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Nachhaltige Anleihen-ETFs – Hilfreicher Einsteiger-Guide

Nachhaltige Anleihen-ETFs

Anleihen sind die berühmt-berüchtigten Gegenstücke zu Aktien, oft genannt und selten verstanden. Noch einen Tick verwirrender wird es, wenn es um nachhaltige Anleihen geht. Aber keine Angst, so kompliziert ist es nicht, denn es gibt ein tolles Angebot an nachhaltigen Anleihen-ETFs, mit denen du einfach und bequem in diese wichtige Anlageklasse investieren kannst.

Nachhaltigen Anleihen-ETFs unterscheiden sich untereinander stark in ihrer Rendite und ihrem Risiko. Das Angebot reicht von sicheren Staatsanleihen mit hoher Bonität über Green-Bond-ETFs bis hin zu nachhaltigen Unternehmensanleihen-ETFs, in denen nur Firmen mit gutem Nachhaltigkeitsrating vertreten sind.

Es hängt von deiner Anlagestrategie und der Funktion im Portfolio ab, welcher ETF für dich infrage kommt. Außerdem kommt es auf dein persönliches Verständnis von Nachhaltigkeit an, denn die wird bei den ETFs sehr unterschiedlich berücksichtigt. In diesem Beitrag erklären ich dir Schritt für Schritt, welche Optionen du hast, welche Auswahlkriterien es gibt und welche Fallstricke dich erwarten.

Welche nachhaltigen Anleihen-ETFs gibt es?

Man kann nachhaltige Anleihen-ETFs in vier verschiedene Gruppen einteilen. Natürlich gibt es zig andere Möglichkeiten, Anleihen zu klassifizieren, aber ich richte mich nach ihrer Funktion im Portfolio. Es macht einfach am meisten Sinn, sich die unterschiedlichen Aufgaben der Anleihen-ETFs vor Augen zu halten, bevor man sich mit ihrer Bonität, der Laufzeit oder der Rendite befasst.

Die Rolle von nachhaltigen Anleihen-ETFs
Aufgabe von nachhaltigen Anleihen-ETFs

Die klassische Rolle von Staatsanleihen mit hoher Bonität ist es, Schwankungen (Volatilität) im Portfolio zu senken und Verluste zu begrenzen. Der risikoarme Teil ist vor allem im höheren Alter wichtig, wenn der Anlagehorizont nicht mehr so lang ist, dass Aktiencrashs problemlos ausgesessen werden können. Dafür muss man leider aktuell Renditen von um die 0 % in Kauf nehmen.

Im risikoreichen Teil werden Staats- und Unternehmensanleihen hingegen dafür genutzt, das Aktienportfolio um eine weitere Assetklasse zu ergänzen. Hier können Rendite von bis zu 6% und mehr erreicht werden. Das sorgt für eine größere Diversifikation und im Idealfall für ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis, also weniger Risiko bei möglichst gleichbleibender Rendite.

In beiden Fällen hast du die Möglichkeit, dir statt normalen Anleihen nachhaltige Varianten ins Depot zu legen, die deine moralischen Wertvorstellungen erfüllen. Das sorgt zum einen dafür, dass du nicht von kontroversen Geschäften oder Staaten profitierst und zum anderen, dass du sogenannte Nachhaltigkeitsrisiken berücksichtigst.

Green Bonds gehen noch einen Schritt weiter und bieten dir die Chance, konkrete Projekte im Bereich Umwelt- und Klimaschutz zu unterstützen. Auch dafür gibt es mittlerweile zahlreiche ETFs.

Nachhaltige Staatsanleihen-ETFs für den risikoarmen Teil

Nachhaltige Staatsanleihen-ETFs

Wie die Grafik oben zeigt, können Staatsanleihen je nach Bonität entweder für den risikoreichen oder den risikoarmen Teil des Portfolios eingesetzt werden. Da der risikoarme Teil möglichst wertstabil bleiben soll, ist die Auswahl hier allerdings beschränkt.

Infrage kommen nur Staatsanleihen mit hoher Bonität, niedriger Laufzeit und einheimischer Währung.

Um die Katze gleich aus dem Sack zu lassen, ein ETF, der die oben genannten Bedingungen erfüllt, wird ist mehr oder weniger auch gleichzeitig nachhaltig. Im Segment der High-Grade-Anleihen im Euroraum gibt es keine extra nachhaltigen Varianten. Das liegt ganz einfach daran, dass die Länder mit hoher Bonität sich recht vorbildlich verhalten.

Hier ist ein Beispiel für einen ETF mit kurzlaufenden deutschen Staatsanleihen:

Deka Deutsche Boerse EUROGOV Germany 1-3 UCITS ETF

Index: Deutsche Börse EUROGOV® Germany 1-3

ISIN: DE000ETFL185; Auflagedatum: Mrz 2009; TER: 0,15 %

Durchschnittlicher Kupon: ~0,9 %; Duration: 1,7

Warum nur Staatsanleihen mit hoher Bonität?

Der risikoarme Teil des Portfolios ist nicht dafür da, Rendite zu generieren. In den 70ern und 80ern hat man zwar mit sicheren Staatsanleihen teilweise Zinsen von über 10% bekommen, aber da war die Inflation sehr hoch. Davon hat man also nicht viel gehabt. Lass dich von solchen Zahlen nicht täuschen. Sicherheit bedeutet heutzutage fast keine Rendite. Damit muss man leben.

Staatsanleihen von Ländern mit mittlerem Rating (z. B. BBB oder BB), die mehr Rendite versprechen, haben einfach nicht die nötige Wertstabilität. Immerhin reden wir von den schlechten Zeiten, in denen diese Anleihen ein Risikoanker fürs Portfolio darstellen sollen. Wenn die Weltwirtschaft boomt, braucht man sowieso keine Anleihen. Im Crash aber trennt sich die Spreu vom Weizen und da sollte man mit einem Top-Rating auf Nummer sicher gehen.

Staatsanleihen mit höchster Bonität ermöglichen es dir, auch in schweren Zeiten verlustfrei an Kapital zu kommen.

Bonitätsrating

Um das Ausfallrisiko von Anleihen abschätzen zu können, wird die Zahlungsfähigkeit (Bonität) der dahinterstehenden Emittenten bewertet (i. d. R. Banken, Unternehmen oder Staaten). Dies übernehmen internationale Ratingagenturen wie Moody’s, Fitch oder Standard & Poor’s. Die Emittenten erhalten von ihnen ein stets aktuell gehaltenes Rating, das mit drei Buchstaben angegeben wird (z. B. AAA als Top-Wertung).

Das Bonitäts-Rating ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Nachhaltigkeits-Rating. Das sogenannte ESG-Rating (steht für die Bereiche Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) hat leider eine ähnliche Einteilungen wie das Bonitätsrating (AAA bis CCC).

Unter Top-Rating verstehe ich übrigens die Bestnote AAA und wenn überhaupt nur wenig schlechter. Das schränkt zwar die Auswahl stark ein, aber die Streuung reicht trotzdem aus. Wer jetzt an Diversifikation denkt und aus diesem Grund weitere Länder mit einem weniger guten Rating hinzunimmt, sollte sich gut überlegen, ob das Plus an Risikostreuung das Minus durch Ausfallrisiko ausgleichen kann.

Warum nur Staatsanleihen im Euroraum?

Ein Faktor, der die Auswahl zusätzlich einschränkt, ist die Währung. Das habe ich am eigenen Leib erlebt.

Als im Corona-Crash Anfang 2020 der Dollar in die Knie ging und meine kurzlaufenden US-Staatsanleihen fast 10% an Wert verloren, fand ich das weniger lustig. Das war genau zu dem Zeitpunkt, als ich das Kapital in meine Aktien-ETFs umschichten wollte (Rebalancing).

Ich habe die Staatsanleihen-ETFs trotzdem verkauft, weil die Aktien natürlich noch viel stärker gefallen waren. Aber bei meinem deutschen Staatsanleihen-ETFs, die nur 1-2% gefallen waren, hatte ich deutlich weniger Bauchgrummeln.

Diesen Fehler mache ich nicht noch mal.

Ich hatte damals einen Teil in US-Anleihen-ETFs investiert, weil diese im Gegensatz zu deutschen Staatsanleihen wenigstens noch etwas Rendite brachten. Damit habe ich ihre eigentliche Rolle in meinem Portfolio ignoriert und bin prompt auf die Nase gefallen.

Ein möglicher Ausweg bei Anleihen-ETFs mit Fremdwährungsanteil ist übrigens ein sogenanntes Hedging. Bei solchen Produkten gleicht der Anbieter die Währungsschwankungen aus. Das verursacht aber zusätzliche Kosten.

Ich kann also nur zustimmen, wenn ETF-Papst Gerd Kommer Anleihen empfiehlt, die in der eigenen Währung notiert sind. Wenn du im Euroraum wohnst, investierst du im risikoarmen Teil des Portfolios am besten nur in Staatsanleihen-ETFs aus der Eurozone.

Warum nur kurzlaufende Staatsanleihen?

Eine nicht zu unterschätzende Gefahr bei Anleihen ist das Zinsänderungsrisiko. Die Zinsen, die man von einer Anleihe erhält (auch Kupon genannt) bleiben zwar über die Laufzeit gleich. Der Kurs bzw. Wert von Anleihen-ETFs kann aber fallen, wenn die Zinsen steigen. Das liegt ganz einfach daran, dass ältere Anleihen mit einem niedrigeren Zinskupon unattraktiv werden, sobald es neue Anleihen mit höheren Zinsen gibt.

Zinsänderungsrisiko bei Anleihen

Für eine neue Anleihe (also nach der Zinserhöhung von 2% auf 4%) müsste man nur 82 € zahlen, wenn man nach 10 Jahren eine Endsumme von 122 € erreichen möchte. Die alte Anleihe schafft auch 122 €, sie hat allerdings mal 100 € gekostet. Um sie verkaufen zu können, muss man den Preis auf 82 € senken und damit hat man einen Verlust von 18 % erlitten.

Das ist natürlich ein extremes Beispiel, aber es zeigt, dass die Wertschwankungen bei langen Laufzeiten erheblich sein können. Ein Maß dafür ist die sogenannte optionsbereinigte Duration oder auch modifizierte Duration. Ein Wert von 7 sagt z. B., dass der Wert einer Anleihe oder eines ETFs um ca. 7% fallen würde, wenn die Zinsen um 1% steigen.

Aus diesem Grund sollte man für den risikoarmen Teil des Portfolios nur ETFs mit kurzlaufenden Anleihen wählen (ca. 1-3 Jahre). Gerade in der heutigen Niedrigzinsphase wäre alles andere zu risikoreich.

Kupon vs. Rendite

Der Kupon ist die festgelegte jährliche Verzinsung einer Anleihe, während sich die Rendite aus Verzinsung und Wertentwicklung zusammensetzt. Die Rendite kann also schwanken und hängt vom allgemeinen Zinsniveau ab. Bei Anleihen-ETFs kann sich der Kupon übrigens ebenfalls etwas ändern, weil neue Anleihen hinzukommen und alte auslaufen oder verkauft werden.

Staatsanleihen-ETFs mit reduzierten Klimarisiken

Wie bereits erwähnt, gibt es bei den europäischen Staaten mit hoher Bonität nur wenige Probleme mit Kontroversen, allerdings spielt der Faktor Klima eine ebensogroße Rolle wie überall auf der Welt. Zwei nachhaltige Anleihen-ETFs von Ossiam und iShares versuchen dies zu berücksichtigen.

Ihre Auswahl richtet sich nach potentiellen Risiken bei der Entwicklung europäischer Staaten im Hinblick auf das Klima. Allerdings sind die Länder nur etwas unterschiedlich gewichtet und mir ist nicht Hundertprozent klar, was das für einen großen Unterschied machen soll.

iShares Euro Government Bond Climate UCITS ETF EUR (Dist)

Index: FTSE Advanced Climate Risk-Adjusted European Monetary Union Government Bond

ISIN: IE00BLDGH447; Auflagedatum: Okt 2020; TER: 0,09 %

Durchschnittlicher Kupon: ~2,1 %; Duration: ~8,8

Ossiam Euro Government Bonds 3-5Y Carbon Reduction UCITS ETF

Index: ICE 3-5 Year Euro Government Carbon Reduction

ISIN: LU2069380306; Auflagedatum: Mai 2020; TER: 0,17 %

Durchschnittlicher Kupon: ?; Duration: ?

Wer dennoch darüber nachdenkt, einen dieser ETFs für seinen risikoarmen Teil zu nehmen, sollte bedenken, dass mit Spanien und Italien auch Länder mit etwas schlechterem Bonitäts-Rating enthalten sind.

Nachhaltige Staatsanleihen-ETFs für den risikoreichen Teil

Zinsänderungsrisiko

Wo genau die Grenze zwischen risikoreich und risikoarm liegt, muss natürlich jeder selbst entscheiden. Sobald man allerdings zu Anleihen mit höheren Renditen geht, bewegt man sich definitiv im risikoreichen Teil des Portfolios.

Hier spielen dann auch Nachhaltigkeitskriterien verstärkt eine Rolle. Bei Schwellenländern und Unternehmen gibt es große Unterschiede, wie diese mit Themen wie Umweltschutz, Menschenrechten oder Korruption umgehen. Dementsprechend ist die Auswahl an nachhaltigen Anleihen-ETFs in diesem Segment größer.

Nachhaltige Schwellenländeranleihen-ETFs

Bleiben wir im Bereich Staatsanleihen, bieten vor allem ETFs aus Schwellenländern attraktive Renditen. Einen Blick wert ist der globale Emerging Markets Index von JP Morgan. Er integriert ein ESG-Rating in seine Anleihenauswahl und lieferte in der Vergangenheit eine Ausschüttungsrendite von über 4 %.

iShares J.P. Morgan ESG USD EM Bond UCITS ETF

Index: JP Morgan ESG EMBI Global Diversified

ISIN: IE00BDDRDW15; Auflagedatum: Sep 2018; TER: 0,45 %

Durchschnittlicher Kupon: ~4,8 %; Duration: ~8,5

Die Länder werden in 5 ESG-Bänder eingeteilt, von denen das schlechteste komplett ausgeschlossen wird. Das betrifft aktuell allerdings gerade mal 2 von über 30 Ländern.

Die restlichen Länder werden entsprechend ihrer Bewertung gewichtet. Das hat zum Teil starke Auswirkungen. Der Anteil von China sinkt auf gerade mal ein Drittel der Gewichtung des Ausgangsindex, während z. B. Anleihen aus Uruguay in der ESG Variante doppelt so stark vertreten sind.

Interessant ist übrigens, dass Anleihen, die als Green Bonds klassifiziert sind, ein ESG-Band höher rutschen als das Land, aus dem sie stammen.

Wem die Rendite von Schwellenländeranleihen zu niedrig ist, ist hier am Ende der Fahnenstange. Mehr Rendite gibt es in der Regel nur bei risikoreichen Unternehmensanleihen.

Nachhaltige Unternehmensanleihen-ETFs

Nachhaltige Unternehmensanleihen-ETFs

Die Auswahlmethoden bei nachhaltigen Unternehmensanleihen-ETFs unterscheiden sich von der eben genannten Vorgehensweise und ähneln eher denen der nachhaltigen Aktien-ETFs. Im Gegensatz zu Staatsanleihen-ETFs werden die konkreten Geschäfte bzw. das Verhalten der Unternehmen bewertet. Dafür werden unterschiedliche Nachhaltigkeitsfilter eingesetzt.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen werden die ETFs von Bloomberg in Kooperation mit MSCI aufgelegt. Die wichtigen Schlagworte sind hier SRI und Responsible. Das ist bei nachhaltigen Aktien-ETFs ähnlich aber die Begriffe bedeuten dort etwas anderes. Wer mehr zum Thema nachhaltige Aktien-ETFs erfahren möchte, findet mit diesem Beitrag einen guten Einstieg.

Was bedeuten „Responsible“ und „SRI“?

Hier stößt man leider wie des Öfteren auf eine bescheidende Informationspolitik. MSCI macht das bei nachhaltigen Aktien-ETFs eigentlich ganz gut. Aber bei den Anleihen-ETFs ist die Lage verwirrend. Da wird auf der Homepage und in den Prospekten groß zwischen Sustainability Indizes und Socially Responsible (SRI) Indizes unterschieden. In der Realität finden sich aber beide Begriffe in fast allen Indextiteln gemeinsam wieder.

Ein zusätzliches Ärgernis ist, dass die Namen der zugehörigen ETFs von den Anbietern frei gewählt werden und oft von der Indexbezeichnung abweichen. Damit ist die Verwirrung perfekt. Hier ein Beispiel:

iShares Euro Corporate Bond ESG UCITS ETF (Dist)

Index: Bloomberg Barclays MSCI Euro Corporate Sustainable and SRI

ISIN: IE00BYZTVT56; Auflagedatum: Jun 2018; TER: 0,12 %

Durchschnittlicher Kupon: ~1,5 %; Duration: 5,2

Kurz zur Erläuterung: Unter Socially Responsible (SRI) versteht MSCI (bei Anleihen-Indizes!) ein negatives Screening, um kontroverse Firmen auszuschließen. Damit sind Unternehmen gemeint, die ihr Geld z. B. mit Waffen, Glücksspiel, Alkohol, Tabak, Atomkraft oder genetisch veränderten Organismen verdienen. Darüber hinaus sind Firmen ausgeschlossen, die in heftige Kontroversen verwickelt sind, unabhängig von ihrem Geschäftsfeld.

Unter dem Begriff „Sustainability“ verbirgt sich hingegen ein positives Screening. Nach einem Best-in-Class-Verfahren werden Unternehmen ausgewählt, die im Vergleich zu ihren Konkurrenten ein besonders gutes ESG-Rating haben. Meistens wird dabei ein minimales Rating von z. B. BBB vorausgesetzt, damit sichergestellt ist, dass Nachzügler aus jedem Sektor ausgeschlossen sind.

Ein kleines Zwischenfazit ist hier, dass man sich bei nachhaltigen Unternehmensanleihen-ETFs bei jedem Produkt separat anschauen muss, welche Nachhaltigkeitskriterien und Methoden verwendet werden. Findet tut man das in den Factsheets und wenn man nach der Index Methodology googelt.

Weitere Nachhaltigkeitskriterien

Der Klimawandel ist, wie schon x-mal erwähnt, ein immer größer werdendes Problem. Dem tragen ETFs Rechnung, die besonders strenge Kriterien anlegen, wenn es um fossile Brennstoffe geht. Der Reduced Fossil Fuel Anleihen-ETF von Bloomberg Barclays und MSCI berücksichtigt neben anderen Nachhaltigkeitskriterien vor allem auch die CO2-Emissionen der vertretenen Unternehmen.

Wer mehr über Aktien-ETFs wissen möchte, die fossile Brennstoffe ausschließen, findet in diesem Beitrag eine ausführliche Analyse.

BNP Paribas Easy EUR Corporate Bond SRI Fossil Free UCITS ETF

Index: Bloomberg Barclays MSCI Euro Corporate SRI Sustainable Reduced Fossil Fuel

ISIN: LU1859444769; Auflagedatum: Jan 2019; TER: 0,20 %

Durchschnittlicher Kupon: ~1,3 %; Duration: ~5,5

Andere Indizes setzen beim Minimum-Rating noch einen oben drauf, um noch nachhaltiger zu sein.

Amundi Index Euro Corporate SRI 0-3 Y UCITS ETF DR (C)

Index: Bloomberg Barclays MSCI Euro Corporate ESG BB+ Sustainability SRI 0-3 Year

ISIN: LU2037748774; Auflagedatum: Sep 2019; TER: 0,12 %

Durchschnittlicher Kupon: ?; Duration: ?

Nachhaltige High Yield Anleihen-ETFs

Wer größere Risiken eingehen aber nicht auf Nachhaltigkeit verzichten möchte, kann sich den High Yield Bond ETF von iShares anschauen. Dieser ETF konzentriert sich auf Hochzinsanleihen (Sub-investment Grade) und liefert einen Jahreszins von fast 6 %. Er kann also theoretisch Aktien-ETFs beigemischt werden, ohne dass auf viel Performance verzichtet werden muss.

Das ist allerdings mit entsprechend hohen Risiken behaftet. Der Zinssatz ist zwar festgelegt, aber das Kreditausfallrisiko der Unternehmen und das Zinsänderungsrisiko müssen von dir als Investor getragen werden.

iShares Euro High Yield Corporate Bond ESG UCITS ETF EUR Hedged (Acc)

Index: Bloomberg Barclays MSCI US Corporate High Yield Sustainable BB+ SRI Bond (EUR Hedged)

ISIN: IE00BMDFDY08; Auflagedatum: Aug 2020; TER: 0,55 %

Durchschnittlicher Kupon: ~5,7 %; Duration: ~3,9

Impact Investing mit Green-Bond-ETFs

Impact Investing mit Green-Bond-ETFs

Sogenannte Green Bonds sind „grüne“ Anleihen, die konkrete Projekte im Bereich Umwelt- und Klimaschutz finanzieren. Das bedeutet, dass nicht vorrangig der Emittent der Anleihe sondern vor allem die Verwendung wichtig für die Klassifizierung ist. Man nennt sie auch Climate Bonds, was noch mal zum Ausdruck bringt, dass der Fokus hier darauf liegt, die Umwelt zu schonen und den Klimawandel aufzuhalten. Die anderen Bereiche der Nachhaltigkeit sind hier weniger im Fokus.

Es gibt mittlerweile eine Reihe von nachhaltigen Anleihen-ETFs, die sich auf Green Bonds spezialisieren. Sie enthalten teils mehrere Hundert Green Bonds, die in einem einzigen Finanzprodukt zusammengefasst sind. Ein Beispiel ist der Green Bond ETF von Lyxor, der auf einem Index von Solactive basiert und eine Verzinsung von 1,5 % ausweist.

Lyxor Green Bond (DR) UCITS ETF – Acc

Index: Solactive Green Bond Index

ISIN: LU1563454310; Auflagedatum: Feb 2017; TER: 0,25 %

Durchschnittlicher Kupon: ~1,5 %; Duration: ~8,6

In diesem Index werden nur Green Bond von Staaten, Unternehmen und Entwicklungsbanken aufgenommen, die von der Climate Bond Initiative (CBI) anerkannt wurden.

Es gibt nämlich öfter mal Kritik an Green Bonds, da es bisher keine einheitlich festgelegten Kriterien gibt. Es gibt allerdings verschiedene Initiativen, die dieses Problem in den Griff bekommen wollen.

Neben der erwähnten CBI gibt es z. B. die Green Bond Principles (GBP), die Vorgaben für die Verwendung der eingesammelten Gelder machen. Dies ist ein freiwilliger Standard, der den Emittenten der Anleihen mehr Transparenz abverlangt.

Weitere Schritte sind nötig, wenn das Vertrauen in das Label ausgebaut werden soll. Ich bin optimistisch gestimmt, denn das Thema ist im Kommen. Im September 2020 wurde die erste grüne Anleihe des Bundes emittiert.

So findest du den richtigen nachhaltigen Anleihen-ETF

Wie du siehst, gibt es selbst im Nischen-Segment der nachhaltigen Anleihen ein breites Spektrum an ETFs, aus dem du auswählen kannst. Doch bevor du jedes Factsheet durchliest und dich in den Details der Nachhaltigkeitsmethoden verlierst, würde ich folgende Vorgehensweise empfehlen.

Entscheide dich zuallererst für die Aufgabe, die ein Anleihen-ETF in deinem Portfolio übernehmen soll.

Soll er im risikoarmen oder im risikoreichen Teil landen? Es gibt kaum ETFs, die irgendwo dazwischen liegen und für beides geeigent sind. Daher kannst du so von vornherein eine Menge ausschließen.

Anschließend würde ich einige wichtige Kennzahlen in die Auswahl mit einbeziehen, allen voran die Fondsgröße. 100 Mio. Euro Fondvolumen sollten es schon sein. Sonst kann der Fond nicht wirtschaftlich arbeiten und wird vielleicht bald eingestellt. Beim Alter kann man aktuell noch nicht so wählerisch sein. Ideale ETFs haben schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Aber die meisten nachhaltigen Anleihen-ETFs sind sehr jung und müssen sich noch am Markt beweisen.

Die konkrete Auswahl einer Nachhaltigkeitsstrategie oder die Entscheidung für ein gezielteres Investment mit Green Bonds ist dann der letzte Schritt, bevor man sich entgültig festlegt.

Fazit

Es steckt viel Geld in Anleihen, mehr sogar als in Aktien. Für mich war das ein Grund, mich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Irgendwas musste ja dran sein. Allerdings kann die Antwort für Privatinvestoren eine gänzlich andere sein als für institutionelle Anleger.

Ich selbst investiere aktuell kein Geld in Anleihen. Die Erträge sind einfach zu niedrig.

Wer einen langen Anlagehorizont hat, braucht meiner Meinung nach neben einem gesunden Notgroschen kaum Geld in sicheren Anlagen zu parken. Und selbst wenn doch, sind Festgeld und Tagesgeld heutzutage die besseren Alternativen. In Zeiten von Negativzinsen würde ich Summen unter 100.000 € (Grenze der Einlagensicherung) nicht in nachhaltige Anleihen-ETFs stecken.

Auch im Bereich Portfolioabsicherung (Hedge) sehe ich Anleihen im Moment als problematisch an. Die Korrelation mit Aktien ist längst nicht mehr so niedrig wie früher, da die klassischen Mechanisment des Marktes mehr und mehr außer Kraft zu sein scheinen. Dass also Anleihen steigen, wenn Aktien fallen, ist Schnee von gestern.

Anleihen für den risikoreichen Teil?

Im risikoreichen Teil stellen Hochzinsanleihen theoretisch eine Ergänzung zu Aktien dar. Aber eine Diversifikation funktioniert nur, wenn die langfristig zu erwartende Rendite auch ähnlich hoch ist. Leider bieten unter den heutigen Bedingungen selbst Anleihen mit vergleichsweise hohem Risiko nur eine mittelprächtige Rendite.

Wer jetzt meint, das Umfeld könnte sich wieder ändern, mag recht behalten. Nur sollte man sich daran erinnern, dass steigende Zinsen erst mal bedeuten, dass der Wert von Anleihen fällt. Für mich ist das eine Lose-lose-Situation.

Außerdem finde ich die Auswahlmethoden von nachhaltigen Anleihen-ETFs ehrlich gesagt deutlich weniger transparent und streng als die der nachhaltigen Aktien-ETFs. Bei letzteren habe ich einen viel besseren Überblick, was genau ich mir ins Portfolio lege. Wobei ich das nicht zu stark kritisieren möchte. Bei Ländern ist es natürlich viel schwieriger, ein eindeutiges Rating zu finden und klar in Gut und Böse zu unterteilen.

Nachhaltige Grüße

Nachhaltige Grüße
Christian Kontakt

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