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Nachhaltig Investieren mit ETFs: Der Einsteiger-Guide (Teil 2)

Nachhaltig investieren mit ETFs - Teil 2

Wie sieht Investieren in nachhaltige ETFs in der Praxis aus? Im zweiten Teil dieses Einsteiger-Guides erfährst du mehr dazu, welche Renditen du erwarten kannst, wie du mit Bedenken und Ängsten umgehst und was du bei der Auswahl von nachhaltigen ETFs beachten solltest.

Wenn du den ersten Teil noch nicht gelesen hast, kannst du dir dort anschauen, welche Portfoliobausteine du im Handumdrehen durch nachhaltige ersetzen kann und welche nicht. Außerdem findest du dort 5 Vorteile, warum du in Zukunft besser in nachhaltige ETF investieren solltest.

Fangen wir an mit dem Thema Rendite. Denn das ist ein sehr entscheidender Faktor, da sollte man sich nicht belügen. Investieren dient nun mal dem Vermögensaufbau.

Welche Renditen bringen nachhaltige ETFs?

Die meisten nachhaltigen ETFs sind noch nicht lange genug am Markt, um belastbare Aussagen zu erlauben. Selbst 10 Jahre reichen dafür nicht aus. Allerdings kann man aus der bisherigen Performance zwei wichtige Erkenntnisse gewinnen.

  1. Je mehr Unternehmen in einem nachhaltigen ETF ausgeschlossen sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er vom Renditeverlauf des Elternindex abweicht (positiv oder negativ).
  2. Mit nachhaltigen ETFs verzichtet man nicht automatisch auf Rendite. Sie können sogar deutlich besser laufen als ihre jeweilige Benchmark.

Diversifikation ist bei nachhaltigen ETFs entscheidend

Im folgenden Diagramm siehst du, wie weit die Rendite von nachhaltigen ETFs über (oder unter) der Rendite ihres jeweiligen Benchmark-ETFs lag.

Abhängigkeit von Firmenzahl und Rendite

1 Punkt = 1 ETF; Je größer der Punkt, desto älter der ETF; Abweichung in % pro Jahr.

Nachhaltige ETFs, die noch einigermaßen ihrem Eltern-ETF entsprechen, liefern auch ähnliche Renditen. Je weiter rechts ein ETF-Punkt im Diagramm ist, desto näher ist er an der Nulllinie (=keine Abweichung). Was erst einmal logisch klingt, ist nicht so selbstverständlich, wie man denkt.

Immerhin fehlen selbst in einem MSCI World ESG Leaders (ca. 50% der Unternehmen) viele Top-Positionen wie Apple, Amazon und Facebook, die in den letzten Jahren extrem gut gelaufen sind. Trotzdem liegt die Rendite sehr dicht an der des MSCI World. Das finde ich überraschend. Viel überraschender als beim MSCI World ESG Screened, bei dem nur ca. 5% der Unternehmen ausgeschlossen sind. Dass die Abweichung hier gering ist, war relativ klar.

Reduziert man die Unternehmenszahl allerdings weiter, steigt die Gefahr von Renditeabweichungen deutlich an. Das ist vor allem bei Themen-ETFs der Fall, die typischerweise nur wenige Duzend oder Hundert Unternehmen enthalten. Das ist in der Vergangenheit mal gut und mal schlecht ausgegangen.

Renditeplus durch nachhaltige ETFs?

Schaut man sich die breit gestreuten ETFs genauer an, sieht man dass die Performance sogar über der nicht nachhaltigen Benchmark lag (z. B. 0,5% beim MSCI World SRI).

Optimisten schließen daraus, dass nachhaltige Unternehmen tatsächlich im Vorteil sind. Ob das nur eine kurzzeitige Schwankung war oder ein stabiler Trend, kann man allerdings im Moment noch nicht sagen. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten. Auch wenn einige Argumente dafür sprechen, dass nachhaltige Unternehmen systematisch im Vorteil sind.

Rein formal geht man nämlich mit nachhaltigen ETFs ein etwas höheres Risiko ein. Das liegt an der geringeren Diversifikation. Als passiver Investor sollte man sich also eher darüber freuen, dass die nachhaltigen ETFs nicht systematisch benachteiligt sind und nicht so sehr darauf schielen, dass sie besser waren. Zugegebenermaßen gelingt mir das auch nicht immer.

Wer definitiv überzeugt von der Überlegenheit von nachhaltigen Investments ist, kann natürlich weniger stark diversifizierte ETFs wählen. Nur so kann man eine deutliche Überrendite erzielen, allerdings gepaart mit dem entsprechenden Risiko.

Passive Investoren wählen besser nachhaltige ETFs, die noch mindestens 25% oder 50% der Unternehmen des Elternindex enthalten. Eine ausführliche Betrachtung mit vielen Beispielen findest du in diesem Beitrag.

Kosten nachhaltige ETFs mehr als normale ETFs?

Preislich macht es heute fast keinen Unterschied mehr, ob man in nachhaltige ETFs investiert oder in normale. Die Kosten eines ETFs werden als Total Expense Ratio (TER) angegeben. Nachhaltige ETFs auf den breiten Markt bewegen sich im Bereich zwischen 0,15% und 0,25% pro Jahr.

Es gibt zwar normale ETFs auf den MSCI World, die nur noch 0,08% pro Jahr kosten, aber das ist dann Jammern auf hohem Niveau. Natürlich machen auch 0,1% beim TER auf lange Sicht noch einen Unterschied. Aber beim Investieren spielen so viele andere Faktoren eine Rolle, dass das meiner Meinung nach vernachlässigbar ist.

Ich würde es mir am Anfang nicht zu kompliziert machen. Versuche, beim TER von breit gestreuten Welt-ETFs unter 0,25-0,30% zu bleiben. Viel teuer sollte es nicht werden, dafür gibt es einfach zu viele Alternativen am Markt. Wer sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen will, weil die Summen und das Interesse größer sind, sollte sich das Thema Tracking-Differenz anschauen.

TER vs. Tracking-Differenz

Die Tracking-Differenz (TD) gibt im Gegensatz zum TER die tatsächlichen Kosten eines ETFs an. Das TER wird über eine Kursabweichung „bezahlt“ und nicht separat vom Verrechnungskonto abgebucht. Allerdings können sich andere Dinge wie Wertpapierleihe und Optimierung der Quellensteuerabzüge positiv auf den Kurs auswirken. Unterm Strich kann die TD eines ETFs dann günstiger ausfallen als das TER, also die Verwaltungskosten.

Die TDs gängiger ETFs findest du hier.

Es ist aber auch nichts verkehrt daran, sich einfach darüber zu freuen, dass für ETFs nur Bruchteile von Prozent pro Jahr bezahlt und nicht 1,5% oder 2% wie bei aktiv gemanagten Fonds. Das ist der wirklich wichtige Unterschied, der verhindert, dass du nach 30 Jahren ein Drittel weniger im Depot hast. Alles weitere sind eher Detailfragen.

Auswahlkriterien bei nachhaltigen ETFs

Auswahlkriterien bei nachhaltigen ETFs

Bevor du die erste Kauforder platzierst oder den Sparplan einrichtest, musst du dich für konkrete Produkte entscheiden. In welche nachhaltigen ETFs sollst du nun investieren? Dabei müssen drei große Bereiche beachtet werden:

  1. Welchen Teil des Marktes möchtest du abdecken?
  2. Welche Nachhaltigkeitsstrategie möchtest du verfolgen?
  3. Welche Kennzahlen sollte der ETF erfüllen?

Zunächst stellt sich die allgemeine Frage nach der Asset Allocation. Wie das eigene Portfolio strukturiert sein soll, hängt von der jeweiligen Situation ab und muss von jedem individuell entschieden werden. Zwar hat dieser Teil theoretisch nichts mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun, allerdings solltest du bereits hier einen Überblick haben, welche nachhaltigen ETFs so angeboten werden. Es nützt dir ja nichts, wenn du dir eine ausgeklügelte Portfoliogewichtung überlegst, die dann gar nicht mit nachhaltigen Produkten realisiert werden kann.

Man sollte den Aspekt Nachhaltigkeit von vornherein in seine Entscheidungsprozesse mit einbeziehen.

Der Knackpunkt ist die Balance zwischen Nachhaltigkeit und Diversifikation. Ein Themen-ETF im Bereich erneuerbare Energien ist sehr nachhaltig, wird aber keine stabile marktnahe Rendite bringen.

Aber auch bei den breit gestreuten ETFs gibt noch eine große Bandbreite. Sind mir 25% der Markabdeckung genug? Oder möchte ich lieber 50% der Unternehmen drin haben? Hier tauscht man Diversifikation gegen Nachhaltigkeit und jeder muss für sich entscheiden, welchen Kompromiss er bereit ist einzugehen.

Ich kann hier nur jedem empfehlen, einen Blick in den sogenannten Index-Leitfaden (Index Methodology) eines ETFs zu werfen. Dort ist genau erklärt, wie die Auswahl der Firmen durchgeführt wird und welche Nachhaltigkeitskriterien dabei eine Rolle spielen. Außerdem gibt einem die Liste der enthaltenen Unternehmen (Constituents) ein ganz gutes Gefühl, welches Verständnis von Nachhaltigkeit in dem Index realisiert ist.

Berücksichtigung von allgemeinen Kennzahlen

Unabhängig von Marktregion und Nachhaltigkeit sollten ETFs ein paar allgemeine Eigenschaften erfüllen:

  • Fondalter min. 3 Jahre
  • Fondsgröße min. 100 Mio. EUR
  • TER max. 0,25-0,30% (außer speziellere ETFs)
  • Thesaurierend vs. Ausschüttend (je Situation des Anlegers)

Ist ein Fond beispielsweise sehr jung oder nicht besonders groß, besteht das Risiko, dass er sich nicht lange am Markt hält und wieder eingestampft wird. Sein Geld verliert man natürlich nicht. Aber durch das Umschichten in einen anderen ETF, realisiert man die bisherigen Kursgewinne und muss Steuern zahlen. Der Vorteil von thesaurierenden ETFs wäre in diesem Fall dahin.

Allerdings muss ich sagen, dass es „nicht-nachhaltige“ Investoren hier deutlich leichter haben, das Nonplusultra eines ETFs zu finden. Als nachhaltiger Investor wählt man aus einem kleineren Angebot und muss die Aspekte gegeneinander abwägen.

Ich persönlich bin bereit, mehr Kompromisse einzugehen, als es normale passive Investoren tun würden. Die Nachteile, die man theoretisch mit kleinen und jungen ETFs haben kann, fallen meiner Meinung nach nicht so ins Gewicht (auf 2-3 Jahressicht drohen max. 5-10 € Verlust durch Steuern, pro 10.000€ eingesetztem Kapital). Da ist es mir viel wichtiger, in einen nachhaltigen ETFs zu investieren, mit dem ich insgesamt zufrieden bin.

Wo und wie investiert man in nachhaltige ETFs?

Der Kauf von nachhaltigen ETFs funktioniert genauso wie der von normalen ETFs. Das bedeutet, dass man zunächst ein Depot bei einem Broker benötigt. Nach der Eröffnung kann man Geld von seinem Girokonto auf das Verrechnungskonto überweisen. Dieses gehört zum Depot. Ist es dort angekommen (in der Regel nach 1-2 Tage), kann es losgehen.

Wer noch keinen Broker hat, sollte unbedingt vor der Anmeldung überlegen, an welchen ETFs er interessiert ist.

Das ist insbesondere bei nachhaltigen ETFs wichtig. Nicht jeder Broker bietet alle ETFs an, als Sparplan schon gar nicht. Das kann echt enttäuschend sein, wenn man das zu spät bemerkt. Für mich einer der wichtigsten Faktoren bei der Brokerwahl.

Sparplan vs. direkte Kauforder

Es gibt zwei Möglichkeiten ETFs zu erwerben, über einen Sparplan oder eine direkte Kauforder. Bei größeren Summen, bzw. einer Einmalanlage ist die Kauforder meist günstiger. Außerdem hat man hier die Kontrolle darüber, wann man die Order platziert. Wo genau die Grenze ist, hängt von Broker und ETF ab.

Möchte man regelmäßig kleinere Beträge investieren, ist ein Sparplan die bessere Option. Die Gebühren sind im Verhältnis niedriger. Außerdem hat man hier den Vorteil, dass man das Investieren automatisieren kann. Man richtet einen Dauerauftrag von seinem Girokonto und einen Sparplan für das Depot ein und jeden Monat wird automatisch zugekauft.

Das kann wichtiger sein als man denkt. Man kann weder vergessen, Aktien zu kaufen, noch auf die Idee kommen, den richtigen Tag abpassen zu wollen. So fällst du nicht auf die Versuchung rein, Market Timing zu betreiben. Stur und stetig sparen, das sagt auch Tim Schäfer – ein Urgestein der Finanzbloggerszene – immer wieder, von dem ich ein großer Fan bin. Das ist das Geheimnis eines erfolgreichen Vermögensaufbaus.

Nachhaltige ETFs im Sparplan

Viele nachhaltige ETFs sind noch sehr jung. Deshalb gibt es einige von ihnen leider noch nicht als Sparplan. Es dauert immer eine Zeit, bis sich Broker dazu entschließt, einen Sparplan anzubieten. Das macht er oft auch nur bei denen, die viel gekauft werden oder wenn er entsprechende Kooperationen mit den ETF-Anbietern hat.

Trotzdem gibt es eine ganze Menge Sparpläne, mit denen du völlig stressfrei in nachhaltige ETFs investieren kannst. Bei den gängigen ETF-Suchmaschinen wie justETF oder extraETF kannst du direkt danach suchen.

Insgesamt würde ich das Thema allerdings nicht zu hoch bewerten. Ich persönlich investiere in nachhaltige ETFs, für die mein Broker noch keine Sparpläne anbietet. Dafür habe ich eine regelmäßige Erinnerung im Kalender, damit ich den Zukauf nicht vergesse. Eine Order ist dann in wenigen Minuten platziert.

Die Kosten sind heutzutage sowieso überschaubar. Das Kaufen von Aktien ist so günstig wie nie und das, was wirklich ins Gewicht fällt, sind die laufenden Kosten (siehe TER und TD). Mach dir also über die Kaufgebühren nicht zu viele Gedanken. Sonst hält dich das am Ende noch davon ab, dein erstes nachhaltiges Investment zu tätigen.

Bedenken und Ängste beim nachhaltig Investieren

Bedenken und Ängste beim nachhaltig Investieren

Wenn du es bis hierher geschafft hast, bist du vermutlich wirklich motiviert, nachhaltig zu investieren. Du wirst aber trotzdem noch Bedenken haben. Ist das wirklich so eine gute Idee, fragst du dich? Das ist ganz normal. Mir ging es genauso und ich möchte auch gar nicht so tun, als wäre nachhaltiges Investieren über jeden Zweifel erhaben.

Mir ist es in meinen Beiträgen sehr wichtig, immer auch die Kontrapunkte zu beleuchten.

Viele Zweifel, die ich in Kommentaren, Videos oder Foren gesehen und gelesen habe, kann man relativ einfach aus der Welt schaffen. Deshalb findest du hier die typischen Ängste von nachhaltigen Investoren, und was ich darüber denke.

Angst Nr. 1: Ich verzichte auf Rendite.

Das Schreckensszenario schlechthin. Du hockst auf deinen nachhaltigen ETFs und der MSCI World zieht davon. Spätestens jetzt spürst du, dass es beim Investieren nun mal auch um Rendite geht. Sonst könnte man das Geld ja auch spenden.

Deshalb kommen Zweifel hoch und der Sündenbock ist schnell gefunden. Sind nachhaltige Unternehmen vielleicht in Wirklichkeit benachteiligt? Warst du blind optimistisch, dass sich faire Arbeitsbedingungen und umweltgerechtes Verhalten am Ende durchsetzen? In der Wirtschaft überleben die Stärksten und nicht, wer brav den Müll trennt.

Dazu kann ich nur folgendes sagen:

1. Falls dich kurzfristige Entwicklungen (ein paar Jahre) verunsichern, solltest du daran denken, dass die Börse immer langfristig betrachtet werden muss. Als passiver ETF-Investor rennt man keinen Trends (die man eh nicht voraussehen kann) hinterher. Das Comeback der Ölkonzerne nach der Corona-Krise sollte einem also zum Beispiel egal sein.

Die eigentliche Frage ist doch, ob nachhaltige Unternehmen insgesamt unterm Strich in 15-20 Jahren besser dastehen werden oder nicht? Wenn du daran glaubst, kannst du es verkraften, wenn du mal ein paar Jahre hinter der Benchmark zurückbleibst.

2. Viele Argumente sprechen dafür, dass Nachhaltigkeit ein langfristiger Trend ist. Ich finde es etwas lächerlich, wenn manche Leute Kurzzeittrends wie den 3D-Drucker-Hype mit den tiefgreifenden Umwälzungen vergleichen, die z. B. eine Abkehr von fossilen Brennstoffen bedeuten.

Der Klimawandel und die Zerstörung der Umwelt sind Probleme, die uns noch länger beschäftigen werden. Hinzukommt der stetig steigende Wohlstand, der mit einem Wunsch nach besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen einhergeht.

Es gibt unzählige Gründe, warum nachhaltige Unternehmen zukünftig Wettbewerbsvorteile haben können.

3. Wer breit diversifiziert ist, und das ist man selbst mit einem MSCI World SRI mit strengen Nachhaltigkeitskriterien, wird langfristig eine gute Rendite erzielen. Die Wahrscheinlichkeit stark von der Marktrendite abzuweichen, ist klein, denn es sind immer noch hunderte von Unternehmen in diesen ETFs. Das hat mein Rendite-Vergleich von nachhaltigen ETFs eindeutig gezeigt.

4. Last but not least möchte ich die Rendite von Waffenproduzenten, Kohlekraftwerken und Dumpinglohnfirmen gar nicht haben. Wenn der MSCI World besser läuft als die nachhaltigen Varianten, kommt der Gewinn von solchen Firmen. Das sollte man nicht vergessen.

Mein Tipp: Taste dich langsam an das Thema heran. Investierst du bereits in ETFs, stelle erst mal nur deinen Sparplan um. Du musst nicht gleich deinen ganzen Depotbestand in nachhaltige ETFs umschichten. Das habe ich auch nicht gemacht.

Wer neu ist, könnte zweigleisig fahren. Investiere einen Teil in normale und einen Teil in nachhaltige ETFs. Wie fühlt sich das an, wenn das eine oder das andere besser läuft? Fange aber auf jeden Fall an, das wichtigste ist loszulegen.

Angst Nr. 2: Es sind Firmen ausgeschlossen, die gar nicht so schlimm sind. 

Was ist noch schlimmer als auf Rendite zu verzichten? Umsonst drauf zu verzichten! Ist Google jetzt wirklich so schlimm? Oder Amazon? Oder Nestlé? Wenn man von Kursraketen liest, die man selbst nicht im Portfolio hat, grummelt der Bauch.

Wer solche Gedanken hat, den kann ich beruhigen. Facebook, Amazon und Co. mögen eine beispiellose Entwicklung gemacht haben, aber die hat auch Microsoft gemacht. Microsoft wird durch die Bank als nachhaltig eingestuft und ist sogar im strengen MSCI World SRI enthalten. Und der ist auch ohne die anderen Tech-Firmen besser gelaufen als der MSCI World.

Selbst die größten Unternehmen machen nur einen kleinen Teil der Performance von breit gestreuten ETFs auf den Weltmarkt aus. Das gilt vor allem auf lange Sicht. Die Gesamtrendite ist die Summe der Entwicklung vieler Firmen.

Risiken benennen und einschätzen

Ich will natürlich nicht beschönigen, dass man auch mal was verpassen kann. Ein kontroverser Pharmakonzern, der auf einmal ein Antikrebsmedikament entwickelt und Retter vieler Leben wird. Oder ein umstrittener Tech-Gigant, der durch seine KI-Forschung den Markt der Zukunft dominiert.

Nachhaltigen Investoren werden Dinge durch die Lappen gehen, das steht außer Frage. Das heißt aber nicht, dass ihre Rendite am Ende schlechter sein muss. Die Rendite ist der Durchschnitt des gesamten Markts und der besteht aus viel mehr als nur den Sternen am Börsenhimmel. Wenn du also an Nachhaltigkeit als eine vielschichtige, tiefgreifende Entwicklung glaubst, verkraftest du die nächste Megaschlagzeile, an der du nicht beteiligt bist.

Mein Tipp: Entscheide dich nicht einfach für irgendeinen ETF, den dir jemand empfohlen hat. Es ist wichtig, dass du dich mit deiner Geldanlage auseinandersetzt und mit der Balance zwischen Nachhaltigkeit und Diversifikation zufrieden bist.

Angst Nr. 3: Sind nachhaltige ETFs wirklich nachhaltig?

Diese Sorge haben vor allem Investoren, die sich vorrangig aus moralischen Gründen für eine nachhaltige Geldanlage entscheiden. Wenn Kritik an nachhaltigen ETFs geübt wird, dass es z. B. eine Ölfirma in die Auswahl geschafft hat, wird man schnell unsicher.

Wichtig ist erst mal festzuhalten, das Thema ist sehr subjektiv. Manche haben nur mit Waffenproduzenten ein Problem, andere sehen in McDonalds Burgern und Coca Cola das viel größere Übel. Man kann es also nicht allen rechtmachen (Solactive hat dazu einen tollen Beitrag geschrieben).

Hundertprozent nachhaltige Investments sind eine Illusion.

Nachhaltige ETFs sind ein Kompromiss. Allerdings einer, an den ich fest glaube. Zum einen sind sie in jedem Fall nachhaltiger als „normale“ ETFs. Zum anderen bezweifle ich, dass ich es selbst schaffen würde, ein noch nachhaltigeres Portfolio zusammenzustellen. Selbst Einzelaktien auszuwählen und alle Firmen seriös auf Nachhaltigkeit zu prüfen, ist ziemlich aussichtslos.

Aktiv gemanagte Fonds sind auch keine Alternative, die garantiert besser ist. Hier wird genauso wie bei ETFs von Menschen entschieden, welche Firmen in die Auswahl kommen. Auch wenn der Prozess etwas anders ist. Das ist aber genauso eine Mischung aus objektiven und subjektiven Kriterien und kann ebenso am Ziel vorbeischießen.

Ich muss allerdings zugeben, dass es durchaus aktive Fonds gibt, die ich für nachhaltiger als breit gestreute ETFs wie den MSCI World SRI halte. Das liegt aber meist an der deutlich geringeren Anzahl an Unternehmen. Zusammen mit den höheren Kosten ist das ein echter Risiko- und Kostennachteil, der für mich das eventuelle Nachhaltigkeitsplus nicht aufwiegt.

Wenn Zweifel vom Handeln abhalten

Besonders schade finde ich es, wenn die Kritik dazu führt, dass überhaupt nicht nachhaltig investiert wird. Da wird aus Bequemlichkeit weiter der MSCI World bespart, weil man mit keinem nachhaltigen Produkt zu Hundertprozent zufrieden ist. Dabei vergisst man aber schnell, welche Firmen man dann im Depot hat.

Exxon Mobil zerstört mit Fracking die Umwelt, der Minenkonzern Barrick Gold fördert rücksichtlos Rohstoffe in aller Welt und das Rüstungsunternehmen General Dynamics produzierte bis vor kurzem noch Streubomben, die international geächtet sind. Die finde ich alle problematischer als Burger und zuckerhaltige Limonade. Aber das ist meine subjektive Meinung.

Warum nicht zumindest ein etwas nachhaltigeres Produkt wählen? Ein MSCI World ESG Screened ist günstig zu haben und  wird bei der Rendite nicht weit weg vom MSCI World liegen.

Mein Tipp: Sei nicht zu perfektionistisch. Und mache dir immer wieder klar, dass die positiven Effekte von nachhaltigen ETFs nicht so sichtbar sind wie die Rendite. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht vorhanden sind. Du musst dich nicht dafür rechtfertigen, dass du in einen nachhaltigen ETF investierst. Du musst nur selbst damit zufrieden sein.

Fazit

Wer sein Geld nachhaltig anlegen möchte, hat individuelle Gründe, die sehr unterschiedlich sein können. Der eine verspricht sich ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis, ein anderer möchte sein Portfolio frei von moralisch fragwürdigen Firmen halten.

Ob dich die Produkte letztlich überzeugen, musst du für dich selbst entscheiden. Dafür musst du ein bisschen Recherche betreiben. Wenn du nicht verstehst, worin du investierst, wirst du nicht langfristig dabeibleiben.

Das Angebot ist mittlerweile schon recht unübersichtlich. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Sonst investiert man nachher aus Verzweiflung oder Faulheit einfach wieder in normale ETFs, mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt. Das mag für viele auch ok und der richtige Weg sein.

Mir ist nur immer wichtig zu betonen, dass man diese Entscheidung bewusst treffen sollte und nicht, weil man keine Lust hatte, sich drum zu kümmern.

Wer Geld investiert, trägt Verantwortung

Damit begann Teil 1 dieses Guides und zu dieser Aussage stehe ich. Außerdem hat das Thema aus der Sicht von Nachhaltigkeitsrisiken auch für renditeorientierte Anleger eine große Relevanz. Wer sich heutzutage als Investor nicht intensiv damit auseinandersetzt, ist selber schuld.

Dabei darf man natürlich nie die Risiken unter den Tisch kehren, die ein Investment in nachhaltige ETFs mit sich bringt. Es ist eine Art Sektorwette. Aber es ist noch so viel mehr. Ich und viele andere sind davon überzeugt, dass man damit tatsächlich dazu beitragen kann, die Welt ein Stücken besser zu machen. Denke also immer an alle drei Dimensionen aus dem grünen Dreieck: gutes Gewissen, positiver Einfluss und finanzieller Erfolg.

Ich hoffe, du hast einen guten Überblick gewonnen, was investieren in nachhaltige ETFs bedeutet. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinen ersten Schritten zum grünen Portfolio.

Nachhaltige Grüße

Nachhaltige Grüße
Christian Kontakt

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