Anlagestrategie

Das Global Portfolio One im Test: mehr Schein als Sein?

Global Portfolio One von Dr. Andreas Beck

Das Global Portfolio One von Dr. Andreas Beck ist ein ETF-Weltportfolio mit strategischen Besonderheiten. Es versteht sich als krisensichere All-in-One-Lösung, die auf moderner Kapitalmarktforschung basiert.

Bevor du größere Summen investierst, solltest du dir die Vor- und Nachteilen des Fonds anschauen. Dieser Beitrag beleuchtet die Kritikpunkte und beantwortet die Frage, für welchen Anlegertyp das Global Portfolio One am besten geeignet ist.

Das Wichtige in Kürze:

Das Global Portfolio One (GPO) ist ein weltweit diversifizierter Fonds, der die Bewertung regionaler Aktienmärkte in die Portfoliogewichtung mit einbezieht.

Der Fonds wird mittels kostengünstiger ETF-Produkte und Anleihen umgesetzt und ist mit 0,70% jährlichen Gebühren günstiger als die meisten aktiven Fonds.

Mein Hauptkritikpunkt ist, dass Market Timing betrieben wird und dass das GPO nicht so prognosefrei ist, wie Andreas Beck behauptet.

Was ist das Global Portfolio One?

Andreas Beck bezeichnet sein Portfolio als ultrastabil. Ein Begriff, der auf den Kybernetiker Norbert Wiener zurückgeht und von Nassim Nicholas Taleb als antifragil populär gemacht wurde.

Ultrastabil bedeutet, dass das Portfolio nicht nur krisensicher ist, es soll sogar von Krisen profitieren. Außerdem soll es kosteneffizient, transparent und wissenschaftlich fundiert sein.

4 Schlüsselmerkmale im Überblick
GPO Strategie

Besonderheit der Portfoliogewichtung

Der erste strategische Kniff ist die Gewichtung der Regionen nach Unternehmensgewinn und nicht nach Marktkapitalisierung (=Unternehmenswert). Andreas Beck spricht davon, dass er sich Cashflow ins Portfolio holen möchte und keine übertriebenen Firmenbewertungen.

Als Beispiel: Unternehmen am US-Markt sind aktuell hoch bewertet, machen aber relativ gesehen gar nicht so viel Gewinn. Das treibt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in die Höhe.

Das Global Portfolio One untergewichet solche Märkte und investiert im Gegenzug überproportional in niedrig bewertete Regionen, aktuell z. B. Europa.

Im Grunde entspricht das einer Value-Strategie.

Bei der Value Strategie geht man davon aus, dass trendbedingte Überbewertungen früher oder später abgebaut werden. Es ist solider Cashflow, der die besten Renditen bringt, und keine Wachstumshoffnung.

Dynamische Investitionsreserve

Die zweite Besonderheit des Global Portfolio One ist eine durch die Kursentwicklung gesteuerte Cashquote. In Bullenmärkten werden 20% des Bestands in sicheren Anleihen, Gold und Cash gehalten.

Fallen die Märkte um 20% oder 40% und steigt die Volatilität, wird in zwei Stufen nachgekauft. Dann sind 100% des Portfolios „risk on“. Normalisiert sich die Lage, wird der Aktien-ETF-Anteil wieder zurückgefahren.

Je öfter die Märkte crashen, desto besser.

So ein Vorgehen profitiert von Auf- und Abwärtsbewegungen. Wenn andere davonlaufen, wird eingekauft. Wird der Markt gierig, geht das GPO in die Defensive. Das nennt man auch antizyklisches Investieren.

Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere Angst haben.

Warren Buffett. Investmentlegende

Die Vorteile des Global Portfolio One

Global Portfolio One Vorteile

Das Global Portfolio One bietet ohne Zweifel eine solide und transparente Strategie, die ohne viel Schnickschnack daherkommt. Weltweit gestreut und wissenschaftlich fundiert. Aktives Management in seiner klassischen Form sucht man vergeblich.

Das finde ich gut.

Wer Markttrends links liegen lässt und regelbasiert investiert, macht viel richtig.

ETFs sei Dank ist das GPO mit 0,70% Kosten pro Jahr durchaus konkurrenzfähig. Man kauft zu kleinem Preis eine ausgefeilte All-in-one-Lösung. Aktive Fonds sind meist teuer und manch einzelner ETF kostet genauso viel.

Bisherige Performance des Global Portfolio One

Wie die meisten Welt-Portfolios weicht das GPO nicht viel von der Kursentwicklung des Gesamtmarktes ab. Ein guter Benchmark ist der MSCI World ACWI. Dieser enthält analog zum GPO Aktien aus Industrie- und Schwellenländern.

Global Portfolio One Performance

Das Global Portfolio One zeigte sich wie gewünscht schwankungsärmer während der Corona-Krise. Das liegt an der 20%igen Cash- bzw. Anleihenquote. Allerdings konnte es danach nicht wirklich von der Krise profitieren.

Ultrastabilität sehe ich hier nicht.

Eine Kombination aus 80% World + 20% Cash hätte sich im Crash ähnlich verhalten. Ein halbes Jahr später hätte man das GPO sogar überholt.

Kritik am Global Portfolio One

Für eine aussagekräftige Bewertung der Performance des Global Portfolio One braucht es natürlich noch mehr Zeit. Deshalb sollten sich interessierte Investoren vor allem die Kritikpunkte und weniger den Kursverlauf anschauen.

Kritikpunkt Nr. 1: Jetziger Cashflow vs. zukünftiger Cashflow

Die Portfoliogewichtung am Gewinn der Unternehmen auszurichten, mag auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen. Aber warum richte ich sie nicht an den zukünftigen Gewinnen aus?

Wenn ich Firmenanteile über Jahre halten möchte, interessiert mich die zukünftige Entwicklung. Deshalb ist es Standard, dass in die Bewertung von Firmen die abgezinsten zukünftigen Gewinne einfließen. Das nennt sich Discounted Cashflow Methode.

Was am Ende rauskommt ist nichts anderes als der Wert einer Firma und das entspricht wiederum der Marktkapitalisierung.

Wer also „banal“ nach Marktkapitalisierung gewichtet (wie im MSCI World), gewichtet bereits nach Firmengewinn. Nur eben nach abgezinstem zukünftigem Gewinn.

Berücksichtigung von Risiken

Beim Firmenwert (sprich der Marktkapitalisierung) sind zudem diverse Risiken berücksichtigt. Das sind die Informationen und Erwartungen, die durch die Marktteilnehmer eingepreist sind. Schaue ich nur auf den Cashflow, ignoriere ich das.

Manche Firmen und Länder haben aus gutem Grund ein niedriges KGV.

Es gibt zwar eine sogenannte Value-Prämie, die besagt, dass Unternehmen mit soliden Kennzahlen langfristig besser performen. Aber ob das in unserer heutigen digitalen, sich rasant entwickelnden Welt immer noch gilt, wird in Studien lebhaft diskutiert.

In meinen Augen ist die Gewichtung des GPO nicht besser oder sinnvoller als die eines MSCI World. Nur kriege ich einen MSCI World eben schon für 0,10% statt 0,70% Gebühren pro Jahr.

Die 7 häufigsten ETF-Fehler

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Kritikpunkt Nr. 2: Market Timing statt Risikomanagement

Normalerweise ist der risikoarme Teil im Portfolio dazu da, um Schwankungen zu reduzieren. Er wird auch im Crash nicht investiert. Das ist vor allem dann wichtig, wenn das Ende der Ansparphase naht.

Dient die Cashquote zum Nachkaufen, ist das Market Timing.

Niemand weiß, wann, wie oft und wie weit es runtergeht und auch nicht, wie lange. Andreas Beck hat im Interview mit der Pfennigfabrik selbst zugegeben, dass das Global Portfolio One auf möglichst viele Börsenturbulenzen hofft.

Wir glauben, die Zukunft ist eine Goldgrube für uns. Ich glaube, es kommen noch viel mehr Einbrüche in viel kürzerer Zeit.

Wir sind super passiv, weil wir sind prognosefrei.

Ich finde das widersprüchlich. Die Strategie ist zwar regelbasiert, aber nicht prognosefrei. Aber bilde dir am besten deine eigene Meinung (Minute 15:30 bis 19:00)

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Niemand kann die Zukunft vorhersagen

Studien zeigen, dass Market Timing nicht funktioniert. Das versucht uns auch ETF-Papst Gerd Kommer immer wieder klarzumachen. Deshalb halte ich mich an folgende Börsenweisheit.

„Time in the market” schlägt „Timing the Market”.

In meinen Augen sollte sich die Cashquote am Anlagehorizont und der Risikobereitschaft orientieren und nicht an der Hoffnung, dass es bald wieder crasht. Das, gepaart mit klassischem Rebalancing, ist meine Strategie der Wahl.

Kritikpunkt Nr. 3: Anleihen statt Cash

Im oben verlinkten Interview mit der Pfennigfabrik sagt Andreas Beck bei 02:50 min., dass Versicherungen und andere regulierte Investoren im Crash auf Staatsanleihen mit hoher Bonität umschichten müssen. Das würde deren Kurse beflügeln.

Die [AAA-Staatsanleihen] können wir mit Gewinn in der Krise verkaufen.

Damit rechtfertigt er, in normalen Phasen Negativzinsen zahlen zu müssen.

Ähnliche Gedanken hatte ich früher auch, habe sie aber verworfen. Schauen wir uns dazu das Verhalten des Deka-ETFs mit kurzlaufenden deutschen Staatsanleihen während der Coronakrise an.

Staatsanleihen in der Krise

Zugegeben, Anleihen waren in der Finanzkrise 2008 ein besseres Gegengewicht. Allerdings wurden dort drastisch die Zinsen gesenkt. Das beflügelt Anleihenkurse. Ob Anleihen im heutigen Negativzinsumfeld ähnlich gut funktionieren, bezweifeln viele Experten.

Investoren wären aktuell ziemlich verrückt, Anleihen zu halten.

Ray Dalio, Investmentlegende

Der eigentliche Grund für Anleihenkäufe

Institutionelle Investoren kaufen kurzfristige Staatsanleihen, weil bei Banken deponiertes Cash ein Risiko darstellt. Fällt die Bank aus, ist das Geld weg. Privatanleger müssen das aber nicht.

Bis zu 100.000€ sind durch die Einlagensicherung geschützt.

In Deutschland haftet die Entschädigungseinrichtung öffentlicher Banken (EdB) im Falle einer Bankenpleite und erstattet dir das Geld. Da sie vom Bundesfinanzministerium mit der Aufgabe betraut ist, hängt die Sicherheit wie bei Staatsanleihen letztlich von der Stabilität eines Staates und nicht einer Bank ab.

Fonds haben mehr als 100.000€ zu verwahren und müssen deshalb negativ verzinste Staatsanleihen kaufen. Das würde ich als Privatanleger nicht machen.

Wie kann man in das Global Portfolio One investieren?

Wer trotz der Kritik vom GPO überzeugt ist, kann sich den Fond bei allen gängigen Online-Brokern ins Depot holen. Der Ausgabeaufschlag wurde vor kurzem gestrichen, so dass nur normale Handelsgebühren anfallen.

So gehst du vor:

  1. Depot bei einem Online-Broker eröffnen
  2. Geld aufs Verrechnungskonto überweisen
  3. Das GPO über seine Wertpapier-Nr. suchen
  4. Handelsorder platzieren

WKN: A2PT6U; ISIN: AT0000A2B4T3

Der minimale Anlagebetrag liegt je nach Broker bei 250-500€.

Das Global Portfolio One als Sparplan

Anstelle eines Einmalbetrags kannst du auch monatlich Geld investieren. Allerdings geht das nicht bei jedem Broker. Von meinen eigenen bietet lediglich Flatex einen Sparplan an. Andere sind z. B. Smartbroker und Ebase. Das kann sich aber jederzeit ändern.

Suche in deinem Broker-Account nach dem Sparplanmenü und gib dort die ISIN oder WKN ein.

Weitere Möglichkeiten, in das GPO zu investieren

Laut Homepage kann man das Global Portfolio One auch als Fondrente besparen. Am Ende der Ansparphase winkt eine lebenslange Rentenzahlung. Ich bin allerdings kein Fan von solchen Modellen. Ich behalte gerne die volle Kontrolle über mein Kapital und bleibe flexibel.

Eine andere Möglichkeit ist, das GPO im Rahmen einer betrieblichen Altersvorsorge zu besparen. Das muss natürlich dein Arbeitgeber mitmachen. Ist das nicht möglich, kann man evtl. die 40€ der Vermögenswirksamen Leistungen damit anlegen. Das mache ich selbst über Ebase mit einem MSCI World ACWI. Bei Ebase gibt es auch das GPO, also müsste es gehen.

Für wen eignet sich das Global Portfolio One?

Das GPO eignet sich vor allem für Anleger, die es beruhigend finden, wenn Profis ein Auge auf ihre Geldanlage haben. Je größer die Summen, desto wichtiger ist diese mentale Komponente. Zu wissen, dass sich Dr. Andreas Beck plus Team um die Portfoliozusammenstellung kümmern, kann die 0,70% Gebühren pro Jahr wert sein.

Allerdings kann man technisch gesehen mit einem selbst zusammengestellten ETF-Portfolio mindestens genauso erfolgreich sein. Andreas Beck erwähnt fair in seinem E-Book, dass die Strategie für Privatanleger kostengünstig selbst umsetzbar ist.

Ich bin kein Millionär und kann nicht sagen, wie es sich anfühlt, mit so viel Geld am Kapitalmarkt unterwegs zu sein. Aber 1 Mio € kann man genauso simpel anlegen wie 10.000€. Es liegt also bei dir, ob du der Strategie des GPO vertraust oder nicht.

Wenn du Zweifel hast, ob du selbstständig investieren solltest, empfehle ich dir meinen ETF-Artikel für Anfänger.

Welche Konkurrenzprodukte gibt es?

Global Portfolio One Kritik

Wer Alternativen zum Global Portfolio One sucht, kann aus einigen Konkurrenzprodukten wählen, die unübersehbare Ähnlichkeiten besitzen.

Der Arero-Fond von Prof. Dr. Martin Weber

Ein etwas anders gestricktes, aber ebenfalls auf weltweit gestreuten ETFs basiertes Produkt, ist der Arero-Fond. Hier werden Aktien, Anleihen und Rohstoffe kombiniert. Allerdings ist mir der Anleihenanteil zu hoch und von Rohstoffinvestments (vor allem über ETFs) bin ich nicht überzeugt.

Der Robo Advisor von Dr. Gerd Kommer

Gerd Kommer gilt als ETF-Papst. Sein Buch Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs ist ein Bestseller. Seinen gänzlich passiven Ansatz finde ich besser als das Global Portfolio One. Ob man das als Robo Advisor braucht, obwohl es jeder selbst umsetzen kann, ist eine andere Frage.

Vanguard LifeStrategy® 80% Equity ETF

Wie auch beim Global Portfolio One wird hier zu 80% in Aktien und zu 20% in Anleihen investiert. Allerdings zu viel günstigeren Preisen. Keine schlechte Alternative. Die Vanguard-Serie gibt es übrigens auch mit anderen Gewichtungen.

Mein Fazit

Das Global Portfolio One ist zwar solide aber trotzdem ein Marketingprodukt. Jedem muss klar sein, dass es sich um eine Art Value-Portfolio mit Market Timing Elementen handelt. Das kann man gut finden oder auch nicht.

Das perfekte Portfolio gibt es nicht.

Eine Kombination aus MSCI World und MSCI Emerging Markets ist auch nicht komplett prognosefrei, da sie auf bestimmten Grundannahmen basiert. Allerdings spart man ca. 0,50% an Kosten gegenüber dem GPO. Nach 30 Jahren ist das ein Plus von 10-15% im Depot.

Wenn dich der Alleingang verunsichert, weil du viel Kapital hast, würde ich lieber einen unabhängigen Finanzberater bezahlen, der dich bei der Betreuung eines ETF-Portfolios unterstützt (und einen guten Steuerberater!).

Nachhaltige Grüße

Nachhaltige Grüße
Christian Kontakt

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