ETF-Auswahl

Sind Themen-ETFs sinnvoll für Privatanleger?

Sind Themen-ETFs sinnvoll

Themen-ETFs schießen wie Pilze aus dem Boden. Cyber-Security-ETFs, Wasserstoff-ETFs und Künstliche-Intelligenz-ETFs versprechen uns überdurchschnittliche Renditen und eine grandiose Zukunft. Aber sind Themen-ETFs für unser Depot tatsächlich sinnvoll?

In diesem Beitrag erfährst du, wie sich Themen-ETFs am Markt schlagen, in welchen Fällen sie ein Portfolio sinnvoll ergänzen können und wann du lieber die Finger davon lassen solltest.

Welche Vorteile bieten Themen-ETFs?

Themen-ETFs sind Indexfonds, die zwischen 20 und 250 Unternehmen aus einer Branche oder einem Themenbereich enthalten. Anleger können damit von aktuellen und langfristigen Trends profitieren, ohne selbst einzelne Unternehmen auswählen zu müssen.

Hier ist die Entwicklung einiger Themen-ETFs, die bereits länger am Markt sind:

Welche Themen-ETFs gibt es

MSCI World vs. Themen-ETFs – Renditeverlauf – Datenquelle: Yahoo Finance

Wie du siehst, kann sich die Performance stark unterscheiden. Der Biotech-ETF von Invesco hat nur halb so viel Rendite abgeworfen wie der MSCI World. Der Cyber Security ETF von L&G hat dagegen mehr als doppelt so gut performt.

Deshalb bezeichnet man Themen-ETF auch als Sektorwette. Es kann gut laufen oder auch nicht. Bei einzelnen Aktien sähe das Bild aber noch viel wilder aus. Und genau das ist die Stärke von Themen-ETFs.

Vermindertes Risiko durch Diversifikation

Wenn du selbst Unternehmen analysierst, Geschäftsberichte studierst und aktuelle Entwicklungen verfolgst, kostet dich das viel Zeit. Außerdem ist es extrem schwierig, die Entwicklung eines einzelnen Unternehmens zuverlässig vorherzusagen.

Das bekommen nicht mal die Profis hin.

Bei Trends ist das Bild ein anderes. Setzt du auf eine ganze Branche oder einen Themenbereich, fallen unternehmensspezifische Risiken weg. Die Chefetage eines Unternehmens kann eine Fehlentscheidung treffen. Dann freut sich halt die Konkurrenz.

Man braucht sich also nicht zwischen AMD, Infineon oder ASLM zu entscheiden. Wenn man vom ungebrochenen Hunger nach Halbleitern profitieren möchte, investiert man einfach in den VanEck Vectors Semiconductor ETF.

Die Gewinner von Morgen
Welche Themen-ETFs sind sinnvoll

Bei aufstrebenden Technologien kommt noch ein anderer Aspekt hinzu. Welche Unternehmen werden sich am Markt behaupten? Viele Investoren verfallen dem sogenannten Survivorship Bias.

Im Nachhinein scheint es logisch, dass Amazon ein gigantisches Wachstum hingelegt hat. Aber wie viele Online-Shopping-Konkurrenten sind auf der Strecke geblieben? Niemand kann vorhersagen, wer der zukünftige Platzhirsch in einem aufstrebenden Markt sein wird.

Die ganze Wertschöpfungskette

Noch komplizierter wird es, wenn gar nicht klar ist, wo bei neuen Technologie die größte Wertschöpfung stattfindet. Profitierst du vom Trendthema Wasserstoff, indem du in Gaskonzerne wie Linde, in Elektrolysefirmen wie Nel ASA oder in einen Lastwagenbauer wie Nikola Motors investierst?

Das große Wachstum kann an überraschenden Ecken stattfinden.

An den Firmenlisten der Themen-ETFs siehst du, dass ein Elektromobilitäts-ETF neben Tesla & Co. auch Aktien von Batterieherstellern, Carsharingunternehmen und anderen Zulieferern enthält. So werden Trendthemen möglichst ganzheitlich abgedeckt.

Diversifikation und Konzentration in nur einem Produkt

Gerade für kleine Budgets ist das attraktiv. Eine Einzelaktie kann Hunderte oder Tausende von Euro kosten. Wer monatlich nur 50€ oder 100€ zur Verfügung hat, wird sich mit dem Zusammenstellen eines diversifizierten Aktienportfolios schwer tun. Diesem Problem gehst du mit Themen-ETFs aus dem Weg.

Zugegeben: Heutzutage gibt es auch Sparpläne auf Einzelaktien, mit denen du Bruchstücke kaufen kannst. Die gibt es aber längst nicht für alle Aktien.

Zwischenfazit

Der entscheidende Vorteil von Themen-ETFs ist das Gleichgewicht zwischen Konzentration und Diversifikation. Damit liegen Themen-ETFs zwischen Einzelaktien und breit gestreuten Indexfonds wie dem MSCI World.

Welche Argumente sprechen gegen Themen-ETFs?

Themen-ETFs sind eine Sektorwette

Ein Unternehmen kann tolle Zahlen liefern und der Aktienkurs läuft trotzdem schlecht. Der Wert eines Unternehmens ist vor allem durch die erwarteten zukünftigen Einkünfte bestimmt (Discounted-Cashflow-Verfahren). Sind bereits sehr hohe Erwartungen im aktuellen Preis enthalten, kann es manchmal nur noch bergabgehen.

Die Entwicklung der Wirtschaft ist nicht gleich die Entwicklung an der Börse.

Gleiches gilt für ganze Branchen. Wenn das Interesse der Anleger zum jetzigen Zeitpunkt bereit sehr groß ist, sind zukünftige Entwicklungen vielleicht nicht nur eingepreist, sondern gar überschätzt. In solchen Fällen können langweilige Value-Unternehmen, z. B. Energie- oder Lebensmittelkonzerne, mehr Rendite liefern als überteuerte High Flyer von Morgen.

Konkurrierende Trends

Ich wäre beeindruckt, wenn du mir begründen könntest, warum in der E-Mobilität künftig mehr Profit gemacht werden wird als in der medizinischen Gentechnik, oder umgekehrt. Oder bist du von Halbleitern überzeugt, weil ja zukünftig jede Zahnbürste einen Chip enthalten wird?

Niemand weiß, in welcher Branche das große Geld steckt.

Chips könnten irgendwann so billig und belanglos werden wie Autoreifen. Den Grundstoff gibt es wortwörtlich wie Sand am Meer. Gab es in der Vergangenheit Engpässe, lag dies oft an den Produktionskapazitäten. Verdienen also zukünftig vor allem die Firmen Geld, die etwas Tolles aus den Chips machen?

Viele Investoren vergessen, dass die Entwicklung des Gesamtmarkts die Summe all dieser tollen Zukunftstrends ist. Wer besser sein möchte, muss auf einen Trend setzen, der profitabler ist als die anderen.

Das Desaster mit den Erneuerbaren Energien

In die Zukunft schauen, haben viele beim Thema Erneuerbare Energien probiert. 2007 schockte der IPCC-Bericht der UN die Weltöffentlichkeit. Der Klimawandel ist menschengemacht. Was für ein Paukenschlag! Der Startschuss für eine beispiellose Entwicklung der erneuerbaren Energien … oder?

MSCI World vs. Global Clean Energy (2007-2020)

MSCI World vs. Global Clean Energy – 2007-2021 – Datenquelle: Yahoo Finance

Die Realität sieht oftmals anders aus (warum auch immer). Wer damals in den ishares Clean Energy ETF investiert hatte, ist 14 Jahre später immer noch dick im Minus. Deshalb zeigt man aus Marketinggründen lieber den Graph seit 2013 …

MSCI World vs. Global Clean Energy (2013-2020)

MSCI World vs. Global Clean Energy – 2013-2021 – Datenquelle: Yahoo Finance

Themen-ETFs sind Marketing-Produkte

Elektroautos, Cyber Security, Künstliche Intelligenz?

Oder doch lieber Digital Health und Aeging Population?

Wir werden ja immer älter!

Tolle Eyecatcher, die alle eine schöne Geschichte erzählen. Mit Gebühren von bis zu 0,80% pro Jahr (TER) lohnt sich das für die Banken. Zum Vergleich: ein MSCI World kostet max. 0,20 %. In diesem Beitrag erkläre ich übrigens im Detail, wie viel ein ETF maximal kosten sollte und warum.

Weit über 100 Themen-ETFs gibt es bereits und die meisten wurden in den letzten Jahren aufgelegt. Frag dich also immer, warum du dich dafür interessierst und ob du wirklich einen Wissensvorsprung hast.

Warum Themen-ETFs trotzdem sinnvoll sein können

Industriestaaten plus Schwellenländer sind langweilig! Ich gebe es gerne zu. Wer mehr Spannung im Portfolio braucht, stöbert nach Alternativen. Die versprechen schließlich mehr Rendite!

Das kann gefährlich werden und Schritt eins der Schadensbegrenzung wäre, den „Spielanteil“ des Portfolios auf 5-20% zu begrenzen. Eine weitere Möglichkeit sind Themen-ETFs. Aus genannten Gründen sind sie risikoärmer als einzelne Unternehmen und werden vermutlich nie auf null fallen.

Viele Anleger*innen unterschätzen das Risiko von Einzelaktien.

Mit Themen-ETFs als Beimischung kannst du dich risikoärmer ausleben. DU hast die Wahl getroffen. DU kannst auf Überrendite hoffen. DU feuerst dein „Pferdchen“ an, als wäre es deine Lieblingssportlerin.

Das klingt blöder als es ist.

Wer seinen Hang zur Irrationalität, den wir nun mal alle in uns tragen, geschickt unter Kontrolle hält, trägt viel zu seinem langfristigen Investmenterfolg bei. Themen-ETFs können dazu ein hilfreiches Werkzeug sein.

Welche Themen-ETFs haben Zukunft?

Welche Themen-ETFs haben Zukunft

Was würde ich kaufen, wenn ich mir einen aussuchen müsste?

Ich habe mir diese Frage gestellt, auch wenn ich kein Fan von Themen-ETFs bin. Folgende 5 Punkte kamen mir in den Sinn, die dir vielleicht helfen, einen ETF mit Zukunftspotential zu identifizieren.

1. Kein aktueller Hype

Wenn alle Welt auf das Thema aufspringt, kann es kein Schnäppchen mehr sein. Wer jetzt investiert, verschenkt das Potential schon beim Einkauf. Gier, FOMO und Werbegetrommel waren noch nie gute Investmentratgeber.

Da würde ich lieber antizyklisch kaufen. Themen-ETFs schwanken stärker als breit gestreute Indexfonds. Die Wahrscheinlichkeit, noch mal günstigere Kurse zu sehen, ist durchaus gegeben.

2. Keine Konkurrenz

Wer in Wasserstoff investiert, hat massig Konkurrenz. Batterietechnologie und künstlich erzeugtes Erdgas sind Energieträger, die in einer nachhaltigen Zukunft genauso gut funktionieren könnten. Das sieht anders aus, wenn man in Halbleiter investiert. Eine Alternative zu Computerchips sehe ich aktuell nicht. Hier besteht die Konkurrenz nur innerhalb der Branche.

3. Disruptive Technologie

Wenn ich mehr Risiko eingehe, möchte ich auch eine große Upside haben. Das spräche wieder gegen angestaubte Trends wie die Halbleiterbranche. Künstliche Intelligenz und Gentherapie haben deutlich revolutionärere Zukunftsaussichten.

Das Potential ist riesig.

Natürlich steckt viel Hoffnung in den aktuellen Preisen. Aber wie beim Internet auch, kann die Realität jede Zukunftsvision übertrumpfen. Bei solchen Megatrends muss man natürlich einen langen Atem haben, aber die Upside könnte größer sein als bei Wasserstoff, E-Autos & Co.

4. Lückenlose Abdeckung

Das Problem an großen, breit gefächerten Trends ist, dass dir potentielle High Flyer durch die Lappen gehen können. Einen Aeging Population ETF kann man bestimmt zweimal zusammenstellen, ohne dass sich viel überschneidet.

Wer weiß schon, wo das Thema künstliche Intelligenz richtig einschlägt? Sind die größten Profiteure überhaupt in deinem ETF enthalten? Vielleicht profitiert einfach die gesamte Weltwirtschaft davon? Dieses Problem hat man bei einem Cyber Security ETF zum Beispiel weniger.

5. Nachvollziehbare Firmenauswahl

Wenn mir völlig schleierhaft ist, wie die enthaltenen Unternehmen das ETF-Thema repräsentieren sollen, würde ich die Finger davon lassen. Man sollte immer verstehen, worin man investiert.

Wirf einen Blick unter die Motorhaube.

Um eigene Überlegungen und Nachforschungen kommst du nicht herum. Deshalb sind die Punkte auch als Anregung und nicht als Empfehlungen oder Anlageberatung zu verstehen.

Sind nachhaltige Themen-ETFs sinnvoll?

Ein Spezialfall sind die vielen nachhaltigen Themen-ETFs, wie z. B. Klimawandel-ETFs. Wer meinen Blog kennt, weiß, dass ich dem Thema Nachhaltigkeit positiv gegenüberstehe. Nachhaltigen Themen-ETFs sehe ich hingegen skeptisch.

Clean Energy, Green Mobility und Wasser-ETFs haben mit breit gestreuten ESG- und SRI-ETFs wenig zu tun. Wenn sich letztere gut entwickeln, kann ein Green Mobility ETF trotzdem abschmieren. Nachhaltigkeit hin oder her, wenn ein ETF nur wenige Duzend Unternehmen enthält, ist es ein Themen-ETF, mit allen damit verbundenen Risiken.

Fazit

Wenn du Zukunftsforscher, Makroökonom und Börsenanalyst bist, kannst du es gerne mit einem Themen-ETF versuchen. Oder akzeptiere, dass es eine Sektorwette ist, und kaufe ihn trotzdem.

Ich möchte nicht pauschal davon abraten. Als Beimischung können Themen-ETFs durchaus sinnvoll sein. Es sollte nur eines klar sein:

Themen-ETFs haben ein schlechteres Rendite-Risiko-Verhältnis als ein MSCI World.

Das bedeutet, dass man die Chance auf mehr Rendite mit noch viel mehr Risiko bezahlt. Wer das machen möchte, dem sei die Spannung gegönnt. Meine Altersvorsorge würde ich persönlich nicht zu großen Teilen auf solchen Investments aufbauen.

Nachhaltige Grüße

Nachhaltige Grüße
Christian Kontakt

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