Anlagestrategie

Sind Small Cap ETFs sinnvoll? Renditeboost fürs Depot

Sind Small Cap ETFs sinvoll

Small Caps – also kleine Unternehmen – sind agil, innovativ und wachstumsstark. Sie bergen allerdings auch erhebliche Risiken, die das Portfolio zum Schwanken bringen können. Ist es für Privatanleger also sinnvoll, sich Small Cap ETFs ins Depot zu legen, oder wird das Renditepotential überschätzt?

In diesem Beitrag erfährst du genau, wie viel Renditeplus Small Caps bringen, für welche Anleger sie geeignet sind und worauf du bei der Auswahl eines Small Cap ETFs achten solltest.

Das Wichtige in Kürze:

Die Aktien kleiner Unternehmen liefern je nach Region ein Renditeplus von ca. 1% bis 3% pro Jahr. Allerdings gilt dies nur für lange Betrachtungszeiträume.

Eine Small Cap Beimischung diversifiziert das Portfolio und bietet Zugang zur sogenannten Small-Size-Prämie. Das wirkt sich positiv auf das Rendite-Risiko-Verhältnis aus.

Mit Small Cap ETFs hat man die Möglichkeit, zu geringen Gebühren mit nur einem Produkt in tausende von Small Cap Unternehmen zu investieren.

Was sind Small Cap Unternehmen?

Als Small Caps werden im Börsenjargon kleine Unternehmen bezeichnet, die eine geringe Marktkapitalisierung aufweisen. Die untere Grenze liegt bei einem Firmenwert von ca. 30 Mio. EUR, die obere Grenze bei ca. 1-10 Mrd. Euro.

Je nach Quelle unterscheiden sich die Definitionen. MSCI rechnet z. B. 14% der globalen Marktkapitalisierung den Small Caps zu. Eine absolute Firmenwertgrenze gibt es also nicht.

msci-index-welt-nach-marktkapitalisierung

Quelle: JustETF, bzw. MSCI; Stand: 31.03.2021

In Deutschland repräsentiert der SDAX die Small Caps. Er enthält 70 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von ca. 100 Mio. bis 2 Mrd. EUR. Darin enthalten sind z. B. Unternehmen wie Hornbach, Fielmann, Sixt oder die Hochtief AG.

Warum sind Small Caps sinnvoll fürs Portfolio?

Kleine Unternehmen haben flexible Strukturen und können sich schnell an veränderte Marktbedingungen anpassen. Kreative Ideen werden unbürokratisch umgesetzt und scheitern nicht an den starren Strukturen alter Riesenkonzerne.

Bei Innovationen sind kleine Unternehmen ganz groß.

Eine Beimischung von Small Caps ist auf Grund von 3 Vorteilen sinnvoll:

  1. Small Caps liefern im Durchschnitt höhere Renditen
  2. Es gibt eine wissenschaftliche belegte Small Size Prämie
  3. Small Caps diversifizieren das Portfolio

Wie hoch sind die Renditen von Small Cap ETFs?

Small Caps lieferten über lange Zeiträume ein Renditeplus von mind. 1% bis 1,5%. Der bekannte Guide to the Markets von JPMorgan findet über die letzten 20 Jahre eine Durchschnittsrendite von 8,7% für US Small Caps im Vergleich zu 7,5% für den S&P 500 (Large Caps).

JPMorgan Guide to the Markets Durchschnittsrenditen

Quelle: JPMorgan’s Guide to the Markets, Q4 2021

Gerd Kommer gibt in seinem Bestseller Souverän Investiere mit Indexfonds & ETFs inflationsbereinigte Renditen von 1990 bis 2017 an. Dort schneiden Small Caps mit 6,4% um 1,4% besser ab als der Gesamtmarkt der Industrieländer (S. 284).

Betrachtet man die Welt ohne die USA und ihre Tech-Giganten, finden Marktanalysen für die letzten Jahrzehnte sogar ein Renditeplus von über 3% pro Jahr.

Small Caps haben viel Luft nach oben.

Konzerne wie Amazon, Facebook und Co. haben es schwer, ihren millardenschweren Börsenwert noch einmal zu vervielfachen. Man sollte sich also nicht von der jahrelangen Kursralley der Tech-Konzerne in die Irre führen lassen. Small Caps bieten im Durchschnitt das größere Wachstumspotential.

Höhere Renditen gehen natürlich auch mit einem größeren Risiko einher. Allerdings besitzen Small Caps hier eine Sonderprämie.

Renditeboost durch die Small Cap Faktorprämie

Small Cap Faktorprämie Rendite

Rendite ist nichts anderes als eine Kompensation für ein eingegangenes Risiko.

Die moderne Portfolioforschung hat rausgefunden, dass es neben dem allgemeinen Marktrisiko bestimmte Eigenschaften von Firmen bzw. Aktien gibt, die für Teile der Gesamtrendite verantwortlich sind.

Hier einige Beispiele (vereinfacht):

  1. Niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis, hohe Dividendenrendite (Value-Prämie)
  2. Kleine Unternehmensgröße (Small-Size-Prämie)
  3. Hohe Profitabilität und Stabilität von Gewinnen (Profitability-Prämie)

Das interessante ist, dass diese Faktorprämien nur zum Teil mit einem höheren Risiko verbunden sind. Das bedeutet, dass Small Caps weniger zusätzliches Risiko bergen, als es ihr Renditeplus erwarten ließe.

Das sind gute Nachrichten für uns Anleger.

Warum funktioniert das?

Die wissenschaftliche Erklärung ist etwas komplizierter und basiert auf verschiedenen Aspekten wie Anlegerirrationalität, Arbitragehindernissen und Limitierung durch Handelskosten.

Wichtig ist aber etwas anderes: Die Prämie ist nicht konstant.

Small Caps können über lange Perioden schlechter laufen als der Markt. Das Ausnutzen der Prämie ist also selbst ein Risiko. Deshalb ist ein langer Anlagehorizont beim Ausnutzen von Faktorprämien besonders wichtig.

Bei aller Euphorie möchte ich außerdem nicht verschweigen, dass jüngere Studien darauf hindeuten, dass die Small Size Prämie vor allem dann hoch ist, wenn man sie mit anderen Faktorprämien wie Value und Profitabilität verbindet.

Small Cap ETFs also doch nicht sinnvoll?

Wie die nächsten Jahre laufen, kann keiner vorhersagen. Eines ist aber klar: Die Prämie wird sich je nach Region unterscheiden und wer keine Geduld mitbringt und seiner Strategie vertraut, läuft Gefahr, am Ende schlechter dazustehen.

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Diversifizieren Small Caps ETFs das Portfolio?

Dass Small Caps im Schnitt höhere Renditen liefern, dafür aber stärker schwanken, sagt noch nichts darüber aus, ob sie im Gleichklang mit Mid und Large Caps schwanken oder nicht.

Wenn Vermögenswerte sich unabhängig voneinander entwickeln, können sich ihre Schwankungen gegenseitig ausgleichen. Mischt man sie, senkt man das Risiko, ohne die langfristige Rendite zu senken. Das ist der große Vorteil der Diversifikation.

Diversification is the only free lunch.

Harry Markowitz, Wirtschafts-Nobelpreisträger

Essenziell ist eine niedrige Korrelation, denn Vermögenswerten, die im Gleichschritt laufen, nützen nichts.

Wie stark korrelieren Small Caps mit anderen Aktien?

Die gute Nachricht ist: Small Caps sind zwar keine gänzlich andere Vermögensklasse, aber ihre Korrelation zu Mid Cap und Large Cap Aktien ist vergleichsweise gering. Der Korrelationsfaktor liegt bei ca. +0,80. Das ist zwar schlechter als bei Gold oder Anleihen (Null oder sogar negativ), aber trotzdem gut genug.

Korrelationsfaktor

Die Korrelation liegt immer zwischen -1 und +1. Bei +1 laufen zwei Vermögenswerte exakt gleich, bei -1 steigt der eine, wenn der andere fällt. Bei 0 laufen sie „kreuz und quer“ und es besteht keine erkennbare Abhängigkeit.

Bereits bei Korrelationsfaktoren von +0,80 bis +0,90 sinkt das Risiko spürbar, ohne dass man durch die Beimischung zwangläufig auf Rendite verzichtet. Small Caps sind also durchaus in der Lage, zur Diversifikation deines Portfolios beizutragen.

Das Periodensystem der Assetklassen veranschaulicht das
Periodensystem der Assetklassen

Quelle: Novel Investor

Diversifikation optimal nutzen durch Rebalancing

Nehmen wir an, du hast einen Small Cap Anteil von 10% für dein Portfolio festgelegt. Läuft dein Small Cap ETF schlechter als der Rest des Marktes, fällt seine Gewichtung auf 7%. Beim Rebalancing würdest du jetzt Kapital umschichten, um den Small Cap Anteil wieder auf 10% zu bringen.

Unterm Strich heißt das, dass du Kapital in Vermögenswerte umschichtest, die gerade günstig sind. Die erwartete Durchschnittsrendite sagt dir aber, dass sich dieser Vermögenswert erholen wird und dann umso mehr Wachstum liefert.

Für welche Anleger sind Small Cap ETFs geeignet?

Ich lese oft, dass Small Cap ETFs für Börsenneulinge nicht sinnvoll sind, da sie zu stark schwanken. Das sehe ich anders. Es stimmt, Small Caps können einem Geduld abverlangen. Aber das gilt auch für Mid Cap und Large Cap ETFs.

Wer seine Investmententscheidungen anzweifelt, nur weil es mal ein Zeit lang runter geht, hat es sowieso schwer an der Börse.

Small Cap ETFs sind breit gestreut, diversifizieren das Portfolio und bergen in einer vernünftigen Beimischung kein exorbitantes Risiko. Deshalb würde ich Anfängern nicht davon abraten.

Allerdings stimme ich in einem Punkt zu: Man muss es nicht erzwingen.

Bei 100€ pro Monat 15% Small Caps beizumischen, ist Quatsch.

Wer nur kleine Beträge zur Verfügung hat, kann guten Gewissens mit einem MSCI World starten (oder ähnlichen ETFs). Ansonsten sind Small Cap ETFs für jeden geeignet, der genug Disziplin mitbringt, um temporäre Kursschwankungen zu ignorieren.

⇒ Wie viele ETFs sind sinnvoll?

Welche Small Cap Gewichtung ist sinnvoll?

Small Cap ETFs Gewichtung

Vielen Anlegern ist nicht klar, dass Small Caps einen signifikanten Teil des globalen Aktienmarktes ausmachen. Im MSCI Universum sind es 14%. Wer in dieser Höhe Small Caps beimischt, hat gerade mal die normale Marktgewichtung erreicht.

Wer nur einen MSCI World bespart, wettet gegen Small Caps.

Möchtest du von der Small Size Faktorprämie profitieren, müsstest du deinen Small Cap ETF sogar noch höher gewichten. Das sollte jeder bedenken, der sich fragt, ob es generell sinnvoll ist, einen Small Cap ETF zu besparen.

Mehr als 25% des Portfolios ist dann schon recht sportlich. Aber am Ende kommt es auf deine Strategie, Risikotoleranz und den Anlagehorizont an.

Worauf du bei Small Cap ETFs achten solltest!

Es gibt einen wichtigen Punkt, der vielen Anleger nicht bewusst ist.

Viele ETFs setzen auf sogenanntes optimiertes Sampling. Weil Aktien von kleinen Unternehmen illiquide sind, versucht der ETF, die Wertentwicklung des Index mit einer geschickten Auswahl größerer Unternehmen abzubilden. Die kleinen lässt er einfach weg.

Das funktioniert so lange gut, wie die großen Unternehmen gut laufen.

Bei ETFs, die sowohl Small Caps als auch Mid Cap und Large Cap Aktien enthalten, führt das dazu, dass kaum noch Small Caps drin sind.

Negativbeispiel

Der SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF müsste laut Index über 9000 Unternehmen enthalten, hält aber real nur 1700 Positionen. Schlägt die Stunde der Small Caps, wird er sich vermutlich schlechter entwickeln als sein Index. Viele der kleinen Renditetreiber fehlen und der Tracking Error schießt in die Höhe.

In reinen Small Cap ETFs ist das Phänomen etwas weniger schlimm. Es sind ja alles kleine Unternehmen, manche sogar extrem klein. Deshalb lässt sich optimiertes Sampling auch oft nicht vermeiden.

Wirf am besten einen Blick ins Factsheet eines ETFs und schaue dir an, wie viele Positionen ein ETF tatsächlich hält.

So recherchierst du für deine ETFs

Auf vergangene Renditen schaue ich übrigens so gut wie nie. Die haben nur wenig Aussagekraft in Bezug auf die zukünftige Entwicklung. Oft sind es gerade die Verlierer, die in den nächsten Jahren wieder vorne liegen.

Fazit

Anleger können durch die Beimischung von Small Cap ETFs das Risikoprofil verbessern und gleichzeitig ihre Rendite steigern. Je nach Gewichtung sollte einem aber bewusst sein, dass ein solches Portfolio stärker schwanken kann.

Bring genug Zeit mit!

Das gilt für jede Art von Börseninvestment.

Deshalb finde ich es auch für Anfänger sinnvoll, sich über Small Cap ETFs Gedanken zu machen. Allerdings setzt das eine gewisse Mindestsparrate voraus, da man sonst das Portfolio zu kompliziert und die Handelskosten zu teuer macht.

Nachhaltige Grüße

Nachhaltige Grüße
Christian Kontakt

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