ETF-Auswahl

ETFs ohne Waffen – Kein Profit mit Rüstung und Krieg

ETFs ohne Waffen

Was ist eigentlich drin in meinem ETFs? Früher oder später stellt man sich diese Frage, und dann wird man oft böse überrascht. Wer nämlich gehofft hatte, dass seine ETFs ohne Waffen auskommen, wird leider enttäuscht. Der MSCI World oder der FTSE All Country World enthalten noch die letzten kontroversen Unternehmen, die der Markt so zu bieten hat.

Nachhaltige ETFs bieten die Möglichkeit, Waffenproduzenten und Unternehmen, die an deren Vertrieb beteiligt sind, aus dem Portfolio auszuschließen. Je nach Strenge der Kriterien sind kontroverse, nukleare oder generell alle Waffen ausgeschlossen.

Es gibt also durchaus Alternativen, die eine nachhaltigere Geldanlage erlauben. Das muss auch nicht bedeuten, auf eine breite Streuung zu verzichten. Da aber nicht jeder nachhaltige ETF automatisch alle Waffen ausschließt, schauen wir uns in diesem Beitrag das Angebot genauer an.

Welche Waffentypen werden unterschieden?

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass vier Waffentypen unterschieden werden:

  • Kontroverse Waffen
  • Nuklearwaffen
  • Zivile Schusswaffen
  • Konventionelle Waffen

Zu den kontroversen Waffen zählen Streumunition, Antipersonenminen, Brandwaffen, Blendlaser und andere hässliche Erfindungen der Menschheit. Diese Waffen sind völkerrechtlich verboten. Entsprechende Verträge, wie z. B. die Konvention zu Streumunition, wurden von den meisten Staaten auf dieser Welt unterschrieben.

Konventionelle Waffen sind alle sonstigen Waffen, die nicht in die ersten drei Kategorien fallen, zum Beispiel die Bewaffnung von Polizei und Militär.

Welche Waffengeschäfte man mit seinem ETF einkauft, hängt vom zugrundeliegenden Aktienindex und dessen Auswahlkriterien ab. Diese sind leider nicht einheitlich und deshalb ist das Ganze etwas unübersichtlich.

ETFs ohne kontroverse Waffen

Wem vor allem kontroverse Waffen ein Dorn im Auge sind, hat die Möglichkeit, in ETFs mit dem Kürzel „ex controversial weapons“ zu investieren.

BNP Paribas bietet hier ETFs für die einzelnen Regionen an, also z. B. den MSCI USA ex controversial weapons oder den MSCI Emerging Markets ex controversial weapons. Einen entsprechenden ETF auf den MSCI World gibt es leider nicht.

Du müsstest dir also die Regionen einzeln ins Depot legen, wobei hier gleich gesagt ist, dass einige ETFs wie der MSCI Europe ex controversial weapons aktuell keinen Sinn machen, da dort gar keine Unternehmen dieser Art angesiedelt sind.

Länder mit Unternehmen, die kontroverse Waffen herstellen:

  • USA (4x)
  • Isreal (1x)
  • Südkorea (2x)
  • Indien (1x)
  • China (1x)

*aus dem Abgleich der Positionen mit dem jeweiligen Elternindex.

Die Liste ist (glücklicherweise) überschaubar und der Anteil an der gesamten Marktkapitalisierung gering (Entwickelte Länder: ~0,8 %, Emerging Markets: ~0,2 %). Deshalb haben diese ETFs auch den Vorteil, dass hier keine große Abweichung zum jeweiligen Elternindex zu erwarten ist.

Der Nachteil ist allerdings, dass man gezwungen ist, sich recht viele ETFs ins Depot zu legen und diese ein kleines Fondvolumen haben (< 100 Mio EUR). Außerdem sind sonst keine anderen Waffen ausgeschlossen. Wer also generell etwas gegen Waffen hat, sollte lieber zu strengeren Indizes greifen.

ETFs ohne Nuklearwaffen

ETF ohne Atomwaffen

Wer neben kontroversen auch Atomwaffen ausschließen möchte, hat die Möglichkeit, auf einen der diversen ETFs mit ESG-Kriterien zurückzugreifen. Diese nachhaltige ETFs bzw. Indizes erkennt man an einem ESG oder SRI in ihrer Bezeichnung (hier ein Beitrag, welche ETFs nachhaltig sind). Wer wissen möchte, was sich hinter ESG verbirgt, findet diesem Beitrag bestimmt hilfreich.

Bezüglich nuklearer Waffen sind ESG-ETFs durch die Bank weg sehr streng. Ausschlusskriterien sind zum Beispiel auch die Produktion von Flugkörpern und Abschussvorrichtungen und sogar die Herstellung von Komponenten, die eigentlich gar nicht für Atomwaffen bestimmt sind, für diese aber eingesetzt werden können.

Wichtig ist allerdings, dass nicht alle nachhaltigen ETFs zwingend nukleare Waffen ausschließen. Der Index MSCI World Low Carbon Leaders schließt beispielsweise weder kontroverse noch nukleare Waffen aus, weil seine Strategie allein auf den CO2‑Ausstoß ausgerichtet ist. Deshalb wäre dieser Index für mich auch nicht die erste Wahl, wenn es ums nachhaltige Investieren geht.

ETF ohne jede Waffenbeteiligung

ETFs ohne zivile Waffen

Man mag darüber streiten, ob Waffen generell eine Daseinsberechtigung haben. Auf der einen Seite, sind sie darauf ausgelegt, Menschen zu töten, auf der anderen Seite werden sie teils auch von Polizei und Militär eingesetzt, um das Leben von Menschen schützen. Wie ihr wisst, ist das Anliegen meines Blog nicht, hier den Moralapostel zu spielen. Ich möchte Denkanstöße liefern und Optionen aufzeigen, so dass jeder selbst eine bewusste Entscheidung treffen kann.

Wie jemand über das Thema Waffen denkt ist individuell. So könnte es durchaus sein, dass du zwar anerkennst, dass es Waffen immer geben wird, du aber nicht von ihrer Vermarktung profitieren möchtest. Dann könntest du in ETFs gänzlich ohne Waffen investieren.

Die SRI-Reihe von MSCI bietet dir solch eine Möglichkeit. Sie gehören zu den strengsten nachhaltigen ETFs und schließen neben den kontroversen und nuklearen Waffen auch zivile Schusswaffen und konventionelle Waffen fast vollständig aus. Allerdings gibt es auch hier kleine Unterschiede in der Handhabung.

Während im Bereich kontroverse Waffen sogar Caterer ausgeschlossen werden, die diese Firmen beliefern (=Zero Tolerance Strategie), sind Firmen, die maximal 5 % ihres Umsatzes mit dem Verkauf von Schusswaffen machen, gerade noch zugelassen. Produzieren sie diese Waffen, sind sie allerdings raus.

Die Grenzen bei konventionellen Waffen sind minimal höher. Maximal 5 % des Umsatzes dürfen aus der Produktion und maximal 15 % aus dem Vertrieb dieser Waffen stammen. Strenger wird es bei den nachhaltigen ETFs nicht.

Wem das zu wenig ist, muss sein Depot wohl oder übel aus Einzelaktien zusammenstellen. Wenn man Firmen wählt, deren Geschäftsmodell weit von Waffen entfernt ist, kann man bestimmt sichergehen. Ich persönlich denke aber, man darf nicht zu perfektionistisch an die Sache herangehen. Ich traue mir selbst nicht zu, bei duzenden von Firmen herauszufinden, wie sie ihre Umsätze generieren, und kann mit dem Angebot an nachhaltigen ETFs ohne Waffen gut leben.

Übersicht zu ETFs ohne Waffen

Einige Zwischenlösungen blieben bisher unerwähnt. Die ESG-Indizes von MSCI schließen zum Beispiel kontroverse und nukleare Waffen komplett aus, zivile Schusswaffen und konventionelle Waffen hingegen nur teilweise. Hier muss von Index zu Index unterschieden werden.

Der Vorteil gegenüber der SRI-Reihe ist hier vor allem die deutlich höhere Anzahl der enthaltenen Firmen und damit die breitere Diversifikation. Eine Abweichung von der Gesamtmarktrendite ist weniger wahrscheinlich.

Die folgende Übersicht soll einen groben Anhaltspunkt geben, welche Optionen es gibt.

Ausschlusskriterien für Waffen von bekannten Index-Familien

Weitgehender Ausschluss
Ausschluss mit strengen Grenzen
Ausschluss mit schwächeren Grenzen
Kein Ausschluss

Wichtiger Hinweis: Da sich das Angebot stets erweitert und auch die zugrundeliegenden Regeln und Ausschlusskriterien angepasst werden können, muss jeder selbst recherchieren, bevor er sich für einen ETF entscheidet.

Wo finde ich Informationen zu ETFs ohne Waffen?

Allgemeine Informationen, welche Nachhaltigkeitsstrategie in einem ETF umgesetzt ist, findet man im sogenannten Factsheet oder den Anlegerinformationen (KIID = Key Investor Information Dokument). Diese Dokumente werden vom ETF-Anbieter zur Verfügung gestellt und dort ist normalerweise auch aufgelistet, welche Unternehmen oder Branchen ausgeschlossen werden.

Auf Seiten wie justETF oder extraETF kann man gezielt nach nachhaltigen ETFs und deren Infomaterial suchen.

Will man genauer wissen, nach welchen Kriterien verfahren wird, wird man in den Regelwerken der Indizes fündig. Diese gibt es allerdings meist nur auf Englisch. Sie werden als „Index Methodology“ (bei MSCI) oder auch „Index Guideline“ (bei Solactive) bezeichnet. Einfach danach googeln.

MSCI ist hier finde ich recht transparent. Die Dokumente sind gut zu finden und gut strukturiert. Etwas undurchsichtiger und schwerer zu finden sind die Daten zum Dow Jones Sustainability Index oder den Produkten von Solactive.

Fazit

Es gibt mittlerweile ein breites Angebot an ETFs, in denen Waffen teilweise oder komplett ausgeschlossen sind. Je nach sonstigen Ansprüchen wie Diversifikation oder Fondkennzahlen (Größe, Alter, usw.) muss man abwägen, mit welchen Ausschlusskriterien man sich zufrieden gibt. Falls du dich noch nicht so gut mit nachhaltigen ETFs auskennst, lies einfach meinem Einsteiger-Guide. Dort habe ich alles wichtige an einem Ort und so kompakt wie möglich zusammengefasst.

Eine perfekte Lösung wird es vermutlich nie geben, aber gerade die indiskutablen Bereiche „kontroverse Waffen“ und „Atomwaffen“ kann man leicht aus seinem Portfolio verbannen, ohne Kompromisse einzugehen.

Das ist auch der Grund, warum ich nicht verstehe, dass sich so viele Kritiker von nachhaltigen ETFs an Details aufhalten. Dass zum Beispiel eine Ölfirma wie Total in manchen Nachhaltigkeitsindizes enthalten ist. Statt einer gut diversifizierten Minimallösung wie dem MSCI World ESG Screened kaufen sie dann doch den MSCI World. Aber da ist nun wirklich jede Firma – egal wie kontrovers – enthalten. Dass der MSCI World vielleicht 0,05 % günstiger ist, ist für mich da kein Argument.

Kleiner Tipp am Rande: Wer nur kontroverse und nukleare Waffen ausschließen möchte, kann bei vielen kleinen Indizes wie z. B. dem DAX getrost zuschlagen. Da sind solche Firmen nämlich gar nicht enthalten. Es müssen also nicht zwangsläufig nachhaltige ETFs sein. Einfach mal recherchieren.

Nachhaltige Grüße

Nachhaltige Grüße
Christian Kontakt

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