Anlagestrategie

Wie viel sollte ein ETF maximal kosten?

Wie viel sollte ein ETF maximal kosten

Privatanleger haben Glück. Der ETF-Markt ist umkämpft und das spiegelt sich in niedrigen Preisen wider. Doch auch bei ETFs gibt es Unterschiede und Einsteiger fragen sich zu Recht, wie viel ein ETF eigentlich kosten sollte?

Wenn du diesen Beitrag gelesen hast, wirst du die Gebühren von ETFs richtig einzuschätzen können. Du wirst gute Entscheidungen treffen und beurteilen können, ob sich bei bestehenden ETFs ein Wechsel lohnt. Das wird dir auf lange Sicht viele tausend Euro einsparen.

Wie viel sollten ETFs maximal kosten?

Bevor wir uns die einzelnen ETF-Kategorien vornehmen, eine Pauschalempfehlung:

Idealerweise kostet ein ETF-Portfolio im Durchschnitt max. 0,25 % TER pro Jahr.

Mit Kosten meine ich die Gebühren in Form des Total Expense Ratio (TER). Diese werden jedes Jahr von deinem angelegten Kapital abgezogen. Sie enthalten u. a. Verwaltungsgebühren, Betriebskosten und Depotbankgebühren des ETF-Anbieters.

Gebühren bei ETFs

Neben dem TER gibt es noch andere Kennzahlen, die angeben, wie viel man unterm Strich für den Besitz eines ETFs bezahlt. Die Tracking Differenz (TD) bezieht z. B. die Kursabweichungen mit ein. Sie ändert sich allerdings dadurch von Jahr zu Jahr. Den Unterschied zum TER erkläre ich in diesem Beitrag.

Ich schaue nach wie vor zuerst aufs TER. Diese Gebühren sind immerhin fix und werden definitiv abgezogen.

Ein durchschnittliches TER von 0,25 % ist übrigens nur ein Richtwert. Viel teurer sollte eine passive Geldanlage aber meiner Meinung nach nicht sein. Dafür hält der Markt zu viele Angebote bereit. Das bedeutet aber auch, dass du dir etwas teurere ETF beimischen kannst, wenn die Basis deines Portfolios deutlich günstiger ist.

Wie viel sollte ein ETF je nach Kategorie kosten?

Meine konkreten Empfehlungen hängen von der Art des ETFs bzw. den enthaltenen Wertpapieren ab. Ausschlaggebend sind vor allem die Assetklasse, die abgebildete Region und die Zusammenstellung. Weniger eine Rolle spielt die Anzahl der enthaltenen Positionen.

Durchschnittliche TERs errechnet aus Angaben gängiger ETF-Suchmaschinen

Bei der Wahl von ETFs spielen natürlich mehrere Faktoren eine Rolle. Neben den Gebühren sind auch die Art der Ausschüttung und die Replikationsmethode wichtig. Da aber der langfristige Anlageerfolg enorm von den laufenden Kosten abhängt, sollte man gewisse Grenzen nicht überschreiten.

Breit gestreute ETFs auf Industrie- und Schwellenländer sollten max. 0,25% pro Jahr kosten. Kleinere gängige Märkte wie die USA oder Europa sollten max. 0,20% kosten, während spezielle Themen-ETFs mit 0,80% pro Jahr noch im akzeptablen Rahmen liegen.

Im Bereich Immobilien und Unternehmensanleihen muss man etwas tiefer in die Tasche greifen. Anleihen-ETFs, vor allem für Staatsanleihen im  Euroraum, sollten wiederum nicht so teuer sein. Diese Produkte sind so gängig, dass hohe Preise nicht gerechtfertigt sind.

Warum empfehle ich Gebühren, die deutlich unter dem Durchschnitt liegen?

Schauen wir uns den MSCI World an. In Deutschland sind rund 20 ETF auf diesen Index erhältlich. Der MSCI World UCITS ETF (Dist) ist mit einem TER von 0,50% der teuerste und auch der älteste. Es gibt aber 9 ETFs, die 0,20 % oder weniger kosten!

Es gibt also genug Auswahl im Niedrigpreissegment.

Egal ob thesaurierend oder ausschüttend, vollständig replizierend oder Swap-basiert, es gibt ausreichend günstige Option. Überlege also dreimal, ob es wirklich eine teure Variante sein muss. Wenn du keine Sonderwünsche hast, tut es vermutlich ein günstiger ETF.

Haben günstige ETFs eine geringere Qualität?

Haben günstige ETFs eine geringere Qualität

Ich kann dich beruhigen. Während Discountpreise in vielen Bereichen einen Abstrich bei der Qualität bedeuten, muss man sich bei „billigen“ ETFs keine Sorgen machen. Moderne Replikationsmethoden und Algorithmen sorgen dafür, dass ETFs auch mit geringen Gebühren wirtschaftliche betrieben werden können. Die Grenze liegt nach Branchenkonsens bei ca. 100 Mio. Euro Fondvolumen.

Bei kleineren ETFs, die unter 3 Jahre alt sind, sollte man vorsichtig sein.

Wenn sich herausstellt, dass nicht genug Anlegerinteresse besteht, wird der ETF vielleicht wieder dicht gemacht. Das Geld bekommt man natürlich zurück. Es ist halt nur nervig, sich etwas Neues zu suchen und unter Umständen hat man steuerliche Nachteile.

ETFs sind stark reguliert

Die Qualität von ETFs ist auf dem Deutschen Markt durch die starke Regulierung von Finanzprodukten gesichert. Selbst die günstigsten ETFs mit einem TER von 0,05 % sind in der Regel nach UCITS reguliert (deshalb steht das auch im Namen der ETFs).

Dein Kapital ist also geschützt.

Das Auflegen von ETFs ist mittlerweile ein Standardprozess. Du muss als Investor also keine Angst haben, minderwertige Qualität einzukaufen. Das bedeutet allerdings nicht, dass nur die absolut günstigsten ETFs infrage kommen. Es gibt auch Argumente für teurere ETFs.

Wann lohnt es sich, höhere ETF-Kosten zu akzeptieren?

Wie viel darf ein ETF kosten

Sobald es spezieller wird, sinkt die Auswahl und die Preise steigen. Mit einem MSCI World ETF verdient die Bank nicht viel. Also werden allerhand Spezial-ETFs aufgelegt. Wenn du der einzige bist, der einen Digital-Health-ETF im Angebot hat, kannst du höhere Preise verlangen (sofern Nachfrage besteht).

Solche ETFs dürfen also durchaus etwas mehr kosten, wenn du wirklich Interesse daran hast. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum ETFs manchmal teurer sind.

Es gibt beispielsweise drei Duzend Small Cap ETFs (kleine Unternehmen), von denen gerade mal drei ETFs 0,20% und weniger kosten. Der Durchschnitt liegt sogar bei 0,40%. Das liegt vor allem daran, dass die Aktien kleiner Unternehmen illiquider sind, was den Handel erschwert. Dem ETF-Anbieter entstehen also tatsächlich höhere Kosten, die er an die Kunden weitergibt.

Wie viel dürfen nachhaltige ETFs kosten?

Nachhaltige ETFs sind ein Sonderfall. Hier steckt einiges mehr dahinter: ESG-Kriterien, negatives Screening, Best-in-Class-Prinzip. Allerdings bekommt man viele nachhaltige ETFs erfreulicherweise trotz aufwändiger Auswahlprozesse zu günstigen Preisen. Sie sind oft nicht mal höher als die der „normalen“ Elternindizes.

Nachhaltigkeit kostet keine Extragebühren.

Bei nachhaltigen ETFs spielt allerdings die persönliche Präferenz, welche Nachhaltigkeitskriterien verwendet werden, eine große Rolle. Wenn man da feste Vorstellungen hat und deshalb zu einem etwas teureren Produkt greift, ist das halt so. Ich würde aber trotzdem ungern mehr als 0,25%-0,30% TER für einen nachhaltigen ETF auf den breiten Aktienmarkt ausgeben. Dafür ist die Auswahl zu groß.

Mehr zum Thema nachhaltige ETFs findest du in meinem ausführlichen Guide.

Meine Meinung zu teuren Themen-ETFs

Die größte Kostenfalle unter den ETFs sind sogenannte Themen-ETFs. Hier werden viele Modetrends bedient, von Wasserstoff bis Elektroauto. Das lassen sich die ETF-Anbieter gern gut bezahlen. Eigentlich ein Witz, da oft nur wenige Duzend Unternehmen in diesen ETFs drinstecken.

Wohl auch kein Zufall, dass die Anzahl der Positionen in vielen Factsheets von Themen-ETFs gar nicht angegeben ist …

Ich würde bei Themen-ETFs vorsichtig sein.

Nicht nur, weil die Kosten unverschämt hoch sein können, sondern auch weil ihr Rendite-Risiko-Verhältnis fragwürdig ist. Vielleicht ist der ganze Hype schon eingepreist und in den nächsten Jahren geht es nur noch bergab? Vom eigentlichen ETF-Gedanken, möglichst passiv und breit gestreut zu investieren, ist nicht mehr viel übrig.

Bei welchem TER sollte man die Grenze ziehen?

Es gibt gute Gründe, manchmal etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Du solltest allerdings nicht alle Preise akzeptieren. Wie viel ein ETF wirklich kosten sollte, würde ich persönlich von der Gewichtung in meinem Portfolio abhängig machen.

Der Großteil des Depots sollte aus günstigen ETFs bestehen, die weniger als 0,20% TER kosten. Bei kleineren Positionen mit 5% bis 10% Gewichtung kannst du es verschmerzen, wenn es ein ETF mit 0,50% oder mehr sein muss.

Welche Kostenunterschiede sind noch relevant?

Ich würde niemandem empfehlen, statt eines ETFs mit 0,10% TER unbedingt die 0,05%-Variante zu nehmen. Die folgende Tabelle zeigt, warum.

10.000€ Einmalanlage, 30 Jahre Laufzeit, 8 % Rendite, berechnet mit Zinsrechner

Die Tabelle zeigt glaube ich auch gut, warum ich die Schmerzgrenze fürs Gesamtportfolio bei ca. 0,25% TER sehe.

Wie viel darf ein ETF-Sparplan kosten?

Wie viel darf ein ETF-Sparplan kosten

Wie du gesehen hast, kumuliert sich ein TER von 0,20% nach 30 Jahr auf ca. 6 % Kosten. Wenn du jetzt mal eben 4% Sparplankosten akzeptierst, hast du die Gesamtgebühren fast verdoppelt. Die Kosten für den Erwerb der ETFs spielen also durchaus eine Rolle.

30 Jahre Laufzeit, 8 % Rendite, berechnet mit Zinsrechner

Bei hohen Sparsummen fallen Absolutbeträge nicht so ins Gewicht. Bei kleineren monatlichen Beträgen sind prozentuale Gebühren besser. Beachte übrigens, dass hier nicht nur die Gebühren selbst sondern auch die entgangenen Zinsen darauf verloren gehen.

Es gibt also durchaus Fälle, in denen sich ein teurerer ETF lohnen kann, wenn man ihn günstiger besparen kann.

Allerdings sollte man hier aufpassen!

Das TER von ETFs bleibt in der Regel konstant, während sich Sparplankonditionen gerne mal ändern können. Wenn in 1-2 Jahren der ETF mit dem niedrigeren TER ebenfalls günstig zu besparen ist, ärgerst du dich vielleicht.

Ich empfehle daher, primär auf die laufenden Kosten zu achten. Diese ändern sich in der Regel nicht und fallen stark ins Gewicht. Vor allem bei einem vernünftigen Anlagehorizont von 10-20+ Jahren.

Meine Daumenregel ist, möglichst unter 1% Kauf- bzw. Sparplankosten zu bleiben.

So optimierst du Sparplangebühren

Wer zu hohe monatliche Kosten hat, kann Sparpläne auch quartalsweise einrichten. So werden die Kosten gedrittelt. Bespart man mehrere ETFs kann man das Ganze auch monatlich rotieren lassen:

Also statt monatlich 100€ MSCI World + 40€ MSCI Emerging Markets + 25€ MSCI Europe:

Monat 1: 300€ MSCI World

Monat 2: 120€ Emerging Markets

Monat 3: 75€ Europe

Ich weiß allerdings, dass nicht alle Broker bei den Sparplanoptionen so flexibel sind, dass dieser Trick umgesetzt werden kann.

Fazit

Gebühren fressen dein Vermögen auf.

Zumindest war das in der Zeit teurer Fondprodukte so. ETF sind unsere Erlösung. Achte darauf, dass dein Portfolio unter 0,25% pro Jahr bleibt und du entkommst der Gebührenfalle.

Wenn man Sonderwünsche hat, darf ein ETF auch etwas mehr kosten. Doch teure ETFs und spezielle Nischenmärkte versprechen nicht automatisch mehr Rendite. Ganz im Gegenteil. Gute Diversifikation und niedrige Kosten sind das A und O einer erfolgreichen Geldanlage.

Nachhaltige Grüße

Nachhaltige Grüße
Christian Kontakt

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