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Nachhaltige Dividenden-ETFs – wie hoch sind grüne Erträge?

Nachhaltige Dividenden-ETFs

Wer viel Wert auf laufende Erträge legt, möchte vor allem Unternehmen im Portfolio haben, die hohe Dividenden ausschütten. Für passive Anleger, die nachhaltig investieren möchten, stellt sich da die Frage, ob es nachhaltige Dividenden-ETFs gibt?

Einen echten nachhaltigen Dividenden-ETF, der explizit auf Unternehmen mit hoher Ausschüttungsquote setzt, gibt es aktuell nicht. Es gibt aber nachhaltige ETFs wie den UBS MSCI EMU Socially Responsible UCITS ETF, der mit über 3 % eine vergleichsweise hohe Dividendenrendite liefert.

Das bedeutete also, dass man als nachhaltiger Investor nicht unbedingt auf einen anständigen Dividendenfluss verzichten muss. Schauen wir uns in diesem Beitrag an, was mit den Ausschüttungen passiert, wenn Umweltsünder und Waffenproduzenten aus dem Portfolio verschwinden.

Nachhaltige ETFs und Dividenden-ETFs im Vergleich

Nachhaltige ETFs und Dividenden-ETFs

Diese Grafik zeigt die durchschnittliche Dividendenrendite von ETFs über die Jahre 2016 bis 2019. Sie ist in Relation gesetzt zur Gesamtrendite, die sich aus Dividenden plus Kursgewinnen zusammensetzt. Da nur wenige ausschüttende nachhaltige ETFs älter als 3-5 Jahre sind, ist der Betrachtungszeitraum leider sehr kurz. Das Jahr 2020 habe ich auf Grund der Krise ausgeklammert.

Die Daten der ETFs, die schon 10-12 Jahre alt sind, zeigen übrigens ein ähnliches Bild. Es ist allerdings wichtig zu erwähnen, dass man für eine repräsentative Aussage einen noch deutlich längeren Zeitraum betrachten müsste. Ich wollte mit der Grafik vor allem eine Aussage treffen: Hohe Dividenden bedeuten nicht automatisch hohe Renditen.

Außerdem stecken noch andere wichtige Erkenntnisse in den Zahlen, unabhängig davon, ob sich der Trend nun fortsetzen wird oder nicht. Wenn du Dividenden-Liebhaber bist, warten ein paar Überraschungen auf dich.

Dividendenrendite von Dividenden-ETFs

Aus den Jahren 2016-2019. Quelle: Yahoo Finance und gängige ETF-Suchmaschinen

Erkenntnis Nr. 1:

Echte Dividenden-ETFs liefern tatsächlich eine deutlich höhere Ausschüttungsquote, die mit ca. 3% bis 5% pro Jahr ungefähr doppelt so hoch ist wie bei den normalen ETFs. Die Dividenden können aber durchaus mal schwanken (z. B. von 2,5 % in einem Jahr zu 6,5 % in einem anderen).

Was gerade unerfahrene Dividendenjäger oft nicht beachten ist, dass die Gesamtrendite vor allem durch die Kursgewinne bestimmt wird. Die waren zwar mit ca. 8 % bei den Dividenden-ETFs ganz schön, aber die anderen Indizes haben von 2016 bis 2019 deutlich besser rentiert.

Dividendenrendite von normalen ETFs

Aus den Jahren 2016-2019. Quelle: Yahoo Finance und gängige ETF-Suchmaschinen

Erkenntnis Nr. 2:

Dividenden können regional recht unterschiedlich sein. In den letzten 10 Jahren haben europäische Indizes zum Beispiel deutlich höhere Dividenden geliefert als die USA. Das fand ich besonders erstaunlich, denn die meisten Dividenden-Aristokraten gibt es in den USA.

Das liegt vor allem daran, dass die Dividenden-Aristokraten nicht zwangsläufig eine hohe Marktkapitalisierung haben. In Europa belegen viele alteingesessene Unternehmen mit langer Dividenden-Tradition die vorderen Plätze. In Amerika haben vor allem die Wachstumswerte aus der Tech-Branche eine hohe Marktkapitalisierung.

Dividenden-Aristokraten

Als Dividenden-Aristokraten bezeichnet man Unternehmen, die ihre Dividende seit mindestens 25 Jahren stetig erhöht haben (etwas über 100 Unternehmen). Hat ein Unternehmen seine Dividende bereits seit über 50 Jahren kontinuierlich gesteigert, verdient es sich den Titel Dividenden-König (das sind weltweit nur gut 20 Unternehmen).

Insgesamt schütteten die normalen ETFs mit ca. 2 % natürlich deutliche weniger Dividenden aus als die darauf spezialisierten Vertreter. Sie performten aber (zumindest in diesem Zeitraum!) deutlich besser. Die geringen Ausschüttungen wurden durch die hohen Kursgewinne überkompensiert.

Dividendenrendite von nachhaltigen ETFs

Aus den Jahren 2016-2019. Quelle: Yahoo Finance und gängige ETF-Suchmaschinen

Erkenntnis Nr. 3:

Nachhaltige ETFs liefern ähnliche Dividenden wie ihre Eltern-ETFs. Sowohl die Höhe der Dividenden als auch die Gesamtrendite sind vergleichbar. Das gilt auch für die regionalen Unterschiede (z. B. USA vs. Europa).

Wer unbedingt mehr Rendite als die üblichen 2 % möchte, kann sich stärker auf Europa fokussieren. Wenn man trotzdem breit gestreut investiert und Europa nur etwas übergewichtet, führt das auch nicht zwangsweise zu einer geringeren Diversifikation. Wer sich Inspiration zur Gewichtung holen möchte, kann sich die 9 Beispiele in meinem Weltportfolio-Beitrag anschauen.

Die gute Nachrichtig ist also, auch wenn es keine nachhaltigen Dividenden-ETFs gibt, können nachhaltige ETFs mit der tollen Performance von klassischen ETFs mithalten. Auch wenn die Dividende eines MSCI World nicht unendlich hoch ist.

Für mich war es ehrlich gesagt überraschend, dass die nachhaltigen ETFs überhaupt eine vergleichbare Dividende ausschütten. Unter den klassischen Dividendentiteln sind viele Tabakfirmen, Ölkonzerne und Banken, die man in nachhaltigen ETFs vergeblich sucht. Konzerne wie Procter & Gamble, Home Depot und Disney holen das aber anscheinend wieder raus.

Wie nachhaltig sind Dividenden-ETFs?

Man könnte auch auf die Idee kommen und den Spieß umdrehen. Evtl. gibt es Dividenden-ETFs, deren Firmenauswahl einigermaßen nachhaltig ist? Gibt es also vielleicht doch nachhaltige Dividenden-ETFs?

ESG=MSCI ESG-Qualitätswert; CW=Kontroverse Weapons; AW=Atomwaffen; ZW=Zivile Schusswaffen; TK=Tabak; GC=Verstöße gegen UN Global Compact; KK=Kraftwerkskohle; ÖS=Ölsande; CO2=Gewichtete durchschnittliche Kohlenstoffintensität

Kennzahlen zum Geschäftsengagement – Quelle der Daten: ishares (Sep 2020)

Die Beispiele in der Tabelle zeigen, wie unterschiedlich die Nachhaltigkeit von Dividenden-ETFs ausfallen kann. Als Benchmark habe ich hier den MSCI World genommen, auch wenn der ETF von STOXX die Schwellenländer mit einschließt.

Was Nachhaltigkeit angeht sind gut vergleichbare Daten für ETFs leider nach wie vor schlecht verfügbar. Da tut sich iShares hervor, die für alle ihre ETFs auf der Homepage detaillierte Angaben zu ihrer Nachhaltigkeit machen.

Suchst du Nachhaltigkeit unter den Dividenden-ETFs, kommt es wie man sieht stark darauf an, wie viel Nachhaltigkeit man von seinen Fonds erwartet. Stören dich bei einem MSCI World vor allem die Waffenunternehmen könnte ein STOXX Global Select Dividend 100 infrage kommen. Wenn du das Thema Nachhaltigkeit aber ganzheitlicher siehst, wirst du schnell feststellen, dass du bei Dividenden-ETFs vergeblich suchst.

Für mich ist das nicht überraschend. Es werden einfach andere Kriterien angelegt. Aber es war einen Versuch wert.

Machen (nachhaltige) Dividenden-ETFs überhaupt Sinn?

Machen Dividenden-ETFs Sinn

Muss man nun traurig sein, dass es mit nachhaltigen Dividenden-ETFs schwierig wird? Redet man mit Verfechtern der Dividenden-Strategie, könnte man diesen Eindruck haben. Schauen wir uns an, ob deren Argumente etwas taugen oder nicht.

Angeblicher Vorteil Nr. 1: Unternehmen, die kontinuierlich hohe Dividenden zahlen, stehen für Qualität.

Nicht nur Christian W. Röhl vom Dividendenadel glaub daran, dass solide Dividenden ein Zeichen für gesunde Unternehmen mit guten Zukunftsaussichten sind. Dass es da gar nicht primär um die Ausschüttungen gehen muss, sieht man schon daran, dass es thesaurierende Dividenden-ETFs gibt. Das würde sonst überhaupt keinen Sinn machen.

Aber versprechen alteingesessene Dividendenwerte automatisch hohe Renditen? Müsste es nicht genau umgekehrt sein? Müsste es nicht besser sein, wenn ein Unternehmen seine Gewinne reinvestiert anstatt sie auszuschütten? Innovationen erhöhen schließlich die Wahrscheinlichkeit auf zukünftige Gewinne und Aktienkurse spiegeln nichts anderes wider als erwartete Cashflows (Discounted-Cashflow-Methode).

In der Praxis ist das nicht so eindeutig. Es gibt zum Beispiel die Faktorprämie „Value, die erwiesenermaßen langfristig etwas mehr Rendite liefert. Aber gut, nicht jeder Dividendenzahler ist eine Valueaktie und umgekehrt.

Hoch-Dividenden-ETFs können eine Falle sein

Vielen ist nicht bewusst, dass einige Dividenden-ETF alles andere als eine Value-Strategie fahren. Sie wählen nicht nach Qualitätsmerkmalen sondern wirklich nur nach Höhe der Dividenden. Da muss man höllisch aufpassen, dass man sich da keine Krücken ins Portfolio holt. Firmen, die aus lauter Verzweiflung alle Gewinne an die Aktionäre ausschütten, um überhaupt noch attraktiv zu sein (damit meine ich keine Immobilien-REITs, die sind dazu verpflichtet).

Ob man also daran glaubt, mit Dividendenaktien besser zu fahren als mit dem Gesamtmarkt, muss jeder selbst entscheiden. Sicher ist das meiner Meinung nach ganz und gar nicht und ich würde wenn wohl eher auf Value-Aktien bzw. eine Faktorstrategie setzen.

Angeblicher Vorteil Nr. 2: Man muss keine Aktien verkaufen, wenn man von Dividenden lebt.

Es stimmt. Ausschüttende ETF liefern Erträge, ohne dass man einen Finger krumm machen muss. Aber ist es wirklich so schlimm, in der Entnahmephase regelmäßig ein paar Aktien zu verkaufen? Der Gesamtwert bleibt ja (hoffentlich) durch die Kursgewinne erhalten.

Außerdem braucht man, wenn man die Wertsteigerung in der Prognose außen vor lässt, ein viel größeres Vermögen, um sich die gleiche jährliche Summe ausschütten zu können. Man kann langfristige eine Gesamtrendite von ca. 9% erwarten (vor Inflation!). Die Dividenden machen nur ca. ein Drittel davon aus.

Dass viele Anleger auf hohe Dividenden setzen, halte ich für den falschen Weg. Über psychologische, bzw. emotionale Effekte an der Börse will ich natürlich nicht streiten. Auch ich kenne das kleine „High“, wenn eine Dividendenzahlung eingeht. Aber wenn man bei laufenden Einkünften ohne Verkauf von Kursgewinnen kalkuliert, macht man sich das Leben nur unnötig schwer.

Angeblicher Vorteil Nr. 3: Man braucht keine große Angst vor Kurseinbrüchen haben

Dividenden sind sicher. Wenn man von Dividenden lebt, können einem die Kurse egal sein und man kann einem Aktiencrash gelassen entgegensehen. Die Ausschüttungen sind ja davon unabhängig, oder?

Die Corona-Krise hat viele eines besseren belehrt. Selbst langjährige Aristokraten haben ihre Dividende gekürzt oder komplett ausgesetzt. Bei einem breit gestreuten ETF werden die Dividenden natürlich nicht auf Null sinken. Aber wenn man von Aktienverkäufen lebt, heißt das im Gegenzug auch nicht, dass man im Tief gleich alles verkaufen muss.

Wenn man einen Cash-Puffer hat und außerdem bedenkt, dass man monatlich nur einen sehr kleinen Teil seiner Aktien verkaufen muss, sind die Folgen halb so schlimm. Die Kurse steigen nach dem Crash wieder, die ausgesetzten Dividenden werden hingegen nicht nachgezahlt.

Fazit

Wie man es auch dreht und wendet, am Ende kommt es auf die durchschnittliche Gesamtrendite an. Hohe Dividenden bedeuten also nicht zwangläufig, dass man mehr für sein Geld bekommt.

Die Daten in der Grafik oben zeigen, dass man mit Dividenden-ETFs evtl. sogar aufs falsche Pferd setzt. Rückschlüsse von der Vergangenheit auf die zukünftige Performance sind natürlich Quatsch. Aber in unserer heutigen schnelllebigen Technologiewelt könnte es durchaus ein Fehler sein, große Anteile des Gewinns auszuschütten anstatt sie in neue Entwicklungen zu investieren.

Man muss also nicht traurig sein, dass es keine nachhaltigen Dividenden-ETFs gibt. Hohe Dividenden sind weder ein sinnvoller Performance-Indikator noch eine sichere Einkunftsquelle. Dividenden sind alles andere als die „neuen Zinsen“. Achte als nachhaltiger Investor lieber auf die wichtigen Dinge (welche das sind, findest du in meinem Einsteiger-Guide).

Nachhaltige Grüße

Nachhaltige Grüße
Christian Kontakt

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