzen?

Das gefährliche an Themen-ETFs ist, dass viele Anleger bloß „ETF“ lesen und denken, dass ihnen damit nichts passieren kann. Das hat beim Thema erneuerbare Energien schon einmal ein böses Erwachen gegeben.

Kann ein ETF Pleite gehen?

Ein ETF kann nicht pleite gehen, da dies bedeuten würde, dass alle darin enthaltenen Aktien ihren Wert verloren haben. Selbst bei kleinen Nischen-ETF ist dies unwahrscheinlich, da auch wenige Duzend Unternehmen nicht plötzlich wertlos werden können.

Die Bank, die einen ETF herausgibt, kann aber sehr wohl insolvent gehen. Darüber müssen sich Anleger aber keine Sorgen machen. ETF-Anteile zählen zum sogenannten Sondervermögen und sind im Falle einer Insolvenz vor den Ansprüchen der Gläubiger geschützt.

Das Sondervermögen ist von dem eigenen Vermögen der Kapitalverwaltungsgesellschaft getrennt zu halten.

§92 Kapitalanlagegesetzbuch

Was passiert, wenn ein ETF-Anbieter pleite geht?

Wenn ein ETF-Anbieter pleite geht, werden bestehende ETFs aufgelöst. Dafür werden die Anteile zu aktuellen Marktpreisen verkauft und die Anleger werden ausbezahlt. Übernimmt ein Konkurrent das Geschäft, können bestehende ETFs aber auch weitergeführt werden.

Solltest du tatsächlich ausbezahlt werden, ist das aus steuerlicher Sicht natürlich suboptimal (schließlich fällt die Kapitalertragssteuer an). Wirklich dramatisch ist das allerdings nicht. Dein Kapital ist nicht in Gefahr, selbst wenn der Markt gerade niedrig steht. Du kannst das Geld ja sofort bei einem anderen Anbieter in einen vergleichbaren ETF stecken (zu eben diesen niedrigen Kursen).

Der ganze Spaß kann dir übrigens auch passieren, wenn ein noch lebendiger Anbieter einen ETF schließt, weil er unrentabel ist. Ich empfehle daher immer, ETFs zu wählen, die idealerweise 5+ Jahre alt sind und ein Fondvolumen von mindestens 100 Mio € verwalten.

Sind ETFs gefährlich für die Börse?

Sind ETFs gefährlich für die Börse

Aktive Investoren sehen in ETFs eine Gefahr für die Effizienz der Aktienmärkte. Durch ETFs entsteht Nachfrage nach Unternehmen, ohne dass deren Fundamental- oder Risikokennzahlen es wirklich hergeben. Das könnte zu einer Blasenbildung führen.

Hier gibt es einen großen Denkfehler.

ETFs sind nicht gefährlich für die Börse, da sie sich in einem Gleichgewicht mit aktiven Investoren befinden. Führt die unselektive Nachfrage durch ETFs zu Ineffizienzen am Markt, werden diese von aktiven Marktteilnehmern wieder ausgeglichen.

Über den Anteil von ETFs am Gesamtmarkt wird debattiert. Real dürfte er im einstelligen Bereich liegen. Beim Handelsvolumen ist er vermutlich noch mal geringer. Eine ETF-Blase oder gar die Destabilisierung des Finanzsystems ist also unwahrscheinlich.

Sollten durch immer mehr ETF-Investoren tatsächlich mal Unternehmen überbewertet und andere unterbewertet sein, gibt es genug kundige Investoren, die das erkennen und ausgleichen. Schließlich winkt genau da ihre Chance auf Überrendite.

Können ETFs einen Börsencrash verstärken?

Aus meiner Sicht etwas brenzliger wird die Sache beim Börsencrash. Fallen die Kurse in einem bestimmten Sektor und ETF-Anleger geraten in Panik, kann sich das auf andere Bereiche ausdehnen. Schließlich kann man immer nur komplette ETF-Anteile verkaufen und nicht nur Unternehmen, die einem aktuell gefährdet erscheinen.

Wenn also Tech-Aktien crashen und MSCI World-Besitzer in Panik verkaufen, werden auch Coca Cola und Nike-Aktien auf den Markt gespült. Das kann zu weiteren Verwerfungen führen, wenn Aktien fallen, bei denen keiner damit gerechnet hat. Margin Calls setzen weitere Dominosteine in Gang und es geht abwärts.

Beim Corona-Crash haben wir das umgekehrt gesehen. Tech-Unternehmen, die von den damaligen Entwicklungen eigentlich eher weniger betroffen waren, fielen wie alle anderen Aktien ins Bodenlose. Als sich die Sache beruhigt hatte, explodierten sie förmlich. Ob ETFs der Grund dafür waren, kann natürlich keiner mit Sicherheit sagen.

Sind ETFs im Crash nicht handelbar?

Hinzu kommt eine Gefahr, die ich ehrlich gesagt schlecht beurteilen kann. Wenn es hart auf hart kommt, könnten ETF-Besitzer auf Grund mangelender Liquidität Probleme beim Verkaufen ihrer Anteile bekommen. Wenn in einem Crash mehr ETF-Anteile verkauft als gekauft werden, muss der Anbieter die darin enthaltenen Aktien abstoßen.

Das ist bei kleinen Nischenunternehmen ein Problem.

ETFs wie der MSCI World oder der MSCI Emerging Markets enthalten sehr viele kleine Unternehmen, deren Aktien teils nur an ausländischen Börsen gehandelt werden können. Diese Wertpapiere schnell und in großen Mengen loszuwerden, kann im Zweifel unmöglich sein.

Was das im Fall eines großen Crashs für die Liquidität eines ETFs bedeutet, ist schwer abzuschätzen. Temporär könnten ETFs tatsächlich destabilisierende Kräfte entfalten. Mir als Buy&Hold-Investor ist das aber ehrlich gesagt ziemlich egal. Ich will gar nicht verkaufen. In einem schwachen Markt kaufe ich lieber nach.

Wer langfristig investiert, dem können ETFs nicht gefährlich werden.

Sind Swap-ETFs gefährlich?

Sind Swap-ETFs gefährlich

Idealerweise hält ein ETF-Anbieter exakt die Aktien, die auf dem ETF auf draufstehen. Das nennt sich direkte Replikation. Allerdings ist das aus Kostengründen und begrenzt durch die schlechte Liquidität kleiner Aktien nicht immer möglich.

Anbieter von synthetischen ETFs, auch Swap-ETFs genannt, umgehen dieses Problem. Sie dürfen gänzlich andere Aktien in ihrem Portfolio halten, als der Index des ETFs vorgibt. Eine Drittpartei, meistens eine andere Bank, tauscht die Wertentwicklung dieses realen Portfolios und garantiert im Gegenzug die exakte Wertentwicklung des eigentlichen Index.

Das gefährliche hierbei ist, dass ein Swap- bzw. Tauschpartner ausfallen kann. Dann bleibt der ETF-Anbieter auf seinen realen Aktien sitzen, die im Zweifel weniger wert sein können als der Index, den der ETF eigentlich abbildet.

Diese Geschäfte sind allerdings hoch reguliert und die Abweichungen dürfen zu keinem Zeitpunkt über bestimmte Grenzen hinausgehen. Außerdem verleihen auch physisch replizierende ETFs Teile ihrer Wertpapiere und haben ein Drittanbieterrisiko.

Wer trotzdem noch zögerlich ist, kann sich dieses sehr informative Finanzfluss-Interview zu dem Thema anschauen:

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Die unterschätzte Gefahr von Optimiertem Sampling

Diesen Punkt haben nur wenige auf dem Schirm. Dabei könnte er gerade in den nächsten Jahren relevant werden. ETFs, deren Indizes viele kleine und illiquide Werte enthalten (Small Caps), versuchen den Aufwand durch optimiertes Sampling zu reduzieren (z. B. der SPDR MSCI World ACWI IMI).

Dabei werden kleinere Werte einfach weggelassen und die Lücken werden durch eine Übergewichtung größerer Firmen gefüllt. Das geschieht nach ausgeklügelten Methoden, die u. a. die Industriesektoren und die regionale Verteilung berücksichtigen.

In Zeiten, in denen große Firmen immer größer wurden, hat das gut funktioniert.

Die letzten Jahrzehnte gehörten Amazon, Apple & Co. und nicht den Small Caps.

Verfällt der Small Cap Bonus?

Optimiertes Sampling kann vor allem für Investoren gefährlich sein, die bewusst auf kleine Unternehmen setzen, um die Small Cap Faktorprämie abzugreifen.

Wenn kleine Unternehmen tatsächlich mal wieder outperformen, aber gar nicht physisch im ETF enthalten sind, wird der erhoffte Renditeboost ausbleiben. Der Index steigt zwar, der entsprechende ETF aber nicht. Das schlägt sich dann in einer großen Tracking Differenz nieder.

Small Cap Faktorprämie

Kleine Firmen bergen ein etwas höhere Risiko als große Unternehmen. Über lange Zeiträume wird dieses Risiko überproportional durch höhere Rendite belohnt. Die Rendite ist also etwas höher als es das Risikoplus erwarten lassen würde. Diese sogenannte Faktorprämie erklärt auch einen Teil der höheren Rendite der Emerging Markets.

Fazit

Mag sein, dass ETFs zu Ineffizienzen am Markt führen können. Mag sein, dass ETFs einen Crash verstärken können. Mag sein, sie in Zeiten von Panik schlecht handelbar sind.

Das ändert nichts daran, dass du Anteile an tollen Unternehmen im Depot hast.

ETFs sind weder gefährlich noch dumm und das solltest du dir von keinem aktiven Fondmanager einreden lassen.

Sie gehören zu den sichersten Investments, die man finden kann, wenn man eine vernünftige Rendite erzielen möchte. Was natürlich nicht heißt, dass sie völlig risikofrei sind. Rendite geht immer mit Risiko einher, dafür bekommt man ja die Rendite. Aber wenn du langfristig ausgerichtet bist, kann dir meiner Meinung nach nicht viel passieren.

Nachhaltige Grüße

Nachhaltige Grüße
Christian Kontakt

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