ETF-Wissen

Welche Rendite bringen nachhaltige ETFs?

Nachhaltige ETFs Rendite

Verzichtet man auf Rendite, wenn man in nachhaltige ETFs investiert? Absolut nicht. Nachhaltige ETFs können genauso gut laufen wie normale ETFs. Der Zeitpunkt für den Einstieg könnte sogar günstig sein. Die Welt steht vor tiefgreifenden Veränderungen und Unternehmen der Zukunft müssen ressourcenschonend, umweltfreundlich und fair arbeiten.

Im letzten Jahrzehnt haben viele nachhaltige ETFs bessere Renditen geliefert als ihre Benchmark. Der MSCI World SRI wuchs zum Beispiel mit knapp 10% pro Jahr um ca. 0,5% mehr als der MSCI World. Beim MSCI Emerging Markets SRI war es sogar ein Plus von über 2 % im Vergleich zum MSCI EM.

Das ist der Meinung vieler Experten nach kein Zufall. Auch ich bin davon überzeugt, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Das ist kein Blick in die Glaskugel, sondern eine Betrachtung von Chancen und Risiken. In diesem Beitrag findest du alles zum Thema nachhaltige Rendite und den Chancen von nachhaltigen ETFs.

Welche nachhaltigen ETFs liefern die besten Renditen?

Die besten nachhaltigen Renditen

Nachhaltige Investoren möchten wissen, worauf sie sich einlassen. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Rendite ist wichtig, auch wenn es beim nachhaltigen Investieren um mehr geht als finanziellen Erfolg. Doch bevor wir uns die Tops und Flops aus der Riege der nachhaltigen ETFs anschauen, möchte ich eine Warnung loswerden.

Die meisten nachhaltigen ETFs sind noch nicht lange genug am Markt, um belastbare Aussagen zu Rendite und Schwankung zu erlauben.

MSCI World vs. S&P Global Clean Energy (2013-2020)

MSCI World vs. Global Clean Energy (2013-2020)

Super Performance der erneuerbaren Energien! Oder? Schauen wir uns einen längeren Zeitraum an.

MSCI World vs. S&P Global Clean Energy (2007-2020)

MSCI World vs. Global Clean Energy (2007-2020)

Das ist exakt der gleiche Datensatz, nur um ein paar Jahre verlängert. Da sieht der Themen-ETF deutlich weniger attraktiv aus. Es ist also Vorsicht geboten. Interessant ist es trotzdem, die Rendite von nachhaltigen ETFs miteinander zu vergleichen. Es gibt einem einen Eindruck, welche Merkmale sich auf ihre Rendite und ihre Wertschwankung auswirken können.

In der Regel vergleicht man nachhaltige ETFs mit ihren Elternindizes, also z. B. einen MSCI World SRI mit dem MSCI World. Die Erträge unterscheiden sich, weil in nachhaltigen ETFs eine Menge Unternehmen ausgeschlossen sind, 5% bis 80% können das sein. In diesem Beitrag ist ein übersichtliches Schema, wie dieser Auswahlprozess funktioniert.

Sogenannte Themenfonds, die auf spezielle Bereiche wie z. B. Elektromobilität fokussiert sind, enthalten sogar noch weniger Positionen. Wie stark die Performance dieser ETFs von ihrer Benchmark abweichen kann, hat mich bei der Recherche ziemlich überrascht.

Top-Performer und Schlusslichter

Beim iShares Digitalisation ist das durchaus positiv. Er lieferte in den letzten 3 Jahren mehr als 16 % Rendite pro Jahr und damit deutlich mehr als der Referenz-ETF MSCI World.

iShares Digitalisation UCITS ETF

Index: iSTOXX® FactSet Digitalisation

ISIN: IE00BYZK4883, TER: 0,40 %,

Ø-Rendite letzte 3 Jahre: ca. +16%

Ein Negativbeispiel ist der Global Timber & Forestry, der in den letzten drei Jahre bei plus minus null lag. Das ist deutlich schlechter als ein MSCI All Country World mit knapp 7 % Durchschnittsrendite.

iShares Global Timber & Forestry UCITS ETF

Index: S&P Global Timber & Forestry

ISIN: IE00B27YCF74, TER: 0,65 %,

Ø-Rendite letzte 3 Jahre: ca. ±0 %

Noch schlechter waren europäische Indizes wie der Nachhaltigkeitsfond von Deka. Aber das lag nicht an der Nachhaltigkeit sondern an Europa. Auch der STOXX® Europe 600 zeigte in diesem Zeitraum eine schlechte Performance (+1% pro Jahr). Hier sieht man, wie wichtig der Vergleich mit der Benchmark ist, wenn man den Ursachen auf den Grund gehen will.

Deka Oekom Euro Nachhaltigkeit UCITS ETF

Index: Solactive Eurozone Sustainability

ISIN: DE000ETFL474, TER: 0,41 %,

Ø-Rendite letzte 3 Jahre: ca. -1 %

Wie oben schon gezeigt, haben Themenfonds im Bereich Erneuerbare Energien erstaunlich schlecht performt. Von der Finanzkrise 2008 haben sie sich nie richtig erholt. Ein Minus von 40 % beim iShares Global Clean Energy und plus minus null beim Lyxor New Energy ist über 13 Jahre jenseits von Gut und Böse.

iShares Global Clean Energy UCITS ETF

Index: S&P Global Clean Energy

ISIN: IE00B1XNHC34, TER: 0,65 %,

Ø-Rendite letzte 13 Jahre: ca. -4 %

Nachhaltige Rendite von breit gestreuten ETFs

Ein MSCI World SRI mit seinen 6 % pro Jahr war im Gegensatz zu vielen Themen-ETFs deutlich attraktiver. Er schlug seine Benchmark, den MSCI World, um ca. 1 % pro Jahr. Bei einem 10.000€ Portfolio entspricht das einem Zusatzgewinn von 3300 €.

UBS ETF (LU) MSCI World Socially Responsible UCITS ETF (USD) A-dis

Index: MSCI World SRI 5% Capped

ISIN: LU0629459743, TER: 0,22 %,

Ø-Rendite letzte 13 Jahre: ca. +6 %

Bei den Emerging Markets sieht es sogar noch besser aus. Der MSCI EM SRI lieferte eine Überrendite von mehr als 2 %. Es stellt sich nur die Frage, hat der ETF das trotz oder wegen der nachhaltigen Firmenauswahl geschafft? Wovon hängt es ab, ob ein nachhaltiger ETF besser oder schlechter performt als sein Eltern-ETF? Ein Blick in die Top10 der Unternehmen gibt erste Hinweise.

UBS ETF (LU) MSCI Emerging Markets Socially Responsible UCITS ETF (USD) A-dis

Index: MSCI Emerging Markets SRI 5% Capped

ISIN: LU1048313891, TER: 0,27 %,

Ø-Rendite letzte 6 Jahre: ca. +4 %

In diesem Beitrag findest du alles wichtige zu den SRI-Varianten von MSCI.

Gute Rendite ohne Top-Unternehmen?

Ich finde es spannend, dass besonders der MSCI World SRI sehr gut gelaufen ist, obwohl die Top-Performer der jüngsten Vergangenheit wie Amazon, Google und Facebook fehlen. Microsoft ist der einzige Konzern, der es aus der Riege der Internetriesen in die Auswahl geschafft hat.

Daran sieht man, dass die Rendite von breit gestreuten ETFs nicht an einzelnen Firmen hängt, auch nicht, wenn sie eine hohe Marktkapitalisierung haben. Am Ende mitteln sich viele Effekte raus. Dass zum Beispiel die Ölkonzerne Exxon Mobil und Chevron zehn Jahre vorher an der Spitze lagen und ziemlich abgestraft wurden, haben weniger Leute auf dem Schirm. Die waren im strengen MSCI World SRI natürlich ausgeschlossen. Das hat große Verluste eingespart.

Ich mache mir deshalb keine Sorgen, dass das ein oder andere Starunternehmen von morgen ausgeschlossen ist. Zum Beispiel ein Pharmagigant, der auf ethisch fragwürdige Genmodifikationen setzt. Da geht mir Rendite durch die Lappen. Aber das ist kein Problem. Die will ich und die brauche ich nicht. Denn wie wir weiter unten sehen werden, habe ich im Gegenzug die Chance eine Menge Nieten zu umschiffen.

Nachhaltige Rendite in der Corona-Krise

Der Börsensturz im Februar 2020, der durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurde, ist der erste Crash, den viele nachhaltige ETFs mitmachen. Deshalb fand ich es interessant, wie gut sie sich geschlagen haben. Geht es nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen auch gut, wenn der Kuchen kleiner wird? Oder bröckelt das Konzept, wenn es hart auf hart kommt?

Nachhaltige Rendite im Corona-Crash

Wie du siehst, ist das Ergebnis nicht eindeutig. In den Industrieländern haben die nachhaltigen Unternehmen die Krise besser verkraftet als der Durchschnitt. Bei den Emerging Markets hinken sie hingegen hinterher. Woran das im Einzelnen liegt, dürfte schwer herauszufinden sein.

Für mich ist das Fazit der Corona-Krise, dass jeder Downturn anders ist. Man braucht gar nicht erst versuchen, sich auf irgendetwas einzustellen. Wer hätte schon voraussagen können, dass wir eine weltweite Viruspandemie bekommen, in der es den Fluggesellschaften schlecht geht und den Internetfirmen gut? Hätte ja auch eine Softwareviruspandemie sein können.

Bedeutet weniger Firmen auch weniger Rendite?

Einfluss der Firmenanzahl auf die Rendite

Dass es Auswirkungen hat, wenn man Unternehmen ausschließt, leuchtet ein. Ich wollte aber wissen, ob es da eine Systematik gibt. Um das herauszufinden, habe ich die Abweichung von der Benchmarkrendite von nachhaltigen ETFs gegen den Anteil der Firmen, die es in die Auswahl geschafft haben, aufgetragen.

Abhängigkeit von Firmenzahl und Rendite

1 Punkt = 1 ETF; Je größer der Punkt, desto älter der ETF

Man sieht sofort, je ähnlicher sich nachhaltiger ETFs und Elternindex sind, desto geringer ist die Abweichung bei der Rendite. Ein MSCI World ESG Screened enthält beispielsweise noch ca. 95 % der Unternehmen des MSCI World Index. Dass seine durchschnittliche Rendite nur um 0,4 % pro Jahr abweicht, ist keine Überraschung.

Bemerkenswert finde ich allerdings, dass auch eine strengere ETFs mit nur 50% oder 25% der Unternehmen verhältnismäßig dicht an ihrer Benchmark liegen. Bei den Emerging Markets ist der Unterschied zwar größer, aber erfreulicherweise in positiver Richtung.

Man muss natürlich im Hinterkopf behalten, dass hier nur ein Ausschnitt gezeigt ist. In Zukunft kann es auch anders laufen. „Die vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Entwicklungen“ steht nicht umsonst in allen Investmentdokumenten.

Der Grund, warum ich diesen Graph trotzdem zeige ist, dass man eine vielfach bewiesene Regel ablesen kann: Je besser das Portfolio diversifiziert ist, desto geringer ist das Schwankungsrisiko. Das sieht man vor allem an den Themen-Fonds.

Rendite von nachhaltigen Themen-ETFs

Bei den Themen-ETFs wurden zum Teil enorme Überrenditen erzielt. Man konnte aber auch echte Nieten erwischen. Je nach Strategie sind ein paar Duzend oder Hundert Unternehmen enthalten und die Auswirkung dieser geringen Zahl sieht man sofort.

Interessant finde ich außerdem, dass ältere Themen-ETFs im Durchschnitt schlechter performt haben als frisch aufgelegte (vergleiche die Kugelgröße). Surft man hier Trendwellen und stürzt danach ab? Was genau der Grund ist, kann ich nicht sagen. Ich würde allerdings davon abraten, blind  in frisch aufgelegte Themenfonds zu investieren, mit der Hoffnung im richtigen Moment wieder abzuspringen.

Investments sollten immer langfristig ausgerichtet sein.

Ich bin selbst kein Fan von Themen-ETFs. Natürlich können die Branchen auch langfristig erfolgreich sein. Aber die Diversifikation ist mir einfach zu gering. Im Herzen bin ich passiver Investor. Nie im Leben hätte ich vorausgesagt, dass sich die erneuerbaren Energien nach der Finanzkrise so schlecht entwickeln. Da wäre ich mit solch einem ETF auf die Schnauze gefallen.

Der Witz an der Sache ist nämlich, dass es  nicht reicht, vorauszusagen, dass ein Wirtschaftszweig gut laufen wird. Langfristig läuft alles gut. Über 8 % gut, um genau zu sein. Es geht darum, welche Branche noch stärker wächst als die anderen. Also frage dich ehrlich, kannst du wirklich abschätzen, wer das Rennen macht? Biotechnologie, Elektromobilität, künstliche Intelligenz? In drei, fünf, acht Jahren?

Haben nachhaltige ETFs ein schlechteres Rendite-Risiko-Verhältnis?

Rendite-Risiko-Verhältnis nachhaltiger ETFs

Die reduzierte Anzahl an Firmen in nachhaltigen ETFs führt also formal zu einem höheren Risiko. Genauer gesagt zu einem schlechteren Rendite-Risiko-Verhältnis. Das bedeutet, dass man für eine erwartete Durchschnittsrendite ein etwas höheres Risiko eingeht.

Diversifikation ist nun mal „the only free lunch“, wie Harry Markowitz so schön sagte. Dass nachhaltige ETFs hier etwas benachteiligt sind, ist unbestreitbar. Es stellen sich nur zwei Fragen:

  • Wie viel schlechter wird das Rendite-Risiko-Verhältnis wirklich, wenn man die Firmenzahl zum Beispiel um die Hälfte reduziert?
  • Kann das durch andere Effekte kompensiert werden? Stichwort: Nachhaltigkeitsrisiken.

Wie viel Diversifikation reicht aus?

Abhängigkeit von Firmenzahl und Rendite Zoom

1 Punkt = 1 ETF; Je größer der Punkt, desto älter der ETF

Hier ist noch mal der Graph von eben mit einer anderer Achseneinteilung. Wie man sieht, gibt es selbst bei den breiter gestreuten ETFs Abweichungen, die auf lange Sicht eine Rolle spielen können. Rechnen wir ein Beispiel durch:

Bei einem typischen Anlagehorizont von mind. 15 Jahren macht sich eine Renditeabweichung von 1 % spürbar bemerkbar. Aber noch mal zur Erinnerung: Ein ungünstigeres Rendite-Risiko-Verhältnis heißt nicht gleich, dass man weniger Rendite bekommt. Nur dass man für eine bestimmte Rendite vielleicht ein bisschen mehr Risiko eingegangen ist.

Leider lässt sich das schwer quantifizieren, wie genau sich die Diversifikation darauf auswirkt. Schon gar nicht mit so einem begrenzten Datensatz. Wie hoch ist das Risiko mit nur 50% der Firmen im Portfolio? Ich hab keine Ahnung. Könnte es sein, dass sich nachhaltige ETFs die nächsten Jahre genau umgekehrt entwickeln? Ja, natürlich.

Warum investiere ich trotzdem in nachhaltige ETFs? Ich glaube, dass es sich lohnt, auf ein bisschen Diversifikation zu verzichten. Und das nicht nur, weil ich mit nachhaltigen Investments ein besseres Gewissen habe.

Wie beeinflussen Nachhaltigkeitsrisiken die Rendite?

Viele Experten glauben, dass es kein Zufall war, dass nachhaltige ETFs in den letzten zehn Jahren so gute Renditen geliefert haben. Die renommierte Unternehmensberatung PwC spricht von der Wachstumschance des Jahrhunderts („Die ESG-Welle beginnt gerade sich zu brechen„). Das ist auch der Grund, warum das Thema den Investment-Mainstream erreicht hat. Ginge es nur um die moralischen Aspekte, wäre das Interesse vermutlich weniger groß.

Warum bauen Asset Manager rund um den Globus Nachhaltigkeit in ihre Rechenmodelle ein? Für weniger Risiko und mehr Rendite! Uns stehen so tiefgreifende Veränderungen ins Haus, dass kein Investor es sich leisten kann, sie zu ignorieren.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) schreibt in ihrem Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken:

„Nachhaltigkeitsrisiken […] sind Ereignisse oder Bedingungen aus den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung […], deren Eintreten tatsächlich oder potenziell negative Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie auf die Reputation eines beaufsichtigten Unternehmens haben können.“

Gerade im Bereich Umwelt sind die Risiken vielfältig, von Hitzewellen über Artensterben bis hin zu steigenden Meeresspiegeln. Aber was bedeutet das eigentlich genau? Wenn man über das Thema nachdenkt, merkt man, dass auch nachhaltige Unternehmen betroffen sein können. Ein ökologischer Bauernhof, kann durch Bienensterben Ernteausfälle erleiden.

Heißt das jetzt, man sollte statt in nachhaltige Unternehmen lieber in Unternehmen investieren, die weniger stark von den globalen Veränderungen betroffen sind? Um genau diesen falschen Denkansatz zu verhindern, werde ich hier nicht auflisten, was wir unserer Umwelt antun und was für Katastrophen uns erwarten. Investoren sollten vielmehr verstehen, warum nachhaltige Unternehmen davon profitieren, wenn sie nachhaltig sind.

Ressourcenmangel und Abfallentsorgung

Ressourcen sind endlich. Viele gehen bereits zur Neige und es wird immer teurer sie zu gewinnen oder abzubauen. Das geht von Erdöl, über Trinkwasser bis zu seltenen Metallen. Unternehmen, die sich bisher frei bedient und ihr Geschäftsmodell darauf ausgerichtet haben, werden zunehmend benachteiligt werden.

Gerade im Bereich Energie ist es auf lange Sicht günstiger, auf Sonne, Wind und Wasserkraft zu setzen. Diese Energiequellen sind im Überfluss vorhanden. Zwar werden wir noch lange auf fossile Brennstoffe angewiesen sein, aber das Wachstumspotential der Branche ist begrenzt. Mehr zu diesem wichtigen Thema findest du in diesem Beitrag.

Gehen Unternehmen sparsam mit Ressourcen um und haben fortschrittliche Recyclingkonzepte, ist das ein echter Wettbewerbsvorteil. Das sorgt neben Zugzwang in alteingesessenen Branchen für Chancen in völlig neuen Geschäftsbereichen.

Gesetze und Abkommen

Davon abgesehen, dass die Gewinnung von Ressourcen eine Menge Geld kostet, kommt es in vielen Fällen bei der Gewinnung zu Umweltzerstörung. Immer weniger Staaten sind bereit, das zuzulassen. Es reift das Verständnis, dass intakte Ökosysteme, Artenvielfalt und saubere Luft selbst wichtige Ressourcen sind. Fracking, Rodung, Tagebau, Schleppnetze, all das wird zunehmend reguliert, auch wenn es ein langsamer Prozess ist.

Trotzdem wird es für Unternehmen in Zukunft immer teuer werden, wenn sie Themen wie Umweltschutz und Menschenrechte ignorieren. Neue Gesetzen und Abkommen können ein Todesurteil für zweifelhafte Geschäftsmodelle sein.

Rechtsstreitigkeiten und Reputation

Halten sich Unternehmen nicht an solche Abkommen, droht noch mehr Ärger. In der Vergangenheit wurden bereits viele Regeln aufgestellt, die Menschen und Umwelt schützen sollen. Leider gibt es nach wie vor viele Unternehmen, die sich nicht daran halten. Durch die globale Vernetzung und den schnellen Informationsaustausch kommen allerdings mehr und mehr solcher Dinge ans Licht.

Es warten Rechtsstreitigkeiten und Reputationsverlust, die beide auf ihre Weise Löcher in das Budget reißen können. Eines der jüngsten Beispiele war der Dieselskandal, der die Deutschen Autobauer Milliarden gekostet hat. Von der explodierten Ölbohrplattform Deepwater Horizon ganz zu schweigen.

Boykotte von Produkten und damit verbundene Umsatzverluste eine weitere Folge von zweifelhaften Unternehmensentscheidungen. Konsumenten sind besser informiert und strenger als jemals zuvor, wie das Beispiel von Oatly zeigt. Da reichte der Verkauf von 10% der Unternehmensanteile an einen fragwürdigen Investor, um einen riesigen Aufschrei zu erzeugen.

Attraktivität als Arbeitgeber

Die öffentliche Wahrnehmung spielt auch bei der Suche nach neuen Mitarbeitern eine Rolle. Kontroverse Unternehmen haben es schwerer, Top-Leute anzuwerben. Sie müssen z. B. höhere Gehälter zahlen, um attraktiv zu sein. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass sich viele meiner Chemiker-Kollegen nicht mehr bei Bayer bewerben, seit der Konzern den Saatguthersteller Monsanto übernommen hat.

Attraktivität bei Investoren

Nachhaltiges Investieren könnte auch ein Stückweit eine sich selbst erfüllende Prophezeiung werden. Je mehr Anleger der Meinung sind, dass sich Nachhaltigkeit durchsetzen wird, desto größer ist die Kapitalflucht aus nicht nachhaltigen Unternehmen. Bestes Beispiel ist das Divestment in fossile Brennstoffe.

Allein solche Entwicklungen können dazu führen, dass sich nachhaltige Investments besser entwickeln. Allerdings setzt das voraus, dass sich die Unternehmen auch tatsächlich besser entwickeln. Wenn das steigende Interesse der Investoren lediglich dazu führt, dass weniger nachhaltige Firmen günstiger zu haben sind, wird der Effekt schnell durch gegenläufige Trends wieder aufgehoben.

Sind nachhaltige ETFs zu hoch bewertet?

Beim Gedanken an den letzten Punkt habe ich mich gefragt: Ist der Vorteil von Nachhaltigkeit vielleicht längst eingepreist? Als passiver ETF-Investor stelle ich mir solche Prognosefragen normalerweise nicht. Aber wenn man auf ETFs umsteigt, die einen Auswahlprozess durchlaufen, will man natürlich wissen, woran man ist. Nachhaltige ETFs sind ein Spagat zwischen passivem und aktivem Investieren.

Das KGV von ETFs

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist eine anerkannter Indikator für zukünftige Wertentwicklungen von Unternehmen. Dafür wird der erwartete Gewinn eines Unternehmens durch den Kurs der entsprechenden Aktie geteilt. Ein relativ normaler Wert ist aktuell 20. Das bedeutet, dass der Wert der Firma dem 20-fachen Jahrengewinn entspricht.

Vergleicht man die KGVs von normalen und nachhaltigen ETFs, sieht man, dass letztere tatsächlich höher bewertet sind. In der Tabelle sind Zahlen von Nov 2020, die ich von der iShares-Seite habe. Sie verändern sich ständig, aber die grobe Tendenz ist aktuell recht stabil.

KGV von nachhaltigen ETFs und ihrer Benchmark (Nov. 2020)

Wie man sieht sind die Unterschiede zwischen einem MSCI Emerging Markets und seiner nachhaltigen Variante kleiner als zum MSCI World. Man darf also nicht überbewerten, dass nachhaltige Indizes etwas höher bewertet sind.

Ein niedriges KGV heißt nicht automatisch, dass man ein Schnäppchen vor sich hat. Es kann auch heißen, dass die Wachstumsprognosen miserabel sind. Deshalb ist das KGV für sich wenig aussagekräftig, schon gar nicht bei einem breit gestreuten Index. Ich ignoriere es jedenfalls bei meinen Entscheidungen.

Was sagen Studien zum Thema Nachhaltigkeit und Rendite?

Wer es bis hierher geschafft hat, aber immer noch unsicher ist, fragt sich vielleicht: Gibt es keine schlauen Leute, die Studien zu dem Thema gemacht haben? Es gibt Tausende um genau zu sein. Und auch sie zeigen kein eindeutiges Ergebnis.

Der französischen Fondsanbieters La Financière de l’Echiquier hat zum Beispiel zwei extreme Aktienportfolios miteinander verglichen. Ein Portfolio aus 40 Unternehmen mit den höchsten ESG-Ratings und eins mit den 40 absoluten Schlusslichtern.

Vom Anfang 2010 bis März 2020 erwirtschaftete das nachhaltige Portfolio eine um 3,8-mal höhere Performance als das Konkurrenzportfolio mit den schlechtesten ESG-Ratings.

Eine ähnliche Studie der California State University mit dem martialischen Titel „Sin is in“ (sin = Sünde), findet, dass ein Portfolio aus kontroversen Firmen (Tabak, Alkohol, Waffen, usw.) eine deutliche Überrendite brachte.

Wem glaubt man nun? Das haben sich Gunnar Friede, Timo Busch und Alexander Bassen in einer Metastudie der School of Business, Economics and Social Science der Universität Hamburg gefragt. Sie untersuchten über 2000 Einzelstudien und kamen zu dem Ergebnis, dass es insgesamt einen positiven Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und finanzieller Performance gibt und dieser über größere Zeiträume stabil ist.

Es sollte also möglich sein, ein nachhaltiges ETF-Portfolio mit einer vernünftigen Rendite zusammenstellen.

Balance finden im eigenen Portfolio

Nachhaltiges ETF-Portfolio mit guter Rendite

Wie wir gesehen haben, spielen für die Rendite von nachhaltigen ETFs unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Der Knackpunkt ist die Balance zwischen Nachhaltigkeit und Diversifikation.

Wer grenzenloses Vertrauen in die Überlegenheit nachhaltiger Investments hat, könnte auf die Idee kommen, dass eine Reduktion der Firmenzahl nur positiv sein kann. Doch auch wenn man an den Einfluss von Nachhaltigkeitsrisiken glaubt, steckt da ein guter Schuss Prognose und Spekulation drin.

Bei Investmententscheidungen sollten Risiken und Renditeerwartungen systematisch gegeneinander abgewogen werden.

Als passiver Investor will man keine Wetten eingehen. Das Ziel ist die Rendite des breiten Marktes und ein gutes Rendite-Risiko-Verhältnis ist eine der wichtigen Grundsäulen dieser Strategie.

Nachhaltige Investments sind ein Kompromiss

Das Problem ist, man bleibt vor allem dann mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Nähe der Benchmarkrendite, wenn man möglichst wenige Firmen ausschließt. Das geht wiederum zu Lasten der Nachhaltigkeit. Ein Dilemma. Je nachhaltiger, desto risikoreicher, man kommt nicht drum rum.

Die gute Nachricht ist allerdings, dass selbst eine Reduktion der Unternehmen um die Hälfte oder mehr, langfristig keine so dramatische Abweichung zu haben scheint. Und wenn doch, hat man immer noch die Chance, dass die Abweichung positiv ist. So sehe ich das zumindest. Das muss allerdings jeder für sich selbst entscheiden. Ich möchte hier nur Optionen aufzeigen und ein bisschen Licht ins Dunkel bringen.

In jedem Fall würde ich die Entwicklung der Vergangenheit, z. B. die guten Performance der nachhaltigen Emerging Markets ETFs, nicht überbewerten. Boomenden Sektoren oder Trends hinterherzulaufen, ist und bleibt risikoreich. Auch wenn sich viele neue Finanzprodukte unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit als der totsichere Geheimtipp ausgeben. Man sollte Nachhaltigkeit und Diversifikation immer wohlüberlegt gegeneinander abwägen.

Fazit

Mir geht es vor allem darum, dass ich mit nachhaltigen Produkten nicht systematisch benachteiligt bin.

Aus diesem Grund ist es wichtig für mich, dass nachhaltige ETFs in der Vergangenheit ähnlich gute Renditen geliefert haben wie ihre Benchmark. Der Betrachtungszeitraum reicht für mich als „Proof of Concept“ und das gibt mir Sicherheit. Dass viele ETFs sogar besser waren als der Markt, ist für mich ein Bonus.

Rein formal betrachtet, leidet das Rendite-Risiko-Verhältnis natürlich etwas. Aber die Vorteile nachhaltiger Investments könnten das systematisch ausgleichen. Ich sage bewusst „könnte“, denn ich bin mir im Klaren darüber bin, dass es die nächsten Jahre auch schlechter laufen kann. Aber eben nicht viel schlechter, solange ich in den breiten Markt investiert bin.

Ein Hundertprozent passiver Investor wird das natürlich knallhart als Prognose ansehen. Aber dieses Haar in der Suppe ist mir egal. Nachhaltige ETFs erlauben mir, meine moralischen Wertvorstellungen bei meiner Geldanlage zu berücksichtigen. Sie sind daher ein toller Kompromiss, mit dem ich leben kann.

Nachhaltige Grüße

Nachhaltige Grüße
Christian Kontakt

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