ETF-Auswahl

ETFs ohne Nestlé – So schließt du unliebsame Firmen aus

ETFs ohne Nestle

Nestlé und andere Firmen wie Google oder Amazon haben viele Kritiker. Gerade Nestlé war immer wieder in Kontroversen verwickelt und es gibt viele Anleger, die lieber in ETFs ohne Nestlé investieren wollen. Das ist allerdings nicht so leicht, wenn man trotzdem weltweit diversifiziert sein möchte.

Nachhaltige ETFs bieten eine gute Möglichkeit, kontroverse Firmen wie Nestlé, Google oder Amazon auszuschließen. Während „normale“ ETFs nach Regionen oder Unternehmensgröße unterscheiden, schließen nachhaltige ETFs gezielt Unternehmen aus, die sich nicht konform mit sozialen oder ökologischen Richtlinien verhalten (ESG-Kriterien).

Welche ETFs kommen nun ohne Nestlé und Google aus und wie findest du generell Indexfonds, in denen unliebsame Firmen ausgeschlossen sind? Viele Wege führen nach Rom. Und die erste Möglichkeit, die ich dir vorstellen möchte, zeigt, dass man durchaus kreative Lösungen finden kann.

Europa-ETFs ohne Nestlé (EMU-Strategie)

EU vs. Schweiz

Passive Anleger möchten den gesamten Weltmarkt abdecken oder zumindest große Teile davon. Bei der klassischen Kombination aus einem ETF für die entwickelten Länder und einem für die Emerging Markets hat man Nestlé aber dabei definitiv dabei. Es gibt jedoch einen Trick, bei dem man (fast) nicht auf Diversifikation verzichten muss.

Wie wäre es, wenn du dein Portfolio etwas feiner gliederst? Du könntest statt dem MSCI World die Regionen Nordamerika, Europa und Pazifik miteinander kombinieren. Dann hast bei Europa eine interessante Option.

Wenn man statt eines ETF auf den MSCI Europe oder den STOXX Europe 600 einen ETF auf den MSCI EMU Index kauft, kommt man nämlich elegant um Nestlé herum. Dieser Index beinhaltet die größten Unternehmen aus der Eurozone und enthält daher keine Britischen und auch keine Schweizer Unternehmen. So wirst du Nestlé los, ohne dass du auf viele andere Unternehmen verzichten muss.

Nachhaltige ETFs ohne Nestlé

Die EMU-Strategie ist natürlich keine universell einsetzbare Methode, um bestimmte Unternehmen auszuschließen. Wäre ja auch etwas übertrieben, die USA wegzulassen, nur weil man einen ETF ohne Google haben möchte. Es muss also eine bessere Option her.

Der Grund, warum du auf eine bestimmte Firma verzichten möchtest, ist meist ein sozialer oder ökologischer (außer natürlich, es ist was Persönliches). Es besteht also durchaus die Wahrscheinlichkeit, dass andere Menschen das genauso sehen. Daher lohnt es sich zu prüfen, ob das Unternehmen auf Grund seiner fragwürdigen Geschäftspraktiken in nachhaltigen ETFs ausgeschlossen ist.

Wenn man sich die Produktpalette der nachhaltigen ETFs anschaut, stellt sich auch heraus, dass einige die negative Meinung über Nestlé teilen. Andere aber nicht. Bei MSCI enthalten bis auf die Screened, Enhanced Focus und Universal Select Variante keine Indizes Nestlé. Andere Indexanbieter wie S&P (Dow Jones Sustainability Index), Solactive oder STOXX haben hingegen nichts gegen die Firma einzuwenden. Ein gutes Beispiel dafür, dass Nachhaltigkeit auch immer ein Stück weit subjektiv ist.

Mehr zum Thema nachhaltig Investieren mit ETFs findest du in meinem Einsteiger-Guide. Dort habe ich mein bestes gegeben, alle wichtigen Punkte so kompakt wie möglich zusammenzufassen.

ETFs ohne Google oder Amazon

Bei Google ist das Bild noch etwas anders. Da Google (bzw. Alphabet) auf Grund seines Geschäftsmodells nicht in die Verlegenheit kommt, Wälder zu roden oder Kakao von Kindern ernten zu lassen, ist der Konzern in deutlich mehr nachhaltigen ETFs vertreten. Es gibt aber auch einige Varianten wie den MSCI World SRI, die Alphabet ausschließen.

Amazon wird kritischer gesehen und man hat mehr Optionen.

Welche Unternehmen sind in meinem ETF enthalten?

ETF Constituents und Components

Die Zauberwörter lauten Constituents oder Components. Dies sind die Unternehmen, bzw. Wertpapierpositionen, aus denen ein Index aufgebaut ist. Suche einfach nach einem Indexnamen und einem der beiden Wörter und du findest in den meisten Fällen eine entsprechende Liste im Netz. Diese wird von den Indexanbietern zur Verfügung gestellt, aber auch iShares listet als ETF-Anbieter alle Unternehmen, die in ihren ETFs enthalten sind.

Hier geht es zu den Seiten von MSCI und iShares.

Andere Indexanbieter wie Dow Jones sind weniger transparent. Da muss man sich erst anmelden, um eine entsprechende Liste runterzuladen.

Trick bei Top10-Unternehmen

Wenn das besagte Unternehmen sehr groß ist, gibt es eine Abkürzung. In den Factsheets der ETFs ist die Top 10 der größten Positionen angegeben. Da Nestlé auf Grund seiner großen Markkapitalisierung da in der Regel auftaucht, sieht man auf einen Blick, ob Nestlé im ETF enthalten ist oder nicht.

Aufpassen muss man nur bei ETFs, die nicht nach Marktkapitalisierung gewichtet sind. Im MSCI World ESG Enhanced Focus ist Nestlé zum Beispiel enthalten, aber untergewichtet und daher weit außerhalb der Top 10.

Wenn du mehr dazu erfahren möchtest, in welchen Dokumenten du welche Infos findest, solltest du dir unbedingt die Übersichtsgrafik auf ETF-Recherche ansehen.

Macht es Sinn, ETFs ohne Nestlé zu kaufen?

ETFs ohne Nestle und Google

Nestlé ist ein Paradebeispiel für das moralische Dilemma eines nachhaltigen Investors. „Es gibt keine universell gültige Definition von ESG-Kriterien“, schreibt Solactive in einem tollen Artikel zu dem Thema, und es gibt schon gar keine allgemeingültige Meinung, was Nachhaltigkeit bedeutet. Wenn dir ESG nichts sagt, lies am besten diesen kurzen Übersichtsartikel von mir.

Es wird Unternehmen in kontroversen Branchen wie z. B. der Ölindustrie geben, die vieles dafür tun, um nachhaltiger zu werden. Und es wird ehemalige Vorbilder geben, die wie VW in Ungnade fallen, wenn die schmutzige Wahrheit ans Licht kommt.

Was will ich damit sagen? Man macht sich das Leben sehr schwer, wenn man einzelne Firmen aus seinem Portfolio verbannen möchte. Überlege dir also gut, wie viel dir das Wert ist. Ist es was Persönliches? Oder hast du nur mal irgendwas gelesen und wenn du ehrlich bist keine fundierte Meinung zum aktuellen Stand der Dinge?

Immerhin arbeiten die Indexanbieter so gut es geht nach objektiven Kriterien, sind streng reguliert und haben deutlich mehr Recherchepower als wir Privatinvestoren. Ob die Tatsache, dass es eine bestimmte unliebsame Firma in die Auswahl geschafft hat, dein Vertrauen in einen ETF ankratzt, musst du am Ende selbst entscheiden.

Fazit

Niemand wird je in der Lage sein, ein perfektes nachhaltiges Portfolio zu konstruieren. Das liegt einfach in der Komplexität und Subjektivität des Themas. Das ist aber noch lange kein Grund, dem Thema gänzlich den Rücken zuzukehren (hier findest du meine ganz persönliche Sicht auf das Thema nachhaltiges Investieren).

Es ist natürlich wichtig, dass du insgesamt Vertrauen in die angelegten ESG-Kriterien eines Index hast.  Aber alles von einer Firma abhängig zu machen, sollte schon gut begründet sein. Am Ende ist es eine persönliche Entscheidung, mit der du dich wohlfühlen musst. Sonst wirst du seine Entscheidung früher oder später revidieren und das ist genau das, was man als langfristiger passiver Investor vermeiden möchte.

Nachhaltige Grüße

Nachhaltige Grüße
Christian Kontakt

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