Anlagestrategie

Nachhaltig Investieren mit ETFs: Der Einsteiger-Guide (Teil 1)

Nachhaltig investieren mit ETFs - Teil 1

Erfahre in diesem Guide, wie du mit Investments in nachhaltige ETFs deine moralischen Wertvorstellungen berücksichtigst und gleichzeitig eine attraktive Rendite erzielst.

Wer Geld investiert, trägt Verantwortung. Früher oder später realisiert man das. Nachhaltige Geldanlagen sind ein guter Weg, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Sie bieten dir außerdem die Möglichkeit, von den großen technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Zukunft zu profitieren. Sich nicht mit nachhaltiger Geldanlage zu beschäftigen, könnte bald zum echten Risiko werden.

Exchange Traded Funds (ETFs) sind transparente und kostengünstige Fonds, mit denen du bequem in hunderte nachhaltige Unternehmen gleichzeitig zu investieren kannst. Bewusste Anleger können sich über ein stetig wachsendes Angebot dieser nachhaltigen ETFs freuen.

Step by Step zum grünen Portfolio:
Portfolio-Wechsel von klassisch zu nachhaltig

Im ersten Teil des Guides erfährst du alles über die Vorteile einer nachhaltigen Geldanlage. Außerdem stelle ich dir alle wichtigen Optionen vor, die du für eine moderne Vermögensaufteilung (Asset Allocation) benötigst.

Der zweite Teil konzentriert sich auf die Umsetzung. Hier zeige ich dir, welche Renditen du erwarten kannst, wie du mit Bedenken und Ängsten umgehst und was du beim Investieren in nachhaltige ETFs sonst noch beachten solltest.

Es war noch nie so einfach, Geld erfolgreich und mit gutem Gewissen anzulegen.

Die 5 Vorteile des nachhaltigen Investierens

Wie bereits erwähnt sind moralische Aspekte nicht der einzige Grund, warum sich Anleger für grüne Alternativen entscheiden. Nachhaltige Investments bieten die Möglichkeit, von den vielschichtigen Entwicklungen unserer Zeit zu profitieren und Nachhaltigkeitsrisiken zu managen, denen Unternehmen in Zukunft verstärkt ausgesetzt sein werden.

Ich beschäftige mich schon lange mit dem Thema und konnte 5 Gründe bzw. Vorteile ausmachen, die für ein Investment in nachhaltige Geldanlagen sprechen.

Das grüne Dreieck

1. Nicht von kontroversen Geschäften profitieren

Die Unternehmen in klassischen ETFs werden nach Kriterien wie Region, Branche und Unternehmensgröße ausgewählt. Wie sie sich verhalten spielt dabei keine Rolle.

Das führt dazu, dass ETFs wie der MSCI World eine Menge kontroverse Firmen enthalten, darunter Waffenproduzenten, Tabakkonzerne und Frackingunternehmen. Mit den Kursgewinnen und Dividendenausschüttungen des ETFs profitierst du direkt von diesen Geschäftsmodellen.

Nachhaltige Fonds und ETFs bieten hier eine Alternative. Ein mehrstufiger Filterprozess sorgt dafür, dass unerwünschte Unternehmen aus dem Index fliegen. Je nach Nachhaltigkeitsstrategie ist die Auswahl mehr oder weniger streng. Außerdem werden manchmal besondere Aspekte berücksichtigt, wie zum Beispiel die Kohlenstoffdioxidemission der Unternehmen.

Eine perfekt nachhaltige Geldanlage gibt es aber natürlich nicht.

Die Moralvorstellungen der Menschen sind verschieden. Während es dem einen wichtig ist, Waffenhandel, Atomenergie und Menschenrechtsverletzungen auszuschließen, sieht ein anderer im millionenfachen Verkauf von zuckerhaltiger Limonade das viel größere Übel. Deshalb muss jeder für sich selbst entscheiden, welches nachhaltige Produkt das richtige für ihn ist.

2. Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit zwingen

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung und viele andere Institutionen und Investoren sind davon überzeugt, dass „Nachhaltige Wirtschaft und nachhaltige Finanzmärkte Hand in Hand gehen„. Jeder Kauf und Verkauf einer Aktie beeinflusst den Kurs. Je mehr Investoren die Aktien von nachhaltigen Unternehmen bevorzugen, desto negativer sind die Auswirkungen auf die übrigen Firmen. Selbst wenn es immer Käufer von kontroversen Unternehmen geben wird, Aktienkurse spiegeln die Gesamtheit des Interesses wider.

Wenn viele Investoren der Meinung sind, dass nicht nachhaltigen Firmen sich zukünftig schlechter entwickeln, wird das Risiko dieser Aktien steigen und deren Kurse fallen. Schlechte Kurse haben wiederum eine ganze Reihe von Auswirkungen, die ein Unternehmen zum Umdenken bewegen können.

Die Bonität sinkt und macht es schwerer an Kapital zu kommen. Unzufriedene Shareholder machen Druck auf den Vorstand. Außerdem steigt die Gefahr durch feindliche Übernahmen und die eigenen Übernahmepläne wandern in die Schublade. Eine schöne Zusammenfassung zu dem Thema gibt es in diesem Video von Finanzfluss.

3. Nachhaltige Unternehmen und Projekte unterstützen

Wer nachhaltigen Unternehmen Geld zur Verfügung stellt, unterstützt sie dabei, die Welt zum Besseren zu verändern. Natürlich kann man mit ETFs keinen Unternehmen direkt Kapital zur Verfügung stellen. Wie wir oben gesehen haben, hat das Geld aber trotzdem einen positiven Einfluss.

Themen-ETFs sind zudem eine tolle Möglichkeit, zumindest bestimmte Branchen oder Technologien zu unterstützen, in denen man die Zukunft sieht. Das reicht von Themen wie erneuerbare Energien, über Digitalisierung bis hin zu Smart Citys. Allerdings sollte man bedenken, dass das Risiko steigt, je fokussierter man investiert.

Der Vorteil von ETFs ist ja gerade die breite Streuung.

Wenn man statt 1650 Unternehmen nur noch 30 im Portfolio hat, hat das nicht mehr viel mit passivem Investieren zu tun. Wer unbedingt sogenanntes „Impact Investing“ betreiben möchte (=mit Kapital gezielt nachhaltige Vorhaben unterstützen), könnte mit einer Beimischung von Themen-ETFs Akzente im Portfolio setzen. Dazu noch einmal mehr im Kapitel über nachhaltige Aktien-ETFs.

4. Von nachhaltigen Geschäftsmodellen profitieren

Die bisher genannten Gründe waren eher moralischer Natur. Es spricht aber nichts dagegen, mit nachhaltigen Investments auch auf eine anständige Rendite zu hoffen. Moderne Unternehmen, die globale Probleme der Zukunft angehen, bieten außergewöhnliche Wachstumschancen.

Das liegt nicht nur am Interesse von Investoren, die wie bei Tesla den Aktienkurs in schwindelerregende Höhen treiben, sondern an knallharten Wettbewerbsvorteilen. Wer ressourcenschonend arbeitet, sein Unternehmen attraktiv für die Arbeitskräfte von Morgen macht und innovative Produktideen auf den Markt bringt, wird auch erfolgreich sein.

Auch hier könnte man als erstes an Themen-ETFs wie einen MSCI Future Mobility ESG Filtered denken. Aber das Thema Nachhaltigkeit ist vielfältiger als es auf den ersten Blick scheint. Die breit gestreuten ETFs auf den Weltmerkt, wie der MSCI World SRI, berücksichtigen viele Kriterien aus allen möglichen Bereichen. So kann man mit besserer diversifizierten Produkt und geringerem Risiko in die Zukunft investieren.

5. Nachhaltigkeitsrisiken vermeiden

Viele nachhaltige ETFs liefen in den letzten Jahren bereits sehr gut. Das lag allerdings nur zum Teil am Übergewicht von zukunftsgewandten Firmen. Dass viele Nieten nicht dabei waren, hatte einen ebenso großen Einfluss.

Unternehmen, die sich nicht um Nachhaltigkeit scheren, sind in Zukunft verstärkt Risiken ausgesetzt. Viele Institutionen und Großinvestoren wie die BaFin oder die Fondgesellschaft Blackrock warnen eindringlich davor.

Unter Nachhaltigkeitsrisiken fallen zum Beispiel neue Gesetze und Verordnung, sowie Gerichtsprozesse und Imageverlust, wenn diese nicht beachtet werden. Gerade im Bereich Klima- und Umweltschutz wird eine Menge auf die Unternehmen zukommen. Zudem gehen viele Ressourcen wie sauberes Trinkwasser, seltene Metalle oder fossile Brennstoffe zur Neige. Ihre Förderung wird teurer und wer sie gedankenlos nutzt, ohne Innovationen voranzutreiben, wird früher oder später den Kürzeren ziehen.

Wer sich detaillierter zu den Themen rund um das „grüne Dreieck“ informieren möchte, kann sich gerne diesen Beitrag anschauen.

Warum in nachhaltige ETFs investieren?

Warum in nachhaltige ETFs investieren

Ein passiver Anleger weiß, was er an seinen ETFs hat. Sie sind breit gestreut und werden nach objektiven Kriterien wie der Marktkapitalisierung und regionaler Zugehörigkeit zusammengestellt. Ich war immer schon davon überzeugt, dass sie aktiven Fonds oder dem Investment in Einzelaktien überlegen sind. Bevor ich auf nachhaltige ETFs umgestiegen bin, kam ich allerdings ins Grübeln.

Ist das noch passives Investieren? Gibt es vielleicht doch bessere Optionen?

Immerhin geht es beim Thema Nachhaltigkeit nicht mehr um rein objektive Faktoren.

Nachhaltige ETFs vs. aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds

Nachhaltige Fonds haben den Vorteil, dass der Fondmanager oder ein extra dafür eingerichteter Beirat die Unternehmensauswahl treffen. Jede Position wird genau unter die Lupe genommen (zumindest hoffe ich das), um sicherzustellen, dass sie den festgelegten Kriterien entspricht.

Allerdingt bleibt auch hier der Nachteil bestehen, der bei vielen nachhaltigen ETFs bemängelt wird. Ob eine Firma als nachhaltig eingestuft wird oder nicht, bleibt nun mal teilweise subjektiv.

Es geht um moralische und ethische Fragen und die beantwortet nicht jeder Mensch gleich.

Außerdem steht auch hinter nachhaltigen ETFs ein menschlicher Auswahlprozess, und den finde ich nicht schlechter. Rating-Agenturen nutzen ausgeklügelte Filterkriterien, um ihre Bewertungen und Rankings zu erstellen. Die Mitarbeiter schauen sich dutzende Kennzahlen jeder einzelnen Firma an, bewerten Nachhaltigkeitsberichte und Kontroversen und fragen sogar direkt bei den Unternehmen nach. Das Ergebnis ist die Grundlage für nachhaltige Indizes.

Unterschied zwischen Index und ETF

Ein Aktienindex ist ein formales Konstrukt, das viele verschiedene Aktien von unterschiedlichen Unternehmen enthält. Beispiele sind der DAX oder der MSCI World. Ein ETF ist hingegen ein Investmentprodukt, mit dessen Hilfe man in einen Index investieren kann. Der ETF-Anbieter (meist eine Bank) kauft entsprechend der Indexgewichtung die unterschiedlichen Aktien und bietet dafür ETF-Anteile zum Verkauf an Investoren an.

Ob ein aktiver Fond die Auswahl besser macht oder nicht, möchte ich nicht beurteilen. Es ist am Ende einfach ein anderer Prozess. Aber niemand garantiert mir, dass die individuelle Auswahl eines Fondmanagers besser zu meinen Wertvorstellungen passt als ein standardisiertes, auf ESG-Ratings basiertes Auswahlsystem. Davon abgesehen haben Rating-Agenturen deutlich mehr Kapazitäten, all die Informationen und Kennzahlen zu prüfen, als einzelne Fonds.

Das ist auch der Grund, warum aktiv gemanagte Fonds so wahnsinnig teuer sind und nicht mit den Preisen von nachhaltigen ETFs mithalten können.

ETFs vs. Investment in Einzelaktien

Wer die Entscheidungen selbst in die Hand nehmen möchte, sei gewarnt. Es ist bereits ein schwieriges Unterfangen, mit selbst ausgewählten Aktien eine gute Rendite zu erzielen. Die meisten privaten Investoren und viele Fonds bleiben hinter der Marktrendite zurück.

Zusätzlich noch seriös die Nachhaltigkeit von Unternehmen zu bewerten, halte ich bei privaten Investoren für unmöglich. Wer ist schon ausreichend informiert, um wirklich den Daumen heben oder senken zu können?

Wenn man ehrlich ist, hat das mehr mit Bauchgefühl und Hörensagen zu tun als mit objektiven Kriterien. Natürlich kann man sich auf Unternehmen, die über jeden Zweifel erhaben sind, beschränken, oder man orientiert sich daran, ob ein Unternehmen in nachhaltigen Fonds und ETFs enthalten ist.

Es bleibt aber die Herausforderung, nicht hinter der Marktrendite zurückzubleiben. Außerdem sollte man die Arbeit der Rating-Agenturen nicht unterschätzen. Da sitzen eine Menge Experten, die mit Hilfe von umfangreichen Daten versuchen, eine solide Bewertung abzuliefern. Auch wenn sie damit ihr Geld verdienen, heißt das nicht gleich, dass man dem gänzlich misstrauen muss.

Die nachhaltige Asset Allocation

Die Aufteilung des Vermögens (=Asset Allocation) ist einer der wichtigsten Faktoren für den erfolgreichen Vermögensaufbau. Viel entscheidender als die konkrete Auswahl der Produkte. Die gute Nachricht ist, dass die klassischen Bausteine auch in nachhaltigen Varianten zu haben sind. Einzige Ausnahme sind Rohstoff-ETCs (Exchange Traded Commodities).

Nachhaltige Asset Allocation

Für dich bedeutet das, dass du deine gewohnte Aufteilung in risikoreich und risikoarm problemlos beibehalten kannst. Hast du einen langen Anlagehorizont und eine hohe Risikotoleranz kannst du einen großen Teil deines Portfolios (oder sogar alles) in nachhaltige Aktien-ETFs, Immobilien-ETFs oder hochverzinste Unternehmensanleihen stecken.

Je weniger Zeit übrig bleibt, ehe du an das Geld musst, desto größer sollte der risikoarme Teil deines Portfolios werden, mit dem du die Schwankungen (Volatilität) abfedern kannst. Hier bieten sich Tages- und Festgeld an oder Staatsanleihen mit hoher Bonität, die in der Regel sowieso schon als nachhaltig angesehen werden können.

Weitere Aufteilung

Die einzelnen Bausteine des Portfolios, vor allem der Aktienpart, können noch weiter unterteilt werden. Da es gerade im Bereich der nachhaltigen Aktien-ETFs ein großes Angebot gibt, kann man auch hier in den meisten Fällen seiner Gewichtung treu bleiben.

Klassisch ist eine Aufteilung zwischen Industrienationen und Schwellenländern, die sich problemlos auch nachhaltig umsetzen lässt. Allerdings gibt es einige Produkte, bei denen ich meine Zweifel habe. Nachhaltige Immobilien-ETFs funktionieren z. B. nicht ganz so, wie ich erwartet hatte, und sind meiner Meinung nach nur bedingt zu empfehlen.

Das hat mir gezeigt, dass es für einen nachhaltigen Investor umso wichtiger ist, sich die Produkte genau anzuschauen. Sonst investiert man in etwas, das man gar nicht versteht, und das ist ein Kardinalfehler bei der Geldanlege.

Investieren in nachhaltige Aktien-ETFs

Nachhaltige Aktien-ETFs leiten sich in der Regel von einem sogenannten Elternindex ab. Das ist ein normaler Index wie der MSCI World, der ein bestimmtes Anlageuniversum abdeckt (in dem Fall die Industrienationen). Anschließend werden die darin enthaltenen Unternehmen durch einen mehrstufigen Filterprozess bewertet und bei Bedarf ausgeschlossen.

Nachhaltige Aktien-ETFs Filterkriterien
Filter Nr. 1: Negatives Screening

Im ersten Schritt werden kontroverse Unternehmen bzw. Geschäftsmodelle ausgeschlossen. Die Kriterien können unterschiedlich komplex sein. Manche Indizes verbannen einfach bestimmte Branchen wie Tabak oder die Waffenindustrie. In anderen Fällen wird intensive Recherche betrieben, ob Unternehmen gegen internationale Abkommen oder Richtlinien wie die UN Global Compact Guidelines verstoßen, oder sich sonst irgendwie arg daneben benehmen.

Es gibt ETFs, bei denen nur der erste Filter angewendet wird. Sie sind vor allem für Investoren interessant, die an ihren normalen ETFs hängen und nur ungern von der Marktrendite abweichen möchten. Beim MSCI World ESG Screened sind nur rund 100 der ursprünglich ca. 1650 Unternehmen ausgeschlossen, womit das Risiko einer Renditeabweichung recht gering ist.

Filter Nr. 2: Einzelfaktoren

Der zweite Filterprozess, der nur in deutlich weniger Indizes vorkommt, berücksichtigt bestimmte Schwellenwerte. Da der Klimawandel ein dominantes Thema ist, sind das aktuell vor allem CO2-Emissionen oder andere mit fossilen Brennstoffen verknüpfte Kennzahlen.

Meistens werden die Firmen untereinander verglichen, aber es gibt auch Absolutwerte, die zum Ausschluss führen. Beim MSCI World SRI Reduced Fossil Fuels darf eine Firma zum Beispiel max. 10% ihres Stroms aus Kohle erzeugen.

Die Themen Energiewende und fossile Brennstoffe werden noch einen viel größeren Einfluss auf unser Leben bekommen, als viele im Moment erahnen. In diesem Beitrag habe ich mich ausführlich damit beschäftigt, was das für uns als Investoren bedeutet.

Filter Nr. 3: Positives Screening

Im letzten Filter wird ein sogenanntes ESG-Rating verwendet, das dazu dient die Nachhaltigkeit von Firmen nach möglichst einheitlichen Standards zu bewerten.

Die Kriterien stammen aus den Bereichen Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Corporate Governance (Unternehmensführung) und geben einen guten Gesamtblick darauf, wie sich ein Unternehmen insgesamt schlägt.

In den meisten Indizes gibt es ein Mindest-Rating, ohne das man definitiv ausgeschlossen wird. Außerdem werden die Unternehmen untereinander verglichen und es werden nur die besten in die Auswahl aufgenommen. Dieser Prozess heißt positives Screening. Er findet meistens nach einem Best-in-Class-Prinzip statt, bei dem Unternehmen innerhalb ihres Sektors miteinander verglichen werden.

Im MSCI World SRI werden zum Beispiel die besten 25% aufgenommen und alle anderen fliegen raus. Das minimale Rating liegt bei A (AAA ist das beste, CCC das schlechteste). Herauskommt ein recht strenger ETF, in dem noch knapp 400 Unternehmen enthalten sind.

Für mich war es sehr wichtig, mich intensiv mit dem Auswahlprozess auseinander zu setzen. So konnte ich das nötige Vertrauen aufbauen, das ich für den Umstieg auf nachhaltige ETFs für mich brauchte. Alles, was ich gelernt habe, habe ich in diesem Beitrag zusammengefasst.

Nachhaltige Themen-ETFs
Nachhaltige Themen-ETFs

Neben den klassischen nachhaltigen ETFs, die breit gestreut bestimmte Regionen abbilden, gibt es ETFs, die sich auf bestimmte Themen oder Branchen fokussieren. Diese machen ca. 10% aller nachhaltigen Aktien-ETFs aus.

Hier sind ein paar Beispiele mit der jeweiligen Anzahl an Unternehmen (Stand Nov 2020):

  • iShares Global Clean Energy UCITS ETF (30 Unternehmen)
  • Lyxor MSCI Future Mobility ESG Filtered (54 Unternehmen)
  • L&G Clean Water UCITS ETF (66 Unternehmen)
  • iShares Global Timber & Forestry UCITS ETF (25 Unternehmen)

Wie du siehst, ist die Diversifikation bei diesen ETFs sehr gering. Das hat Vor- und Nachteile.

Für ein klassisches passives Welt-Portfolio, so wie es der ETF-Papst Gerd Kommer predigt, sind sie nicht geeignet. Die Idee beim passiven Investieren ist, dass man es im Voraus nicht wissen kann, welche Branche sich zukünftig am besten entwickelt oder welche Technologien sich durchsetzen.

Wer auf einen nachhaltigen Themen-ETF setzt, geht eine sogenannte Sektorwette ein. Er spekuliert darauf, dass sich zum Beispiel Firmen im Bereich erneuerbare Energien besser entwickeln als der Markt und erhofft sich dadurch eine Überrendite.

Ein anderer Blick auf die Dinge ist allerdings das Impact Investing. Hier geht es darum, aus moralischen oder ideellen Gründen bestimmte Projekte zu unterstützen. Zwar kann man mit Themen-ETFs nicht direkt in Solarkraftwerke, Wälder oder Windparks investieren. Aber du kannst bestimmte Branchen oder Firmengruppen unterstützen, von deren Geschäftsmodellen du überzeugt bist.

Da aber das Problem mit der Risikostreuung bleibt, würde ich persönlich nur maximal einen kleinen Teil des Portfolios in solche ETFs investieren. Das muss aber jeder selbst entscheiden.

Investieren in nachhaltige Anleihen-ETFs

Anleihen bilden das Gegenstück zu Aktien und sind eine separate Assetklasse. In der Regel verwendet man sie für den risikoarmen Teil des Portfolios, aber es gibt auch risikoreiche Anleihen, die deutlich mehr Rendite liefern können.

In beiden Fällen gibt es nachhaltige Varianten, aus denen ein bewusster Anleger auswählen kann. Glücklicherweise auch in Form von ETFs, mit denen du einfach und bequem in diese wichtige Anlageklasse investieren kannst.

Aufgabe von nachhaltigen Anleihen-ETFs

Staatsanleihen-ETFs mit hoher Bonität

Staatsanleihen von Ländern mit hoher Bonität sind der Klassiker für den risikoarmen Teil des Portfolios. In diesem Bereich gibt es eine Reihe von ETFs, die sich in der Anleihenlaufzeit, der Währung und den Emittenten unterscheiden (Emittent = Herausgeber einer Anleihe). Nachhaltige Anleihen-ETFs sucht man hier allerdings vergeblich.

Das liegt ganz einfach daran, dass sich die Länder mit hoher Bonität unterm Strich recht vorbildlich verhalten. Menschenrechte, Umweltschutz und faire Arbeitsbedingungen sind anerkannte Werte, auch wenn nicht immer alles perfekt läuft.

Es gibt allerdings trotzdem spezielle nachhaltige Staatsanleihen-ETFs, wie z. B. den iShares Euro Government Bond Climate ETF, der besondere Risiken durch den Klimawandel berücksichtigt.

Generell gilt aber, wer Anleihen-ETFs für den risikoarmen Teil des Portfolios sucht, braucht bei Staatsanleihen-ETF nicht gesondert auf Nachhaltigkeit zu achten. Das ist quasi mit drin, wenn man die folgenden wichtigen Kriterien berücksichtigt.

  • Hohe Bonität (sorgt für die Stabilität im Portfolio)
  • Kurze Anleihenlaufzeiten (Begrenzt das Zinsänderungsrisiko)
  • In Euro notiert (Schließt das Fremdwährungsrisiko aus)

Staatsanleihen-ETFs mit mittlerer bis niedriger Bonität

Geht man von den Staatsanleihen mit hoher Bonität zu alternativen Varianten, sind diese nicht mehr für den risikoarmen Teil des Portfolios geeignet. Gerade Schwellenländeranleihen sind zu vielen Risiken ausgesetzt, als dass sie sich für einen Anker im Portfolio eignen.

Dafür bringen diese Anleihen mehr Rendite und können als Ergänzung zu Aktien im risikoreichen Teil eingesetzt werden. Da hier Anleihen von vielen Ländern aus aller Welt verwendet werden, spielen Nachhaltigkeitsaspekte eine größere Rolle.

In nachhaltigen Varianten wie dem iShares J.P. Morgan ESG EM Bond ETF werden ESG-Kriterien berücksichtigt, nach denen die Länder in Kategorien eingeteilt, unterschiedlich gewichtet und falls nötig ausgeschlossen werden.

Auch wenn das Angebot noch klein ist, bleibt einem als nachhaltiger Investor dieses Anlagesegment also nicht verwehrt. Allerdings sollte man sich in der heutigen Niedrigzinsphase gut überlegen, ob sich diese Diversifikation wirklich lohnt, oder ob man damit eigentlich nur die Performance seiner Aktien-ETFs zunichte macht.

Nachhaltige Unternehmensanleihen-ETFs

Anleihen werden nicht nur von Staaten, sondern auch von Banken und Unternehmen ausgegeben. Im Unterschied zu Staatsanleihen werden bei nachhaltigen Unternehmensanleihen-ETFs ähnliche Kriterien angelegt wie bei nachhaltigen Aktien-ETFs.

Das bedeutet, dass die Firmen in einem ESG-Ranking bewertet, miteinander verglichen und bei Bedarf ausgeschlossen werden. Neben diesem positiven Screening gibt es auch das negative Screening, bei dem Unternehmen aus kontroversen Geschäftsbereichen, wie Waffen, Tabak, Glücksspiel, usw. aus der Auswahl verschwinden.

Etwas verwirrend ist die Tatsache, dass Begriffe wie Sustainable oder SRI bei den Anleihen eine andere Bedeutung haben als bei den nachhaltigen Aktien-ETFs. Außerdem ist die Informationslage in den Index-Dokumenten deutlich dünner.

Man muss also in den sauren Apfel beißen und sich ETF, die in die engere Wahl kommen, noch mal genauer anschauen.

Das gilt vor allem für besondere Variationen wie z. B. den BNP Paribas Easy EUR Corporate Bond SRI Fossil Free UCITS ETF. Hier wird ein zusätzlicher Fokus auf die CO2-Emission der Unternehmen gelegt. Das kennen wir schon von den Aktien-ETFs, aber auch hier läuft das Ganze etwas anders.

Wer mehr Infos, z. B. auch über nachhaltige Hochzinsanleihen (High Yield Bonds) möchte, kann sich gerne diesen Beitrag anschauen.

Impact Investing mit Green Bonds

Green Bonds sind eine gesonderte Kategorie, die es sowohl im Segment der Staatsanleihen als auch bei den Unternehmensanleihen gibt. Der Unterschied ist, dass hier das Geld für ganz konkrete Projekte im Bereich Umwelt- und Klimaschutz eingeworben wird. Deshalb nennt man diese Anleihen auch Climate Bonds.

Internationale Initiativen wie die Green Bond Principles (GBP) oder die Climate Bond Initiative (CBI) machen Vorgaben, welche Bedingungen eine Anleihe erfüllen muss, um als „grün“ bezeichnet zu werden. Dies sind freiwillige Standards, die den Emittenten der Anleihen mehr Transparenz abverlangen, aber nicht ohne Kritik sind.

Das Label Green Bond ist noch nicht über jeden Zweifel erhaben und es sind weitere Schritte nötig, um das Vertrauen zu festigen. Das Thema ist allerdings im Kommen. Im September 2020 wurde die erste grüne Anleihe des Bundes emittiert. Kein Wunder also, dass mehr und mehr ETFs wie der Lyxor Green Bond (DR) UCITS ETF herausgegeben werden. Mit solchen Produkte kannst du bequem in hunderte von grünen Anleihen gleichzeitig investieren.

Investieren in nachhaltige Immobilien-ETFs

Investieren in nachhaltige Immobilien-ETFs

Ähnlich wie bei Anleihen-ETFs werden auch bei nachhaltigen Immobilien-ETFs abweichende Kriterien für die Zusammenstellung verwendet. Zwar bestehen Immobilien-ETFs entgegen eines üblichen Irrglaubens ebenfalls aus Unternehmen, aber in Punkto Nachhaltigkeit spielen tatsächlich die Gebäude die Hauptrolle.

In Immobilien-ETFs sind verschiedene Unternehmen enthalten, u. a. Wohnungsbaugesellschaften, Immobilienverwalter und REITs (Real Estate Investment Trusts). Diese werden allerdings nicht wie bei Aktien-ETFs üblich anhand von ESG-Kriterien bewertet. Es wird lediglich überprüft, ob die UN Global Compact Richtlinien eingehalten werden. Zumindest bei den aktuell verfügbaren Varianten.

Die eigentliche Auswahl basiert auf der Bewertung der gebauten und verwalteten Gebäude. Diese werden anhand von zwei Kriterien klassifiziert. Nach Energieeffizienz und nach sogenannten Green Building Zertifikaten.

Sind nachhaltige Immobilien-ETFs wirklich nachhaltig?

Die angelegten Kriterien sind sehr eingeschränkt und fokussieren sich stark auf das Thema Umwelt. Andere Aspekte von ESG wie der sozialen Bereich und die Unternehmensführung bleiben außen vor. Außerdem werden die Unternehmen auch nicht ausgeschlossen, wenn sie wenig „grüne“ Gebäude haben, sondern nur untergewichtet.

Das kam mir etwas halbherzig vor. Deshalb habe ich mir bei zwei Immobilien-ETFs angeschaut, ob die Top10-Unternehmen in gängigen nachhaltigen Aktien-ETFs ausgeschlossen sind oder nicht.

Beim europäischen Index sind 5 der 10 Top-Positionen nicht MSCI World enthalten. Stand: Nov. 2020

Wie du siehst, kommt es darauf an, wie nachhaltig du es gerne hättest. Wer bei den Aktien-ETFs mit den Kriterien eines MSCI World ESG Screened zufrieden ist, kann vermutlich auch in einen nachhaltigen Immobilien-ETFs investieren.

Wer allerdings gern strenge Auswahlkriterien hätte, wird enttäuscht sein. Nur ein einziges Top10-Unternehmen aus den Immobilien-ETFs schafft es in den MSCI World SRI. Das ist nicht gerade ermutigend.

Für viele Investoren sind Immobilien ein unverzichtbarer Baustein in einer ausgewogenen Asset Allocation. Das kann für nachhaltige ETF-Investoren ein Dilemma sein. Deshalb beschäftige ich mich in diesem Beitrag mit der Frage, ob man unbedingt Immobilien im Portfolio haben sollte oder darauf verzichten kann.

Zwischenfazit

Wie du siehst, gibt es viele Möglichkeiten, nachhaltig in ETFs zu investieren. Allerdings hat jede Assetklasse ihre eigenen Kriterien und das kann schon mal unübersichtlich werden. Immerhin gibt es mittlerweile schon mehr als 200 nachhaltige ETFs!

Deshalb gebe ich dir im zweiten Teil dieses Guides wertvolle Tipps, was man bei der Auswahl von nachhaltigen ETFs beachten sollte. Außerdem beantworte ich die Frage, welche Rendite man von nachhaltigen ETFs erwarten kann und welchen Bedenken und Ängsten man sich als nachhaltiger Investor stellen muss.

Ich bin davon überzeugt, dass es sich aus unterschiedlichen Gründen lohnt, in nachhaltige Geldanlagen zu investieren. Allerdings ist das nichts, was man von jetzt auf gleich entscheiden sollte.

Wie bei jeder Geldanlage sollte man genau verstehen, in was man investiert. Beim Investieren in nachhaltige ETFs ist es wichtig, sich über die Gründe und Risiken im Klaren zu sein. Es ist nichts gewonnen, wenn man dem Ganzen nicht traut und bei der kleinsten Kursschwankung wieder auf normale Investments umschichtet.

Nachhaltige Grüße

Nachhaltige Grüße
Christian Kontakt

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